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OM feiert im Jahr 2017 seinen 60. Geburtstag

In diesem Jubiläumsjahr werden wir jede Woche einen Artikel veröffentlichen. Jeder dieser 60 Artikel wird von einer Begebenheit erzählen, die OM zu dem formte, was sie heute ist. Wenn man bedenkt, was für Menschen und Begebenheiten „Operation Mobilisation“ (OM) geprägt haben, ist es eigentlich eher unwahrscheinlich, dass es OM heute noch gibt und wir nun auf eine 60-jährige Geschichte zurückblicken können.



47 Kleinstunternehmen sind christlicher Dienst


TeambuildingEin Markenzeichen der Mission Jesu war die Verkündigung der „rettenden Botschaft von Gottes Reich“ (Lukas 8,1) durch eine grundlegende Methode des Vormachens und Erklärens. Er redete nicht nur über den Weg zum ewigen Leben, er machte ihn für Menschen auf aktive und praktische Weise erlebbar – er machte Kranke gesund, gab den Hungrigen zu essen und heilte gebrochene Herzen. Genauso möchte auch OM ganzheitliche Veränderung im Leben der Menschen bewirken, indem eine Möglichkeit zur Verbesserung der Lebensverhältnisse durch Programme für Kleinstunternehmen angeboten werden.

Fang klein an, aber fang an
Als ehemaliger Sowjetstaat war es dem kleinen und heruntergewirtschafteten Land Moldawien 70 Jahre lang verboten, Privatwirtschaft zu betreiben. Das führte in manchen Städten zu einer Arbeitslosigkeitsrate von bis 80 Prozent, einer Welle von Alkoholismus, dem Aussetzen von Kindern und einer starken Ausbeutung von Waisenkindern (die Nation liegt auf Platz 6 des weltweiten Menschenhandelsindex). Doch Gott hat die Menschen dort nicht vergessen – genauso wenig wie OM.

2006 startete OM Business for Transformation (B4T, Unternehmen für Veränderung), ein intensives Geschäftsseminar in Moldawien, welches die Entwicklung eines Unternehmenskonzepts von jedem Teilnehmer umfasste sowie ein Gründungsdarlehen für diejenigen, die die Anforderungen der Investoren erfüllten.

Mihael, ein Landwirt, nutze sein Darlehen um diverse Gewächshäuser zu errichten. Als einer der wenigen im Land, der bestimmte Feldfrüchte auch im Winter ernten kann, konnte Mihael sein Unternehmen expandieren, zusätzliche Mitarbeiter einstellen und in das Projekt zurückinvestieren, das all dies möglich gemacht hatte.

„Als Christ ist es mein Ziel, für Gott zu arbeiten”, sagt er. „Ich glaube, dass man das durch seine normale Arbeit und sein Geld tun kann. Mein Traum ist es, eines Tages mit dem Geld, das ich durch mein Unternehmen verdiene, in die Verbreitung des Evangeliums zu investieren.“

An anderen Orten in der Welt gibt OM den Armen und Vergessenen auf anderen Wegen die Möglichkeit, ein fruchtbares Leben aufzubauen. In der Talamanca-Region von Costa Rica entwickelte OM ein Wohnprojekt für die Cabecar-Menschen, eine der wenigen verbleibenden einheimischen Gruppen in Zentralamerika, die eine prä-kolumbianische Sprache sprechen.

Da Talamanca in einem indigenen Reservat in den abgelegenen Bergen des Landes liegt, werden die Cabecar meist nicht beachtet und haben begrenzten Zugang zu Wasser, Essen und Gesundheitsversorgung. Jedes von OM gebaute Holzhaus investiert über seine viermonatige Bauzeit 10 000 Euro vor Ort – mittlerweile sind bereits vier Häuser fertiggestellt worden. Eines davon ist nun das Zuhause von Angela und ihren vier behinderten Kindern und gibt der Familie die Möglichkeit, ihr Leben von einer soliden Grundlage aus zu gestalten. Ihr Haus wurde behindertenfreundlich ausgestattet, mit Behindertenzugang und einem Rollstuhl für ihre Kinder, die nun nicht mehr Tag für Tag vom dreckigen Boden aus zu anderen Menschen aufblicken müssen.

In Sambia unterstützt die Tabitha-Initiative, die von der Freedom-Challenge-Mission von OM finanziert wird, gefährdete Frauen durch die Vermittlung unternehmerischer Kompetenzen. Teilnehmer erhalten elementares Training in einem vorgegebenen Handwerk wie beispielsweise in der Herstellung von handgemachtem Schmuck oder Kleidung und lernen in der zweiten Phase, dem ‚Business Expense Savings Training‘ (Training für geschäftliche Einsparungsmöglichkeiten) Grundsätze für die Führung eines Unternehmens kennen. In der Endphase erhält jede Teilnehmerin ein kleines Darlehen von 40 Kwacha (umgerechnet etwa vier Euro) und wird dazu aufgefordert, eine gewinnorientierte kreative Geschäftsidee auf der Grundlage dieses geringen Betrages zu entwickeln. Wer wie Monica Sorgfalt im Projekt zeigt, darf einen Geschäftsvorschlag machen, der eine größere Summe erfordert. Sie hat einen Betrieb der Hühnerzucht eröffnet und kann nun die Ausbildung ihrer Tochter finanzieren.

Monicas Tipp für angehende Unternehmer? „Du kannst kein Unternehmen ohne ausreichend Vorbereitungen gründen!“. So simpel dieser Grundsatz sein mag, so sehr hat doch das sorgfältige Üben das Leben und die Wertvorstellungen der Frauen verändert. Ein OM Mitarbeiter stellte fest: „Sie haben nun ein bestimmtes Vertrauen in sich selbst, eine Haltung, die nicht da war, bevor sie mit dem Programm begonnen haben. Und diese innere Verwandlung zu sehen, ist genauso lohnenswert wie die Veränderung ihrer äußeren Umstände.“

Dasselbe konnte man über die Teilnehmer eines OM Programms für Computerkenntnisse sagen. In Bangladesch kämpfen 47 Prozent der Universitätsabsolventen gegen die entmutigende Arbeitslosigkeit. Einer von ihnen, ein junger Mann namens Gobal, arbeitete hart, um seinen Universitätsabschluss zu machen, konnte aber keinen anständig bezahlten Job finden, der mit seinen Referenzen übereinstimmte – zumindest nicht einen, der nicht zusätzlich auch Computerkenntnisse voraussetzte. Nachdem er den dreimonatigen Trainingskurs von OM beendet hatte, stellte eine Firma ihn für eine komplett computergestützte Position ein.

„Ich bin so dankbar”, sagt Gobal. „Jetzt kann ich meine Familie unterstützen und bin nicht länger eine Last für sie. Danke OM, für diese drei wunderbaren Monate Training.“

Patrick Woods, geboren und aufgewachsen im Missionsfeld in Südamerika, arbeitet als Autor und Inhalts-Verwalter für OM USA. Er lebt in der Nähe von Atlanta und hat eine Leidenschaft für Langstreckenlauf, Bücher, Fernsehen, Koffein und Essen.



46 Tragfähige Lösungen für Missionsarbeit

TeambuildingJahrelang hat die Nordhälfte der Erde für den Hauptanteil der Unterstützung – Gelder und Menschen – gesorgt, und die Südhalbkugel* war der Empfänger. Aber nun, da die Gemeinde Gottes auf der südlichen Hemisphäre wächst, werden Orte, die einst Ziele der Mission waren, zu Startpositionen.

Wenn man missionarisch gesinnt ist, bedeutet das noch nicht, dass man sofort Missionare aussendet. Weil der Mangel an Geldmitteln viele Gemeinden der südlichen Hemisphäre daran hindert, Missionare auszusenden, braucht man neue Wege, Missionsarbeit finanziell zu unterstützen. Die Global South Initiative von OM – GSI - (Initiative für den Globalen Süden) ist ein Fünfjahresprojekt, begonnen im Jahr 2013, das die am wenigsten erreichten Völker dadurch zu erreichen sucht, dass die Gemeinden der südlichen Hemisphäre finanzielle tragfähige Lösungen aufbauen, durch ‚schlüsselfertige’ Geschäftsmodelle sowohl für das ganze Missionsfeld als auch für den einzelnen Missionar. Solch ein ‚Schlüsselfertig-Modell’ ist auf seinen Erfolg hin bereits getestet worden und vorgefertigt – man braucht eigentlich nur noch ‚den Schlüssel umzudrehen’, um zu beginnen.

Seit 2014 ist GSI in 38 Projekten involviert – mit direkter Auswirkung auf 60 Arbeitsbereiche von OM. Projekte, die derzeit laufen, umfassen biologischen Anbau in Asien, den Verkauf von Elektrizität im Nahen Osten, Vermietung von Erntemaschinen in Moldawien, Bau von Stadthäusern in Sambia und die Entwicklung des ‚Global Food Gardens’ in Deutschland. Bis etwa ins Jahr 2025 möchte GSI 7000 neue Missionare aus der südlichen Hemisphäre in unter 500 Gemeinden der am wenigsten erreichten Völker an der Arbeit sehen.

Anbau ohne Boden
Der ‚Global Food Garden’ (GFG), auch ‚die Blase’ genannt, wurde in Deutschland getestet, um Gemüse mit einem Minimum an Wasser und ohne Boden anzubauen. Möglich gemacht wird das durch das Aufhängen der Pflanzenwurzeln in der Luft und das Zuführen von Nährstoffen durch Nebel. Da viele Gebiete auf der Erde nicht genug Wasser oder guten Erdboden oder auch beides haben, bietet der GFG eine einzigartige Lösung und lässt dabei noch mehr Pflanzen auf kleinerem Raum wachsen.

Die erste ‚Blase’ wurde 2008 nach dem Erdbeben von Sichuan in China aufgebaut. Bald erwies sich das System als zu technisch und teuer, um leicht vervielfältigt zu werden. Also entwickelten und testeten OM Teams kleinere Systeme. Cindy Shinabarger leitet das Hydroponik-Nachhaltigkeitsprojekt für das Team in den USA, das mit der Hydroponik-Technologie, das unabhängig vom Versorgungssystem und mit wenig technischem Aufwand funktioniert, dort hilft, wo stetige Stromversorgung ein Problem ist.

„Das System lässt Produkte an Stellen wachsen, wo der Erdboden keinen traditionellen Ackerbau erlaubt und wo geeignetes Wasser fehlt“, erklärt Cindy. „Die Einfachheit des Systems ist weltweit anwendbar. Dieselbe Technologie kann in einem kleinen System verwendet werden, um eine einzelne Familie zu ernähren, bis hin zum gewerbsmäßigem Gewächshaus, das die Ernte eines ganzen Feldes hergibt."

Zurzeit arbeitet OM mit diesem Projekt in Ghana mit der Aguri-Gartenbau-Schule zusammen, um das System dort einzuführen. Die Schule wird ein Testbeet bauen, auf dem die Hydroponik-Technologie einen Probelauf machen kann und nach Bedarf Anpassungen vorgenommen werden können. Sobald die Schule erfolgreich Pflanzen gezüchtet hat, wird man Personen, die OM ausgewählt hat, anleiten, das System zu multiplizieren.

Sprache: Problem und Lösung
In Chile bemerkte OM, dass nicht nur ein Mangel an Geldmitteln Latinos davon abhielt, sich Missionen anzuschließen, sondern dass es auch eine Sprachbarriere gab. Deshalb begann OM auf ihrem jährlichen intensiven Missionstrainingskurs auch Englischunterricht anzubieten.

„Als das Team Angebote von außenstehenden Anbietern zu sammeln begann, wurde deutlich, dass es einen hohen Bedarf an Kursen auf unterer und mittlerer Stufe gab und dass solche Kurse finanziell einträglich sein könnten“, sagt Roshani Morton, der die Finanzentwicklung für OM in Lateinamerika leitet.

Durch die Gründung einer Sprachschule sprach OM sowohl die finanziellen als auch die sprachlichen Barrieren an. Die Sprach- und Kulturschule wurde im März 2016 im OM Zentrum in der Nähe der Universitäten und der Buslinien offiziell eröffnet. Durch qualifizierte Lehrer werden Spanisch- und Englischkurse unterrichtet und die Schule ist für Studenten, Kirchen und die Allgemeinheit offen. Die Kurse bieten alle Aspekte des Sprachelernens: Sprechen, Lesen, Schreiben und Verstehen, mit einem besonderen Schwerpunkt auf mündlicher Kommunikation.

Da die Schule sich als Neugründung noch in ihrem ersten Jahr befindet, ist sie finanziell nicht unabhängig. Sowie sie Gewinn abwirft, wird die Schule finanziell zu OMs Arbeitsbereichen, Fixkosten, Finanzreserven und missionarischen Patenschaften beitragen.

Die Schule will durch qualifizierten Dienst und praktisches Aufzeigen der Liebe Jesu für die Studenten Gott ehren. „Durch die Sprachschule erreichen wir Ungläubige indirekt mit der Botschaft von Jesus,“ sagte Amy Vierling, die Projektleiterin der Schule. „Missionslehrer schaffen Freundschaften zwischen Studenten und Lehrern durch ihr Ziel, eine Sprache zu lehren. Durch diese echten Freundschaften ist es ihnen möglich von ihrer Überzeugung und ihrem Glauben zu sprechen.“

Derzeit laufen drei Englischklassen: eine am Vormittag und zwei abends. Es werden mehr Lehrer benötigt für das Team, insbesondere zwei Englischlehrer und jemand, der eine Sprache wie Mandarin oder Arabisch unterrichtet, was die Gesamtsicht von OM stützen würde, Missionare auszubilden, die zu den Unerreichten gehen können.“

*Die südliche Hemisphäre umschließt Mittel- und Lateinamerika, die Karibik, Osteuropa, den Nahen und Mittleren Osten, ganz Afrika und ganz Asien außer Singapur, Hongkong, Taiwan und Südkorea.

Rebecca Rempel ist Fotojournalistin und kommt aus Kanada. Sie arbeitet mit dem Kommunikationsteam von OM Afrika, reist durch Afrika, fotografiert und schreibt über die Arbeit, die Gott auf dem afrikanischen Kontinent tut.




45 Kanonen kann man nicht von einem Paddelboot aus abfeuern

TeambuildingFünftausend Missionare in 350 Gemeinden bis 2015: ein hochgestecktes, ehrgeiziges Ziel für OM in Afrika, umgeben von Gebet und Gottes Gnade.

Aber dieses Ziel, das wir uns heute stecken, wäre vor 2009 nie möglich gewesen – ein Jahr, in dem die jahrelange Partnerschaft zwischen OM Afrika und Pro Christo seinen Höhepunkt erreichte. Was die meisten Menschen nicht wissen, sagt der ehemalige Leiter von OM Afrika, François Vosloo, ist, dass die Beziehung zwischen den beiden Organisationen viel tiefer geht, denn die Leiter von Pro Christo arbeiten seit 1991 eng mit OM nach dem Konzept von Pro Christo zusammen.

Obwohl die beiden Organisationen eng zusammenarbeiteten, sagt der jetzige Leiter OM Afrika Melvin Chiombe, war der Gedanke einer Fusion damals in der Leitung bei Pro Christo nicht vorgesehen. „Seit seiner Gründung hatte Pro Christo durch François Verbindung mit OM Südafrika“, sagt er. „Auf einer Missionskonferenz 1997 war François der Sprecher. Zu der Zeit hatten wir keine Fusion im Blick, wir waren einfach Partner.“

Als Coen Schultz 1999 Pro Christo in Sambia startete, arbeitete er in dieser Partnerschaft weiter. 2004 schlossen sich OM Bücher und Pro Christo zusammen, um christliche Literatur in Zentralafrika zu verbreiten.

Anfang 2008 kam die Idee zu fusionieren – nicht nur als ein passender Schritt, sondern auch als Schlüsselfaktor bei der Ausweitung der Missionsarbeit in Afrika. Coen, der nach Südafrika gezogen war, um Universitätsstudenten für die Mission zu schulen und zu mobilisieren, nahm Kontakt mit Melvin auf, um sicherzustellen, dass es für alle von Vorteil sei.

„Ich habe ihm gesagt, dass es um das Reich Gottes gehe, nicht um den Namen einer Organisation“, sagt Melvin. „Aber ... ich hatte doch Vorbehalte. Die Werte und Visionen waren dieselben, aber ich machte mir Gedanken wegen der Strategien und des Führungsstils. Da Pro Christo eine kleine Organisation war, war es für sie leichter, Entscheidungen zu treffen, als für eine größere Organisation wie OM.“

In seinem Bemühen die Vorteile für beide Gruppen zu fördern, schlug Melvin vor, die Partnerschaft als Eheschließung anzusehen, wo zwei einzigartige Individuen trotz aller Unterschiede einen Weg finden und sich zusammentun.

„Es war äußerst wichtig, das Pro Christo seine DNS behielt“, sagt Melvin. „Die Leidenschaft für die Verlorenen, die am wenigsten Erreichten, die Betonung der praktischen Jüngerschaft und den Pioniergeist, Risiken einzugehen.“

Eine ‚win-win‘-Situation wird gesucht
OM passte sich willig Pro Christo an, sagt François, da sie voller Eifer einheimische Afrikaner für die Mission ausrüsteten und unerreichte Volksgruppen aufsuchten. „Pro Christo hatte eine klare Vision: Minus 30, sagt François. „Sie wollten 30 Volksgruppen von der Liste der ‚unerreichten Völker’ streichen.“ OM teilte diese Vision und die beiden Organisationen fusionierten.

Seitdem ist das Ziel Minus 30 überschritten worden. Wie Coen sagt, hat die Fusion mit „ganzheitliche Wucht“ 30 bis 50 der am wenigsten erreichten Volksgruppen berührt und über 150 Siedlungsgemeinschaften, wie die Yao, eine muslimische Volksgruppe, die überwiegend in Malawi lebt.

Als Folge davon sandte Malawi nun eigenen Missionare, wie Samson von den Yao, der jetzt bei OM mitarbeitet, nachdem er von einem malawischen OM Gemeindegründer zu Christus geführt worden war.

Zusätzlich zum größeren Wert, den Pro Christo OM gebracht hat, hat die Fusion sich sehr positiv auf etwas ausgewirkt, das zunächst ein kleiner missionarischer Versuch gewesen war. „OM hat Pro Christo für den größeren Leib Christi geöffnet und für gute Systeme, die bereits installiert waren“, sagt Melvin. „Ebenso hat Pro Christo der Arbeit von OM in Afrika größeren Wert gegeben. Heute haben wir 13 Arbeitsfelder in Afrika, von denen die Mehrzahl von Pro Christo kommt, das auch viele der Leiter dort gestellt hat.“

Der Dienst von OM in Afrika ist nicht mehr der Einreisezug für internationale Missionare, die auf diesen Kontinent kommen wollen. OM in Madagaskar, Mosambik und Simbabwe erleichtern es den einheimischen Missionaren, indem sie sie durch Missions- und Jüngerschaftstraining ausbilden. Darüber hinaus hat Melvins Leidenschaft für die Ausbildung und Aussendung afrikanischer Missionare, ein Traum, der schon François und OM bewegte, zu Hunderten von einheimischen Missionaren geführt, die derzeit auf dem Missionsfeld dienen.

Für Melvin ist die Fusion ein Bild dafür, wie der Leib Christi in der Frühkirche wirkte. „Bei Gott und in seinem Reich geht es nicht um Einzelne oder eine bestimmte Organisation – es geht um Einheit,“ sagt er. „Wenn man sich die Frühkirche anschaut, war eine ihrer größten Stärken, die sie wirkungsvoller machte, die Einheit. In der Einheit liegt Kraft.

„Ich habe gesehen: Heute wächst die Arbeit in Afrika und darüber hinaus durch die Einheit. Es mag Herausforderungen geben, aber wir haben der Welt gezeigt, dass zwei Organisationen zusammenkommen und Gottes Reich ausweiten können.“

Andrew Fendrich gehört zum Kommunikationsteam von OM Afrika. Dafür bereist er den Kontinent und arbeitet mit den verschiedenen OM Arbeitsbereichen zusammen. Neben seiner Arbeit für OM reist er sehr gern, liest und schreibt, fotografiert und kocht.



44 Eine neue Welle von Missionaren


TeambuildingMissionsarbeit im Globalen Süden** baut auf historischen und biblischen Grundlagen auf. Auch wenn postkoloniales Denken das biblische Verständnis des Missionsbefehls der Gemeinden im Globalen Süden beeinflusste, entstand in Afrika, Asien und Lateinamerika eine neue Bewegung, die ein neues Zeitalter in der Weltmission einläutete.

Nicht mehr „unerreicht“
Die OM Arbeit begann 1957 mit jungen Studenten in Mexiko. Schon bald wechselte der Fokus jedoch nach Europa, den Mittleren Osten und Indien. Doch OM kam im Jahr 1978 zurück zur Arbeit ins katholische Lateinamerika, wo sich nur gerade vier Prozent der Bevölkerung zu einem evangelischen Glauben bekannte.

OM Ships arbeitete hart, um die Menschen in Lateinamerika zu erreichen und ihnen die Notwendigkeit von Mission vor Augen zu führen. Die erste Missionskonferenz in Lateinamerika fand auf dem OM Schiff Doulos statt. Ein ehemaliger OM Leiter übernahm später die Leitung von COMIBAM, einer der wichtigsten Missionsdachorganisationen in der Region. Heute spielt Lateinamerika eine wichtige Rolle in der Mission. Etwa 20% der Bevölkerung nennen sich evangelikal.

Zehn Jahre arbeitete OM schon in Talamanca, Costa Rica, um die Gute Nachricht den Menschen zu bringen, die unter Zauberei, Alkoholismus, Missbrauch und Gewalt litten. Linda Villanueva ist die Tochter des Pastors einer OM Partnerkirche. Sie wurde die erste Missionarin, die von Talamanca ausgesandt wurde. Im März 2016 arbeitete Linda zusammen mit 33 weiteren OMern und Freiwilligen in Ahuachapán, El Salvador. „Es ist nicht immer einfach, Missionarin zu sein”, sagt Linda, „aber wenn Gott ruft, gibt er auch die Kraft zum Weitermachen. Ich möchte mit den Jugendlichen in meiner Gegend arbeiten und sehen, wie sie Jesus finden. Ich bin bereit, da zu arbeiten oder zu unterstützen, wo der Herr mich hinschickt.”

Zurück ins Wasser mit den Kanus
Die Kirche begann in Papua-Neuguinea (PNG), als westliche Missionare in den frühen 1880er mit Kanus ankamen und breitete sich langsam von der Küste ins Landesinnere aus. „Die Christen dort glaubten, dass sie die Letzten seien, die die Gute Nachricht erhielten”, sagt Kepo Kure, der Leiter von OM PNG. „Sie sahen sich als das Ende der Welt”, was so viel bedeutete, dass alle außer ihnen Jesus schon kannten.

OM begann seine Arbeit im Jahr 1991 mit der Vision, Kirchen für Mission zu mobilisieren, auszubilden und in Partnerschaft mit lokalen Gemeinden Papua-Neuguineer zu unerreichten Volksgruppen auszusenden. „Wir wollen ihre Weltanschauung verändern”, erklärt Kepo. „Wir müssen mit den Kanus wieder von PNG abstoßen!“

„Die Gute Nachricht veränderte meine Kultur”, fährt er fort, „Missionare halfen, unsere grausame Kultur zu dem zu verändern, was sie heute ist – eine christliche Nation, wo die Hälfte der 7,5 Millionen Einwohner einer Gemeinde angehören. Missionare kamen nach PNG – auch heute noch – und durch sie wuchs und reifte die Kirche”, sagt Kepo. „Es ist unser Ziel, die Gute Nachricht dahin zu bringen, wo sie noch nie gehört wurde.”

OM bildet Menschen aus und befähigt sie für den Dienst und arbeitet mit fast 30 Gemeinden zusammen, um sie mit Gebet und Finanzen zu unterstützen und in alle Welt auszusenden.

Ein Glaubensschritt
OM Afrika möchte bis im Jahr 2025 350 Volksgruppen unter den am wenigsten erreichten Menschen positiv verändern. Um das zu erreichen, möchte OM mehr als 5000 Leute von und für den afrikanischen Kontinent motivieren und ausbilden. Schon eine ganze Welle junger, aufgestellter Afrikaner ist im Glauben über Klischees und Herausforderungen im Glauben herausgetreten.

Wo früher die Idee herrschte, dass Mission von Leuten aus dem Westen mit teuren Missionsstationen, Schulen und Spitälern ausgeführt werden müsste, verstehen die Menschen heute, dass Mission bedeutet, Leben aufzubauen und Gesellschaft zu verändern. „Wir brauchten zwei Jahre, um die Pastoren in Mosambik zu überzeugen, dass auch sie Missionare sein können”, erinnert sich Francois Vosloo, ehemaliger Leiter der OM Arbeit in Afrika. „Zwei Dinge wurden von den Missionaren in Afrika nicht gelehrt, zu geben und zu gehen – dies in erster Linie wegen der herrschenden Armut.“

Gegenwärtig arbeiten sechs Leute aus Simbabwe auf dem OM Schiff Logos Hope, zwei weitere wurden nach Zentralasien und Nordafrika gesandt; ein weiteres Dutzend arbeitet in Simbabwe, mobilisiert Gemeinden und bringt den am wenigsten erreichten Völkergruppen Hoffnung.

Peter* leitet die OM Arbeit in Ghana. Zusammen mit einem Dutzend seiner Landsleute befreit er Frauen aus dem Menschenhandel und stellt Kontakt zu Muslimen und Studenten an der Universität her. Michael* und seine Frau sind aus Südafrika und leiten eine Arbeit in ihrer Region, während Bupe*, befreit aus der Sklaverei, jetzt anderen gefährdeten Frauen und Mädchen das Nähen beibringt. Ihre Arbeit brachte ihre Gemeinde dazu, sich ebenfalls in der Mission einzusetzen.

Herausforderungen meistern
Es gibt immer noch Hindernisse, die dem kompletten Erschließen des Missionspotentials im Weg stehen. „Was wir brauchen, ist ein alternatives, selbsttragendes, auf Unternehmensprinzipen aufgebautes Missionsmodell, welches die Mission in diesem Land revolutionieren wird“, sagt Peter Tarantal, Mitglied des Leitungsteams von OM International. „Wir brauchen ein Modell, welches auf die Bedürfnisse der Kirche des Globalen Südens zugeschnitten ist.“

OM Ostasien-Pazifik Leiter Mike Hey betont: „Es ist wichtig, dass OM neue Wege findet, um der Kirche in China, Nepal, den Philippinen und dem Rest der Region zu dynamischen Gemeinden zu verhelfen, die Jesus Christus nachfolgen.”

Ein nicht zu unterschätzender Katalysator für die neue Missionsbewegung ist der ausgeprägte internationale Charakter der OM Teams: nationale Mitarbeitende arbeiten mit ausländischen Mitarbeitenden, welche eine ausgeprägte Missionsgeschichte mitbringen. Dies ermöglicht die Geburt neuer Ideen und führt zu neuen Erlebnissen.

Im Jahr 2013 etablierte OM die Global South Initiative (GSI), ein Fünfjahresprojekt, um die am wenigsten Erreichten zu unterstützen, indem der Kirche des Globalen Südens durch Geschäftsmodelle zu finanzieller Unabhängigkeit verholfen wurde. Seit 2014 arbeitet GSI in 38 Projekten, die 60 OM Arbeitsgebiete und Dienste direkt beeinflussen. Bis 2025 sollen 7000 neue Missionare aus dem Globalen Süden 500 der am wenigsten erreichten Volksgruppen berühren.

*Name geändert

**Der Globale Süden beinhaltet Zentral- und Lateinamerika, die Karibik, Osteuropa, den Mittleren und Nahen Osten, ganz Afrika, Zentralasien und das restliche Asien außer Singapur, Hong Kong, Taiwan und Südkorea.

Simon Marjani arbeitet mit OM seit 2008. Als Journalist liebt er es, mit Recherchen, Media und Zeugnissen über Gott Christen für die Weltmission zu begeistern. Er ist mit Kumbie verheiratet und arbeitet als Kommunikationsverantwortlicher für OM Simbabwe, das sich zum Ziel gesetzt hat, die lokale Kirche zu mobilisieren, Missionare auszusenden, um alle Nationen zu Jüngern zu machen.



43 Die verändernde Kraft der Kunst

TeambuildingAls Bill Drake 2008 mit seiner Band auf Tour in Aserbaidschan war, kniete er, gebrochen vor dem Herrn, nach einem erfolgreichen Konzert auf dem Boden. Er legte seine Karriere als erfolgreicher Musiker und Performer zu Gottes Füßen – er opferte sie, um auf andere Weise zum Wachstum von Gottes Reich beizutragen. Bill wusste, dass Gott dieses Opfer annehmen und eine Bewegung daraus machen würde, die seine Vorstellungen bei Weitem übertraf. Vier Monate später arbeitete Bill gemeinsam mit anderen Künstlern, die eine ähnliche Vision hatten, Kunst für die Mission zu nutzen, die Gründungscharta von OM Arts International aus. Was 2009 mit einer Handvoll von Künstlern begonnen hatte, hat sich zu einem Team von 40 Künstlern entwickelt, die mit einem wachsenden Netzwerk von Künstlern und Projekten in 24 Ländern zusammenarbeiten.

In den vergangenen vier Jahren hat OM Arts 517 Künstler in 95 Kurzeinsätze in 30 verschiedene Länder ausgesandt, 118 Künstler zu Missionaren ausgebildet und 110 000 Menschen mit dem Evangelium erreicht.

Künstler für Kurz- und Langzeitmission ausrüsten
Das OM Arts Incarnate Programm, eine Idee von Mat Carson, dem Leiter des Trainingsbereiches von OM Arts, begann 2012 mit dem Wunsch, Künstler mit einem Jüngerschaftstraining vorzubereiten, bevor man sie auf einen Einsatz schickte. In dem 16-wöchigen ganzheitlichen Programm erhalten Teilnehmer künstlerisches und geistliches Mentoring, lernen in akademischen Kursen mehr über Gott, finden heraus, welche Rolle sie in seiner Geschichte spielen und wie sie als Künstler mit den Geschichten anderer Menschen interagieren können. Die ersten zwölf Wochen verbringen die Teilnehmer gemeinsam, die letzten vier Wochen in einem praxisorientierten Einsatz.

Incarnate ist kein Kunst-Trainingsprogramm, es ist ein Künstler-Verwandlungsprogramm”, sagt Bill. „Wir wollen sehen, wie veränderte Künstler Leben und Gesellschaften verändern. Die Lehrinhalte geben dem, was wir tun, biblische, geistliche und kreative Strukturen.“
In seinem kurzen Bestehen hat Incarnate bereits reiche Frucht hervorgebracht. Einige Teilnehmer sind Experten auf ihrem Gebiet geworden – ein vollberufstätiger bildender Künstler wurde als Missionar nach Belgien ausgesandt und auch in Italien und Costa Rica begann ein Kunst-Arbeitsbereich.

Als die Costa Ricanerin Susanna Rodriquez an Incarnate 2014 teilnahm, ließ Gott ihre Langzeit-Vision wieder aufleben – ein Tanzstudio zu eröffnen, um Gott in ihrem Heimatland die Ehre zu geben. Nach ihrer Rückkehr nach Costa Rica rief sie 20 kreative Freunde und frühere Arbeitskollegen an, um ihnen mitzuteilen, was sie gelernt hatte. Sie würde mit OM Arts arbeiten und fügte hinzu: „Ich möchte, dass du ein Teil davon bist“.

Zehn der 20 verpflichteten sich dazu, ihr mit Unterstützung von OM Arts dabei zu helfen, die Tanzakademie Sabik** zu gründen. Sie und ihr kleines Team arbeiten wöchentliche mit 70 Schülern jeder Altersgruppe und bieten zehn verschiedene Tanzkurse an, von Zumba® über Hip-Hop bis hin zu Ballett. Sie geben Zeugnis, treten gemeinsam auf und laden die Schüler zu Bibelstudiengruppen ein. „Ich möchte mehrere Studios für Musik, Tanz, Theater und bildende Kunst haben. Ich stelle mir einen Ort vor, an dem Menschen aus ganz Lateinamerika christliches Training und Jüngerschaft durch den Gebrauch von Kunst erhalten können. Ich stelle mir etwas Großes vor, weil ich einem großen Gott diene!“, sagt Susanna.

Kulturelle Lücken schließen
Die Teams von OM Arts berühren ihr Publikum weltweit auf verschiedene Weisen. Live Straßenmusik zieht Menschen an, Tänzer bieten vollwertige Unterhaltung, Maler wecken öffentliches Interesse. Wenn Künstler erst einmal das Herz eines Suchenden berührt haben, öffnet sich eine Tür, die ihnen die Möglichkeit gibt, zu erzählen, was sie da tun, was der Text eines Liedes bedeutet, warum Tänzer Gott ehren wollen und was ein Gemälde ausdrückt.

„Kunst hat eine solche Macht, weil Menschen es gewohnt sind, durch Kunst zu kommunizieren. Sie respektieren Kunst und bewundern Kunst. Wenn ein Künstler Kunst ins Ausland bringt, erregt er damit Aufmerksamkeit. Die kulturelle Lücke zu schließen ist absolut entscheidend, um das Evangelium weiterzugeben. Einer der effektivsten, strategischsten Wege, das zu erreichen, führt über die Kunst“, erklärt Bill.

Heart Sounds International (HSI), ein Zweig von OM Arts, der durch Frank Fortunato begann, strebt danach kulturelle Lücken zu schließen, indem man mitten unter und mit den Menschen arbeitet, um indigene Ausdrucksweisen authentischen christlichen Lobpreises durch das Schreiben von Liedern und Musikaufnahmen zu entwickeln. Im Februar 2016 sendete HSI eine Gruppe von Ethnomusikwissenschaftlern (Studenten der Musik in ihrem kulturellen Kontext) aus, um einer Gruppe nordafrikanischer Sänger und einem von nur wenigen bekannten sudanesisch-nubischen Gläubigen dabei zu helfen, ein Lobpreislied in der nubischen Sprache zu schreiben. Viele der Nordafrikaner hatten vor dem Projekt noch nie mit einem Nubier zu tun gehabt. „Als Außenstehende haben wir eine Brücke zwischen diesen beiden Menschengruppen gebaut“, meint Kelly*, die das Team leitete. „Wir haben Musik als Werkzeug genutzt, um Beziehungen zu bauen.“ Die Ethnomusikwissenschaftler arbeiteten mit dem nubischen Gläubigen, den nordafrikanischen Sängern und säkularen nubischen Sängern, um den ersten Entwurf eines Lobpreisliedes in der nubischen Sprache und im dazu passsenden traditionellen Musikstil zu kreieren.

„Dieses Projekt war eine große Ermutigung für den nubischen Gläubigen”, sagt Kelly. „Diese Möglichkeit, Gott im eigenen Volk arbeiten zu sehen, ist wirklich aufregend.“ Durch das Projekt entwickelten die Nordafrikaner und die sudanesischen Nubier eine bleibende enge Beziehung.

Unser kreativer Gott
„Kunst kann verändern”, meint Bill. „Sie gibt uns die Möglichkeit, Dinge anders zu sehen und daraufhin unser Denken und Verhalten zu modifizieren. Unser kreativer Gott hat in seinem Wort der Kunst verändernde Kraft verliehen, um sein Herz auszudrücken, seine Wahrheit und seinen erlösenden Heilsplan für die Menschen. Die Künste reflektieren die volle Breite und Schönheit des Lebens in Fülle im Hier und Jetzt. Lasst uns das voller Begeisterung annehmen! Wir werden besser darauf vorbereitet sein, eines Tages direkt in seine wunderschönen Augen zu blicken und dem göttlichen Künstler von Angesicht zu Angesicht gegenüber zu stehen.“

*Name geändert

**Sabik ist ein Wort in Tagalog, das einen aufrichtigen Wunsch ausdrückt, nach etwas zu streben und voller Begeisterung zu sein.

Janet Weber aus den USA arbeitet seit 2008 zuerst in England und Deutschland als Autorin und Editorin. Es liegt ihr am Herzen, junge Autoren und Fotografen in ihren von Gott anvertrauten Fähigkeiten für die Mission zu fördern. Gegenwärtig arbeitet sie als internationale Kommunikationsleiterin. Sie lebt mit ihrem deutschen Ehemann wieder in den USA



42 Ein Volk für die Menschen im eigenen Land und darüber hinaus

TeambuildingWo liegt Moldawien? Viele Europäer wissen nichts über dieses klein, ehemals sowjetische Land am Rande der EU – ein Land, in dem viele unter Armut, Hunger und Entbehrungen leiden und vor Kälte in ihren Häusern sterben. Moldawien ist durch Korruption und politische Instabilität gelähmt. Eltern sind gezwungen, ihre Kinder und alten Angehörigen zurückzulassen und im Ausland Arbeit zu finden. Es ist ein Land, das durch Alkoholismus, Menschenhandel und Selbstmord furchtbar gefährdet ist.

Aber es ist auch ein Land, in dem OM auf erstaunliche Weise Gott erlebt hat. Es begann mit einem jungen britischen Ehepaar, das 1998 ins Land kam – während der nächsten zehn bis 15 Jahre entwickelten sich die Einsätze zu einer Vielzahl von Hilfs- und Entwicklungsprojekten, zu mehreren Missionstrainingsprogrammen, zu Geschäfts-, Literatur-, Gemeindegründungs-, Kunst- und Sport-Diensten. 2010 war die Verantwortung der meisten Missionsdienste schon in die Hände von Moldawiern übergegangen und 2015 wurde ein Einheimischer zum Direktor ernannt.

Gottes Liebe erreicht die Vergessenen
Gemeinden, die das OM Programm für die alten Menschen durchführen, helfen zum Beispiel der alten Frau, die sich kein Brot leisten kann, eine Rente von 50 Euro erhält, aber 80 Euro für ihre Medikamente benötigt. Sie helfen dem alten Mann, der sein Haus verloren hat, weil sein alkoholkranker Sohn es als Sicherheit für ein Darlehen, das er nicht zurückzahlen konnte, gebraucht hatte. Sie helfen vielen anderen armen, hilflosen und ganz und gar einsamen alten Menschen.

Die meisten von ihnen glauben an einen Gott, der nicht ansprechbar ist, der kein Interesse an ihnen hat und dessen Gunst man sich erwerben muss. Wenn sie einen Priester haben wollen, der für sie betet, müssen sie ihn bezahlen. Sie haben nie etwas vom Evangelium gehört, nie eine Bibel in der Hand gehabt. Viele sind bettlägerig und Gott muss also ihre alten, schadhaften, übelriechenden Häuser betreten und an ihrem Bett stehen. Und das tut er auch ... Durch seine Kinder, die Essen, ärztliche Hilfe aber auch sein Wort bringen.

Viele wenden sich diesem Gott zu, der sie nicht vergessen hat – Menschen wie Pavel*, der zugibt, er habe Selbstmord begehen wollen, aber durch das OM Projekt sich für Gott zu interessieren begonnen habe. Er war der erste von mehreren alten Menschen in seinem Dorf, die zum Glauben kamen und sich taufen ließen.

OMs Projekte erreichen Menschen mit Behinderungen – von der Gesellschaft ganz und gar übersehen, versteckt von ihren Familien und für wertlos gehalten – oder die zahllosen Kinder, die bei alkoholkranken Eltern leben und schwere Vernachlässigung und Missbrauch erleiden sowie durch Ausbeutung gefährdet sind.

OM hilft Hunderten örtlichen Kirchen dabei, ihre Gemeinden zu verändern – durch Fürsorge für die, die von den andern vergessen sind, und zum Beispiel damit, durch berufliches Training eine Verbesserung zu bewirken. Gläubige Leute, die ein kleines Unternehmen gestartet haben, konnten bereits anderen in ihrer Gemeinde Arbeitsplätze anbieten oder ihre Kenntnisse weitergeben. Wie zum Beispiel Andrei*, der innerhalb von zwei Jahren eine Imkerei mit 120 Bienenstöcken aufgebaut und dann Ausrüstung und Bienen an drei andere Männer weitergegeben hat, die er auch weiter ausbildet. Einer von ihnen ist durch Andreis Freundschaft, Beispiel und Investition bereits zum Glauben gekommen.

Gemeinden vervielfachen sich und verändern die ganze Nation
Die Partnerschaft mit örtlichen Gemeinden und die Ausbildung einheimischer Christen ist schon immer das Zentrum der OM Arbeit. Kirchen, die daran gewöhnt waren, Hilfe aus dem Ausland zu bekommen, bringen jetzt Hoffnung und Hilfe in ihre Gemeinden. OM ermutigt sie dazu, ihren Blick jenseits ihrer eigenen Gemeinden auf unerreichte Gebiete und darüber hinaus zu richten.

In mehreren Gegenden Moldawiens gibt es nicht einen einzigen Gläubigen im Umkreis von 100 Kilometern. Eines von diesen Gebieten wird jedes Jahr von den OM River Adventure Teams (OM Flussabenteuer-Teams) besucht. Jeden Sommer warten die Menschen gespannt auf die Teams, die örtlichen Behörden unterstützen dies. Die Kinder lernen die Lieder und die Botschaften, die sie hören, auswendig. Die Alten hungern danach, über Gott zu reden und in der Bibel zu lesen.

OM arbeitet mit Gemeinden zusammen, die eine Sicht dafür haben, Gemeinden in unerreichten Gegenden zu gründen. Solche Initiativen zu unterstützen ist der Hauptzweck der kleinen OM Local Ministry Teams (örtlichen Einsatzteams). Teams, die in einer Gemeinde zusammen mit den Gemeindegründern leben, bis die neuen Gemeinden ohne Hilfe bestehen und selbst hinausgehen und weitere Gemeinden gründen können.

Die Moldawier haben – wie Gott – ein Herz für die Welt
Eine zentrale Säule von OM in Moldawien, die alle anderen Arbeitsbereiche beeinflusst, ist das Schulen von moldawischen Christen durch den CiM-Kurs – Challenge into Missions (Herausforderung, in die Mission zu gehen). Hunderte von Moldawiern haben diesen Kurs durchlaufen und sind in ihre Gemeinden mit neuer Vision, neuen Fähigkeiten und neuem Eifer zurückgekehrt. Manche haben neue Gemeinden gegründet. Viele haben sich OM angeschlossen, um ihr eigenes Volk und die Welt zu erreichen.

„Wer will zu ihnen gehen?“ Catea* spürte, dass Gott sie ansprach, als sie während des CiM-Kurses von den Unerreichten auf der Welt hörte. „Ich will gehen“, war ihre Antwort. Vor Kurzem schloss sie sich OM an, um weitere Schulung und Vorbereitung zu erhalten. Catea hatte zehn Jahre in Italien gearbeitet und hätte einfach dort bleiben können; stattdessen schloss sie sich denen an, die die Leidenschaft und Vision moldawischer Jesus-Nachfolger verkörpern und die, anders als viele ihrer Mitbürger, ihr Land nicht aufgeben oder einen bequemeren Weg suchen wollen. Stattdessen sind sie entschlossen mit leidenschaftlichem Zeugnis für Jesus Hoffnung und Veränderung in ihre Dorfgemeinschaften, ihr eigenes Volk und an die Enden der Erde zu bringen.

*Name geändert

Esther Hippel wuchs in Österreich auf und arbeitet seit 2006 bei OM in Moldawien. Nachdem sie mehrere Jahre in moldawischen Dörfern gelebt und mit Kindern gearbeitet hat, ist sie jetzt verantwortlich für die Kommunikationsabteilung von OM Moldawien. Ihre Leidenschaft ist es unter anderem mitzuhelfen, dass Menschen im Glauben wachsen sowie Schönheit und Gottes Fingerabdrücke in gewöhnlichen Dingen sehen.



41 Jesu Hände und Füße unter den HIV- und Aids-Kranken

TeambuildingKatlego, eine junge Südafrikanerin, lebt mit HIV. Sie war viel kleiner als alle Klassenkameraden, ermüdete schnell und hatte in der Schule große Mühe. Ihre Mutter litt auch unter HIV und fand nur schwer Arbeit. 2014 begann Katlego, das Meetse a Bophelo-Zentrum von OM im Township Mamelodi, in der Nähe von Pretoria, zu besuchen. Die Mitarbeiter beobachten seitdem viele Veränderungen bei Katlego. Sie hat zugenommen und erhellt nun die Treffen mit ihrem Lächeln und ihrem Sinn für Humor. Sie hat jetzt eine positive Haltung der Schule gegenüber und bittet um Hilfe, wenn sie mit den Hausaufgaben Probleme hat.

Man schätzt, dass sieben Millionen Südafrikaner mit HIV leben, mehr als zwei Millionen Kinder sind dadurch zu Waisen geworden [1].  2005 begann OM mit AIDS Hope, das mit einer Vorsorgebotschaft über HIV und Aids Gemeinden, Schulen und Ortschaften anspricht und Gruppen zu veranlassen sucht, sich um die Betroffenen zu kümmern. 2009 gründeten Nico und Alma Leonard Meetse a Bophelo (Quelle des Lebens) als einen geschützten Ort für die einheimische, politische Gemeinde. Kinder, wie Katlego, die von HIV betroffen sind, nehmen an Nachmittagsprogrammen teil und erhalten täglich eine ausgewogene Mahlzeit, Vitamine und einen nährstoffreichen Milchshake.

Die Kinder hören auch von Jesus und wie man seinen Glauben weitersagt. Vor Kurzem gingen sie in die Nachbarschaft auf einen einfachen Einsatz. Sie teilten sich in kleine Gruppen auf, jeweils von einem Lehrer begleitet, und erhielten eine Liste von Dingen, die sie tun konnten, zum Beispiel einem Polizeibeamten danken, mit jemandem beten oder ihren Glauben weitersagen.

Eine Frau, die sie ansprachen, sagte: „Heute werde ich mit Frieden im Herzen schlafen, weil ich das Wort Gottes gehört habe und mich ermutigt fühle.“ Jemand fragte, was die Kinder dafür haben wollten, und waren von der Antwort schockiert: „Wir wollen nichts haben. Wir haben Gott lieb und möchten, dass ihr Gottes Liebe erkennt und ihn auch liebhabt.“

Im April 2016 starb Katlegos Mutter. Das AIDS Hope Team kümmerte sich um Katlego mit Liebe und Fürsorge und bot ihrer Familie Unterstützung an.

Verlorene Hoffnung wieder herstellen
Wie UNAIDS sagt, sind 36,7 Millionen auf der ganzen Welt HIV-positiv. HIV und Aids betreffen weitere Millionen von Freunden, Verwandten und Kindern, die durch die Krankheit oder den Tod eines geliebten Menschen verzweifelt sind. AIDS Hope in Südafrika ist einer der vielen Arbeitsbereiche von OM, die solch ein Leben verändern. OM arbeitet mit AIDSLink International zusammen, um die Krankheit ganzheitlich zu verhindern und außerdem das Leben Einzelner und ganzer Gemeinschaften wieder zum Positiven zu wenden.

„Jesus zeigte seine Liebe zu den Leidenden – die Ausgestoßenen von heute,“ sagt Rosemary Hack, Direktorin von AIDSLink International. Sie wurde von der Leidenschaft erfasst, sich denen zuzuwenden, die mit HIV und Aids leben, als sie den gewaltigen Bedarf an Christen, die sich engagieren müssten, erkannte. „Für Christen ist es eine großartige Möglichkeit, wie Jesus für sie zu sein. Wir können Hoffnung geben – etwas, was Menschen mit HIV meistens verloren haben.“

Vor 19 Jahren wurde Alice, die Hausangestellte von David und Judy Schmidt, krank. Ein Krankenhaus bestätigte, dass sie HIV-positiv war und sich auf der Aids-Stufe der Erkrankung befand. Judy verbrachte viele Stunden an Alices Bett, versorgte und fütterte sie, bis sie verstarb. Diese Erfahrung führte sie dazu, im Gedenken an Alice einen Dienst für Menschen mit HIV ins Leben zu rufen.

Von 2003 an wurde Alto Refugio in Asunción, Paraguay, zu einem hochgeachteten Zentrum, wo HIV-Patienten vorbeischauen konnten. Jetzt dient das Ehepaar Schmidt bei OM in Ciudad del Este, einer Stadt im Dreiländergebiet, wo Paraguay, Brasilien und Argentinien zusammentreffen und das als Hochburg des Prostituiertenhandels bekannt ist.

Als Partner von AIDSLink International arbeiten die Schmidts mit der HIV-Abteilung des örtlichen Krankenhauses zusammen, um den Patienten soziale und geistliche Fürsorge zukommen zu lassen. „Die Menschen mit HIV können vielleicht medizinische Hilfe bekommen – obwohl das nicht allen möglich ist – aber oft sagen uns die Krankenhäuser, dass sie nicht die psychische, soziale und geistliche Hilfe geben können, die notwendig ist; sie verlassen sich auf uns, dass wir das tun,“ sagt Rosemary.

Vor Kurzem bat der Leiter des örtlichen Krankenhauses David, mit einem jungen Mann Kontakt aufzunehmen, der gerade seine Diagnose erhalten hatte. „Ich sah, wie er weinte, seine Mutter an seiner Seite,“ sagt David. Nachdem man ihn vorgestellt hatte, erzählte ihnen der junge Mann von seinem Traum, Psychologie zu studieren. „Aber er hatte alle Hoffnung auf eine Zukunft aufgegeben“, erinnert sich David. „Wir luden ihn ein zum Treffen der Selbsthilfegruppe.“

David fragte, ob er mit ihnen beten dürfe. „Ich sah bald, dass mein junger Freund mir im Gebet folgte, während ihm die Tränen übers Gesicht liefen,“ sagte David. „Als ich ihn im Gebet zu Reue und zur Annahme Jesu als Retter und Herrn führte, wiederholte er das Gebet voller Überzeugung.“

Eine Weile verlor das Ehepaar den Kontakt mit ihm, bis David ihn im Krankenhaus wiedersah. „Seine Kondition war schlechter geworden; er war dünn und sehr schwach und er hatte überall im Gesicht offene Geschwüre. Ich betete mit ihm um die heilende Berührung durch den Herrn.“

Sie boten ihm und seiner Mutter Ruhe in ihrem eigenen Haus an, und Judy ermutigte ihn, Jesus sein Leben anzuvertrauen. Nicht viel später verstarb er.

Die Geschichten Katlegos und dieses Mannes sind nur zwei von einer Million. Obwohl solche Situationen mit Schwierigkeiten beladen sind, wissen die OM Mitarbeiter, dass Gottes Plan letztendlich gut ist, und sie bringen weiterhin Hoffnung im Namen Jesu Christi.

[1http://www.avert.org/professionals/hiv-around-world/sub-saharan-africa/south-africa

Deborah Ngobeni aus Südafrika hat ein Diplom in Medienstudien und Journalismus. Sie hat eine Leidenschaft für Kommunikation und arbeitet seit über sechs Jahren mit OM – momentan in der Öffentlichkeitsarbeit von OM in Südafrika. Die 27-Jährige spricht fünf Sprachen.



40 Das Projekt „Nächstes Schiff“

TeambuildingDie Logos Hope ist das vierte OM Schiff. Pläne für ein neues Schiff entstanden im Jahr 2003, als die Doulos und die Logos ll noch immer im Einsatz standen. „In unseren Köpfen hatten wir die Vision: Jeder in einer Million”, erklärt Myles Toews, der für die Beschaffung von Geldmitteln verantwortliche Mitarbeiter bei OM Ships. „Etwa eine Million Menschen besuchten jedes Jahr die OM Schiffe, doch es war schwierig, sich allen anzunehmen. Wir wollten unseren Besuchern mehr anbieten.”

Um dies zu ermöglichen, musste das zukünftige Schiff ganz speziell dafür gebaut sein: Ein ganzes Deck sollte dazu dienen, dass die Besucher Gottes Größe erleben könnten. Da müsste Platz sein, um Besucher in die Arbeit einzuführen, für Ausstellungen, einen Theatersaal und natürlich eine Verkaufsfläche für Bücher. Jeder Besucher sollte auf diesem Deck die Möglichkeit haben, Jesus wenigstens einen Schritt näher zu kommen!

Die Vision war so stark, dass das Schiff schon lange bevor es gefunden wurde, einen Namen hatte: Von fast 200 Vorschlägen wurde nach viel Gebet und Diskussion der Name Logos Hope ausgewählt. „Dieser Name reflektiert die Vision und den Zweck der ganzen Schiffsarbeit“, schrieb der ehemalige Leiter von OM Ships, Bernd Gülker, 2003 in einem Rundbrief.

Bevor eine Entscheidung für ein Schiff getroffen werden konnte, wurden Informationen von 180 möglichen Schiffen aus der ganzen Welt gesammelt und studiert. Aus einer Liste von 38 möglichen Schiffen stach eines heraus: Die Ozeanfähre Norröna l von den Färöer-Inseln. „Sie war perfekt, aber der verlangte Preis zu hoch. Zudem waren viele potentielle Käufer am Schiff interessiert”, erzählt Myles. „Alles war in Gottes Hand. Zwei Käufer versuchten die Norröna I zu kaufen, bei beiden kam aber etwas dazwischen, was die Verhandlungen stoppte.”

Als das Schiff das zweite Mal auf den Markt kam, organisierte OM Ships einen internationalen Gebetstag am 29. März 2004 und entschied sich, die Norröna I zu kaufen. Am 19. April wurde sie für 3,6 Millionen Euro gekauft. Dann fuhr sie von Dänemark in eine Werft in Kroatien, um dort für ihren neuen Dienst umgebaut zu werden.

Das benötigte Geld zusammenzubringen war eine lehrreiche Erfahrung. „Der Herr ermutigte uns durch viele Spender dran zu bleiben. Später erwirkte er sogar, dass die Arbeit in der Werft nur noch langsam vorwärtsging, als das Geld zur Bezahlung der Renovation knapp wurde”, erzählt Myles.

Mit der Logos Hope auf spezielle Weise verbunden – die Färöer-Inseln
Zwanzig Jahre lang fuhr die 12 000 Tonnen Fähre zwischen den Färöern, Dänemark, Island, Norwegen und den Shetland Inseln. Praktisch jeder Färöer hatte schon mindestens eine Fahrt auf diesem Schiff erlebt. Viele Leute auf den Färöern haben einen lebendigen Glauben und unterstützten den Kauf, glücklich, dass ihr Schiff nun die Gute Nachricht um die ganze Welt tragen würde.

„Christen auf den Färöern übernahmen enorm viel Verantwortung für das Schiff. Sie versprachen, die Brücke selbständig neu einzurichten. Sie schickten Projektarbeiter, kauften viele der Einrichtungsgegenstände und sammelten Geld”, erzählt Myles.

Der starke Einfluss der Färöer stoppte nicht mit dem Kauf und Umbau der Logos Hope. Vorher gab es nur einen OM Vertreter auf den Inseln, heute existiert ein OM Team, das jährlich Logos Hope Themen-Veranstaltungen organisiert. Kürzlich sandten die Färöer eine der grössten Gruppen an die TeenStreet-Jugendkonferenz in Deutschland.

Die Missionswoche im Oktober 2016 war gefüllt mit Gottesdiensten, Treffen für Ehemalige der Logos Hope und Besuchen von Partnerfirmen. Die lokale Radiostation gab der Logos Hope jeden Morgen und jeden Abend Sendezeit – und das eine ganze Woche lang! Viele OM Partnerfirmen auf den Färöern sind Fischereiunternehmen. Auch ihnen gab OM eine einmalige Gelegenheit mitzuhelfen: Sie konnten einen Vertrag mit einer Treibstofffirma unterschreiben, die dann die gewünschte Anzahl Liter Treibstoff in die Tanks der Logos Hope einfüllten und ihnen die Rechnung zur Bezahlung vorlegte.

Die Unterstützung der Logos Hope durch diese kleine Inselnation wirkt für andere ermutigend. „Was hier erreicht wurde, ist unglaublich”, erzählt Myles. „Es gibt kein anderes Land, in dem jeder weiß, was es bedeutet, Ozeane zu befahren.“

Tatu Kekkonen ist Journalist und kreativer Künstler aus Finnland. Er möchte seinen Schöpfer mit allem, was er tut, reflektieren.



39 Struktur in eine Pionier-Bewegung bringen

TeambuildingIm Verlauf der 60jährigen OM Geschichte haben drei Männer die Bewegung angeführt: Gründer George Verwer, Peter Maiden und Lawrence Tong, der aktuelle Leiter. Peter Maiden war 20 Jahre Georges „Thronanwärter“ und wurde 2003 Internationaler Direktor, ein Amt, das er bis ins Jahr 2013 innehatte. OM sprach mit ihm und seiner Frau Win über die 40+ Jahre bei OM, in denen sie fast 100 Länder besucht haben und die zehn Jahre, in denen Peter als internationaler Direktor von OM gearbeitet hat. Peter kam 1973 zu OM, als Leiter von OM Großbritannien. „George hat mich ursprünglich darum gebeten, für ein Jahr zu kommen“, sagt Peter, „und das war wirklich ein langes Jahr!“

OM: Zu welchem Zeitpunkt wusstest du, dass du in Georges Fußstapfen als Internationaler Direktor treten würdest?

Peter
: Ich war bereits seit fast 20 Jahren der stellvertretende Internationale Direktor gewesen. Es war schon beinahe selbstverständlich, weil ich so eng mit George zusammengearbeitet hatte. Dennoch gab es ein solides Verfahren, um meine Ernennung zu formalisieren. Ich war also nicht sicher bis zu der endgültigen Abstimmung auf dem internationalen Leitertreffen (ILM) 2002.

OM: Was waren deine primären Ziele, als du im August 2003 übernommen hast? Hast du das Gefühl, dass du sie erreicht hast?

Peter
: Es war ein seltsamer Übergang, weil ich bereits in meiner Rolle als Stellvertreter die ILM, den internationalen Vorstand (IEC) und den strategischen Planungsprozess geleitet hatte. Ich war bei der Zielentwicklung involviert gewesen; als ich also von George übernommen habe, war es kein abruptes „Lass mich beten und unsere Ziele überdenken“. Das tat ich bereits.

Wir haben uns mit ganzheitlicher Mission beschäftigt. Wir hatten immer viel mit Verkündigung gearbeitet und wollten dies auch weiterhin tun, aber andererseits realisierten wir, dass unsere Arbeit in vielen Teilen der Welt die ganze Person und Gesellschaft miteinbeziehen musste. Als Teil von ganzheitlicher Mission wollten wir auch darauf achten, wie die Gaben einer Person in der Mission genutzt werden könnten; wir befassten uns in unserer Missionsstrategie mit Sport, Geschäftsmodellen, Tanz und anderen Methoden. Wir strebten außerdem danach, es nicht-westlichen Menschen in der Bewegung leichter zu machen, Positionen mit großer Verantwortung einzunehmen. Wir haben nur die ersten Schritte in dieser Umstellung gemacht; Lawrence hat diese Dinge viel weiter vorangetrieben.

Ein anderes Ziel war die Entwicklung der nächsten Generation von Leitern. Die Leitungskurse Joshua Journey (Josua-Reise) gingen daraus hervor, genauso wie das Leadership Matters (Leiterschaft zählt) und das Leader as a Person (Leiter als Menschen) Training. Wir machten außerdem Fortschritte von der Pionierbewegung – in der George alles in einer Tasche herumgetragen hatte – zu der Entwicklung der ersten Rechenschaftsinstanz für den Internationalen Direktor und zu den ersten Diskussionen über einen internationalen Vorstand. Wir wurden mehr dezentral als eine feldgeleitete Bewegung, in der die Areas (Gebiete) mehr in die Entscheidungen für ihre Felder involviert waren. Wir konzentrierten uns außerdem darauf, Fundraising als eine Mission zu sehen, und nicht als eine qualvolle Notwendigkeit.

Die Schlüsselbeziehung in meiner Position hatte ich zu George und so war es unglaublich wichtig, weiterhin eine gute Beziehung zu ihm aufrecht zu erhalten und sicherzustellen, dass er sich als der Gründer der Organisation geschätzt fühlte. Ich bin begeistert davon, wie wohl sich George immer noch bei OM fühlt, und dass die Organisation sich auch mit ihm wohlfühlt.

OM: Viele Menschen haben vermutlich das Gefühl, dich gut zu kennen, da du ja über ein Jahrzehnt lang der Leiter von OM warst. Was würde die Menschen am meisten über deine Zeit als Internationalen Direktor überraschen?

Peter
: Bis zu einem gewissen Punkt fühlte ich mich immer etwas unqualifiziert für die Rolle, da ich selbst nie für lange Zeit in einer kulturübergreifenden Situation gelebt habe. Ich bin in Carlisle, Großbritannien geblieben, wo Win und ich auch herkommen. Es hat eine unglaubliche Stabilität für die Familie gebracht, brachte aber auch einige Defizite mit sich: als wir über die Integration des globalen Südens in unsere Arbeit redeten, die vom Westen dominiert wurde, fühlte ich mich sehr schwach, weil ich nie außerhalb meiner eigenen Kultur gelebt hatte.

OM: Was war für euch die härteste Reise, die ihr antreten musstet?

Peter
: Nach dem Anschlag auf der Doulos in den Philippinen 1991 flog ich gemeinsam mit Dale Rhoton dorthin, besuchte die Opfer, die überlebt hatten, und ging dann auf das Schiff. Ich musste Andachten halten und über Leid und Gottes Absicht dahinter sprechen. Das war sehr herausfordernd, sehr emotional.

Win: Für mich war es der Besuch einer alten evangelischen Kirche in Peschawar, Afghanistan. An der Wand waren dort Plaketten von Missionaren und ihren Kindern, die gestorben waren. Es machte mich demütig, die Realität der Opfer vor mir zu haben, die diese Menschen gebracht hatten.

OM: Jetzt ist es fast vier Jahre her, dass du dein Amt an Lawrence Tong abgegeben hast; was vermisst du am meisten und am wenigsten daran, Internationaler Direktor von OM zu sein?

Peter
: Ich vermisse definitiv die Tiefe der Gemeinschaft, besonders mit dem IEC und der Geschäftsführung hier in Carlisle. Aber ich vermisse es nicht, immer wieder Abschied von meiner Familie nehmen zu müssen und ständig auf Reisen zu sein.

Win: All die Trennungen und Abschiede, wenn Peter wieder auf Dienstreise musste, waren hart für die Familie. Ich war kein Teil eines Teams und verstand nicht, was OM war und warum Peter reisen musste. Ich nahm an einer Konferenz in Belgien [in den späten 1970er-Jahren] teil und verstand dann die Gesamtzusammenhänge von OM und den Grund für Peters Reisen. Als ich über die Jahre hinweg OM immer besser kennenlernte, liebte ich OM und bewunderte, was jeder dort tat. Jetzt vermisse ich Freunde überall auf der Welt.

[Als wir sie fragten, was sie am meisten in ihrem Leben nach dem Dienst als Internationaler Direktor genießen, stimmten beide überein, dass es die gemeinsame Zeit ist, die sie nun miteinander verbringen können. „Wir lieben es, nach all diesen Jahren zusammen zu sein“, meinte Win. „Wir schwelgen darin.“]

OM: Win, was für einen Rat hast du für Ehefrauen von Missionsleitern?

Win
: Als Mutter und Ehefrau sage ich: Kümmere dich um die Erziehung, denn dafür hast du nur die eine Chance. Es ist nicht das „Zweitwichtigste“, weil du in der Mission tätig bist; Elternschaft ist die größte Aufgabe, die du zu erledigen hast.

OM: Peter, bist du viel in Kontakt mit George oder Lawrence? Gibt es eine geheime „Drei-Musketiere-Gruppe“, die nur du, George und Lawrence besuchen können?

Peter
: Ich halte per E-Mail den Kontakt zu George und treffe ihn bei seinen Special Projects-Meetings (Arbeitsbereich von George Verwer). Lawrence hat, seitdem er übernommen hat, mit großem Respekt den Kontakt zu mir gehalten. Ich habe ihn im Dezember 2016 gesehen und wir drei waren gemeinsam in Bangkok auf der ILM 2017.

OM: Wie verbringst du jetzt deine Zeit?

Peter
: Ich habe eine große Menge an Vorträgen und Predigten. Mein letztes Buch, Building on the Rock (auf den Felsen bauen) wurde im Sommer 2016 veröffentlicht und konzentriert sich auf unsere Identität in Christus als seine Söhne und Töchter. Ich bin außerdem in einer Mentoring-Beziehung mit einigen Männern und berate mehrere christliche Organisationen.

OM: Was ist dein Gebet für OM, wenn wir jetzt dieses 60jährige Jubiläum begehen?

Peter
: Die Richtung, in die OM sich bewegt, ermutigt mich sehr. Mein Gebet ist, dass die Organisation in Einheit bleibt und der deutliche Vorsprung, den der globale Planungsprozess OM verschafft hat, aufrechterhalten werden kann.

Rebecca Barnhart arbeitete von 2001-2015 mit OM als Autorin und Leiterin für den Bereich Kommunikation in Ungarn, Österreich, England und den USA. Gegenwärtig ist sie freiberuflich als Autorin/Redakteurin tätig und erzählt dabei weiterhin leidenschaftlich gerne Geschichten von Gottes Wirken auf der Welt.



38 Ein Jahr mit George Verwer

TeambuildingDie meisten Menschen erkennen den Gründer von OM, George Verwer, an seiner Windjacke mit der Weltkarte darauf und dem riesigen Globus, mit dem er bei seinen Reden hantiert. Wer ihn aber näher kennt, weiß, dass er der König der Korrespondenz ist, immer mit allen in Verbindung durch E-Mails, Briefe und Anrufe. Doch es gibt eine Gruppe von Männern, die die meisten Stunden mit George verbracht haben und wohl am tiefsten von ihm geprägt worden sind – seine go-fers (junge Männer, die George Verwer für ein Jahr begleiten und ihn unterstützen).

Sie reisen ein Jahr lang mit ihm, helfen ihm dabei, mit den E-Mails auf dem Laufenden zu bleiben, verkaufen Bücher und spielen Fahrer, Leibwächter, Botenjunge und was George sonst noch braucht. Dafür begleiten seine go-fers ihn überall hin. 2005 sagte George zu seinem go-fer Nathan Smith: „Ich nehme dich durch die ganze Welt mit. Ich werde dir wichtige Gelegenheiten zum Dienst geben. Ich werde dir Möglichkeiten bieten, Unglaubliches zu tun.“

Eine der wichtigen Gelegenheiten für Niger Paul, go-fer im Jahre 2006, war eine Predigt in einer Hauskirche im Gebiet der Al-Qaida in Pakistan zu halten.

Die Lektionen, die die go-fers von George gelernt haben, sind unvergesslich.

Go-fer werden
Nathan hörte George zu ersten Mal sprechen, als er Student am Moody Bible Institut war. „Alle waren wie elektrisiert, weil er da war,“ erinnert sich Nathan. „Er redete offen über seinen Kampf mit der Sünde. Und doch hat er diese erstaunliche Organisation ins Leben gerufen, die über eine Milliarde Menschen mit dem Evangelium erreicht hat.“

Nathan weiß noch, wie George auf dem Globus seine Hand auf die Grenzen des Irak legte und für seine Freunde dort betete. Nathan war überwältigt von der Vorstellung, dass man im Irak und auf der ganzen Welt Freunde haben konnte. Er dachte: „Es wäre wirklich cool mit George zu reisen ... aber das passiert mir nie.“ Doch zwei Jahre später bestieg Nathan ein Flugzeug, um George in London zu treffen, und er erinnert sich, dass er dachte: „Herr, du hast mich erhört und mir diese Möglichkeit geschenkt.“ Mit George bereiste Nathan 39 Länder. Das letzte war der Irak, wo Nathan nun auch Freunde hat.

Georges Vermächtnis
Nathan hat zwei bedeutende Dinge gelernt. Als Erstes, dass Gott zerbrochene Menschen gebraucht, und genauso arbeitete George bei OM: Nie sagte er Nein zu jemandem, der dienen wollte, selbst wenn er ihm in theologischer Hinsicht nicht zustimmte.

„Er sorgte für einen geschützten Ort, wo man ein Mensch sein konnte, der Gott dient mit allem, was er hat und ist,“ sagt Nathan. „Niemand zuvor hatte das getan – immer hatte es geheißen: du musst perfekt oder ganz heilig oder wirklich gut sein, um große Dinge in Gottes Reich zu tun. George hat mir klargemacht, dass das nicht stimmt.“

Als Zweites lernte Nathan, dass ein guter Leiter nicht nur sein eigenes Zerbrochensein erkennt, sondern auch das Zerbrochensein anderer Menschen annimmt. Ein Beispiel dafür war Georges Bereitschaft, Menschen aufzusuchen, die Probleme mit ihm hatten. „Er hat in all den Jahren immer wieder Feinde gehabt, die ihn angriffen, verspotteten und kritisierten, und er konnte direkt zu diesen Personen hingehen und versuchte Brücken zu bauen,“ erzählt Nathan. „Manche von denen, die seine härtesten Kritiker gewesen waren, wurden daraufhin seine eifrigsten Unterstützer.“

George bat auch Menschen, oft unter Tränen, um Verzeihung für ein Unrecht, für das er nicht einmal verantwortlich war. Er fand immer, dass Beziehungen wichtiger waren als recht zu haben.

Nigel erzählte, dass George ihn gelehrt habe „weitherzig zu sein oder aber Gefahr zu laufen, voreingenommen und desillusioniert zu werden. Ich erkannte, wie sehr Gott die Kombination von der Sicht auf das große Ganze mit realistischen Strategien und einfachem Gehorsam gebrauchen konnte.“

Ein Licht scheint in der Dunkelheit
Einmal saß George in London im Bus, als er einen Schlag hinten auf den Kopf spürte. Ein paar Teenager hatten eine Papierkugel nach ihm geworfen. Zuerst beachtete George es nicht, aber dann geschah es noch einmal. Er holte ein paar Bibeltraktate heraus und ging zu ihnen nach hinten. „Ich weiß, wie das ist, wenn man jung ist,“ sagte er. „Ich habe als Junge in New Jersey eine Gang angeführt, aber jetzt habe ich Jesus lieb, und ich möchte euch diese Traktate geben.“

Er ging zu seinem Platz zurück, spürte aber bald wieder, wie eine Papierkugel seinen Kopf traf. Diesmal war es ein zusammengeknülltes Traktat. Aber einer der Jungen verließ die Gruppe und setzte sich neben ihn. George erzählte ihm, was Christus für ihn getan hatte und was er auch für diesen Jungen tun könnte.

„Man sagt, dass die größten Leiter die sind, die den schlimmsten Missbrauch erdulden können, besonders, wenn er aus dem eigenen Umkreis kommt, und dennoch Liebe und Würde ausstrahlen, ohne Gegenleistung zu erwarten,“ schrieb Nathan über diesen Vorfall. „Ich glaube, dass die Christus-Ähnlichkeit, die George diesen jungen Männern zeigte, für immer Gnade und Liebe in ihre Herzen einprägen wird, die bis dahin nur Verurteilung, Vergeltung und Verlangen danach, was man verdient, gesehen hatten. Dies ist das Licht des Evangeliums, das den Menschen in der Dunkelheit scheint.“

Ein nachhaltiger Eindruck
Während seiner Zeit bei George wurde Nigel dazu inspiriert, seinen eigenen Dienst aufzubauen, ‚MoveIn‘, der Christen bewegt, zu den unerreichten Armen in der Stadt zu ziehen. Zu dieser Organisation gehören 39 Teams in 14 Städten in England, Deutschland und Kanada. Nigel brachte ebenso ein Jüngerschaftsschulungszentrum (DC) für junge Männer auf den Weg, wo sie leben, essen, beten und zusammen Andacht halten in der Hoffnung, ihrer Umgebung Christus deutlich zu machen. 29 Männer aus Ländern wie Kasachstan, Iran, Kenia und Mexiko haben bei DC gelebt.

Nathan und seine Frau Abby haben ihr Haus zu einem ‚geschützten Ort’ für andere gemacht. Er ist Jugendpastor und praktiziert die Geduld, Liebe und Nachsicht, die er von George gelernt hat.

„Als ich nach zwei Jahren OM verließ, sagte ich: ‚George, du bist wie ein Vater zu mir gewesen’“, sagt er. „Es gibt nur wenige Männer auf diesem Planeten, die näher an Jesus dran sind, als George Verwer.“ Als Nathan heiratete, war George Trauzeuge. „Es gibt niemanden wie ihn, und es wird auch niemanden wie ihn wiedergeben,“ bekräftigt er.

Megan R. hat 2013 drei Monate bei OM im Nahen Osten verbracht, geschrieben und Fotos gemacht. Jetzt arbeitet sie als verantwortlicher Herausgeber der OM Nachrichten-Website neben ihrer vollzeitlichen Kommunikationsarbeit für ein theologisches Seminar in den USA. Sie und ihr Mann Erik lieben Musik, erforschen gern neue Orte, lieben guten Kaffee und sind gern mit Freunden und mit ihrer Familie zusammen.



37 Die ungarische Jugend findet durch Baseball Christus

TeambuildingDie Auswirkung von Baseball als ein Mittel Kontakt aufzunehmen, ist weit über das hinausgewachsen, was der OM Mitarbeiter Terry Lingenhoel aus den USA im Sommer 2002 in Érd, Ungarn, auf einem einwöchigen Sommercamp begann. Heute ist der Baseball- und Softball-Club von Érd mit über 120 Spielern in acht Teams der größte des Landes.

Obwohl nur ein kleiner Prozentsatz der Bevölkerung in Érd, einer Stadt mit 75 000 Einwohnern, Baseball spielt, wissen die meisten von ihnen, dass man es dort spielt, und die meisten Funktionäre der Stadt und hunderte Eltern und frühere Spieler wissen, dass die Trainer Jesus-Nachfolger sind und anders trainieren.

Terry hat herausgefunden, dass Mission durch Sport das beste Mittel ist, mit dem man kirchenfremde Jugendliche erreichen und langanhaltende Beziehungen aufbauen kann. Die Reaktion der Spieler beweist diese Wirkung. Während eines Sommercamps sagte vor kurzem ein Spieler, dass sein bestes Erlebnis war, dass sein Trainer seinen Schlag während seiner allerersten Übungsphase vor Jahren lobte, trotz der Art und Weise, wie er gespielt hatte. Ein anderer Spieler sagte, dass die geistlichen Anregungen durch die Trainer „der Zuckerguss auf dem Kuchen“ gewesen sei.

„Mit den Spielern Kontakt aufzunehmen ist das Allerwichtigste“, sagt Terry. Oft haben Christen Schwierigkeiten, mit Jugendlichen und Männern in Kontakt zu kommen, weil viele nicht gern einer Einladung zu einer Veranstaltung in die Kirche folgen – aber sie nehmen eine Einladung zum Baseballspielen an.

Die Trainer reden intensiv mit den Spielern, zweimal oder öfter pro Woche während des Trainings, und geben dabei viel Gelegenheit, ihren Glauben zu zeigen und darüber zu sprechen. Die Sommercamps bieten viel Zeit für das Bibellesen in kleinen Gruppen; während eines solchen Bibelstudiums wurde Máté, ein Junge, dazu herausgefordert, Gott zu bitten sich zu offenbaren. Auf die Frage, warum er nicht an Gott glaube, erwiderte er, dass er sich nicht vorstellen könne, wie ein Gott in Kenntnis seiner Vergangenheit ihn lieben sollte.

Während der Bibellese unterhielt sich die Gruppe darüber, wie Gott Paulus, den Schlimmsten der Bösen, gebrauchte und ihn zu einem äußerst tüchtigen Prediger des Evangeliums machte. Eine Woche nach Ende des Camps nahm Máté Christus in sein Herz auf. Das Team jubelte bei der Nachricht, dass ein neues Leben dem Herrn übergeben worden war. Zwei weitere Jungen hatten Christus schon angenommen und wurden ein paar Monate später im Beisein vieler ihrer Baseball-Mitspieler getauft.

Wie Gemeinden rundherum im Land sich verändern
Gott gebraucht Baseball, um die Gemeinden in Ungarn zu verändern. In dem Dorf Mikepércs im Nordosten leben nur 2500 Menschen, doch Baseball brachte vor Kurzem das erste Meisterschaftsteam des Dorfes im Sport überhaupt hervor. Vor ein paar Jahren griff der christliche Mitarbeiter Russell Chun die Gelegenheit auf, durch Baseball dieses Dorf zu verändern. Seitdem haben mehrere Spieler Christus kennengelernt, und das ganze Dorf nennt Baseball einen „christlichen“ Sport.

Im 11. Distrikt von Budapest wurden mehrere junge Leiter einer Baptistengemeinde von der Vision gepackt, das Potenzial von Baseball zu nutzen, um junge Männer in ihre Gemeinschaft zu ziehen, und junge Gläubige zu Nachfolgern zu schulen. Jetzt haben sie ein Männer-Baseballteam aus Gläubigen und Nichtgläubigen und schauen sich nach einem christlichen Trainer um, der das Programm entwickeln soll, um die Wirkung auf die Gemeinde zu verstärken.

Lajos, ein 60jähriger, der in Hódmezővásarhely im Süden lebt, beschloss, dass Baseball der beste Weg sei, die Jugend in seiner Gemeinde zu erreichen. Innerhalb von wenigen Monaten begann ein Erwachsenenteam in der ungarischen NBIII-Liga zu spielen, und das Baseball-Training für Kinder begann.

„Ich habe keinen Zweifel, dass wir dabei sind, die Baseball-Gemeinschaft in Ungarn zu verändern,“ sagt Terry. „Der Erfolg dieser ‚Missions-Clubs’ und die offensichtliche Integrität und der Dienst unserer christlichen Trainer beweisen das.“

Sport wendet sich an die Welt
Sport in der Mission beschränkt sich nicht auf die Baseballprogramme in Ungarn. Christliche Sportbegeisterte rund um den Erdball gebrauchen Sport, um Menschen kennenzulernen und in kreativer Weise vom Evangelium weiterzuerzählen.

OM SportsLink ist Teil der weiterreichenden Vision von OM, besondere Menschengruppen zu erreichen, indem das Evangelium für alle wichtig gemacht wird. SportsLink dient dem Leib Christi durch das Mobilisieren, Stärken und Ausstatten von Menschen, die für Sport begeistert sind, damit sie auch ihre Begeisterung für Jesus Christus weitergeben können.

Chris Welman, der Leiter von SportsLink, hat auch noch eine weitergehende Vision für Christen beim Sport, die über die am Sport Beteiligten hinaus die umgebenden Dörfer/Städte einschließt. „Unsere (christlichen) Trainer sind Vorbilder und Trendsetter für Spieler und ihre Familien. um Christus nachzufolgen und die richtigen Werte zu haben. Wenn wir ein paar Trainer und ihre Spieler erreichen, haben wir das Potenzial, eine ganze Ortschaft zu erreichen und zu beeinflussen,“ sagt er.

„Bei vielen Sportarten wird am Sonntag gespielt, so wird für viele von uns der Sportplatz zur ‚Kirche’“, fährt er fort. „Viele von uns verbringen mehr Zeit mit den Spielern als es ihre Väter tun – stellen Sie sich die Wirkung vor, die wir ausüben können.“

Er teilt auch den Traum von SportsLink International, Sportakademien aufzubauen, um den Dienst zu stärken und neue Leiter und Trainer für Sport. „Das ist eine sehr praktische Art und Weise, um Missionsdienst aufzubauen und auch noch die nächste Generation von Sportfunktionären hervorzubringen. Es ist unser Traum, in den nächsten zwei Jahren Sportakademien in Afrika, Lateinamerika, Asien und Europa zu schaffen.“

Jill Hitchcock kam 1992 zu OM und arbeitete fünf Jahre lang in Belgien, bevor sie 1997 nach Ungarn ging. Im Lauf der Jahre hat sie bei OM viele Positionen innegehabt, aber für sie geht es immer darum, Dienerin Gottes zu sein und die Gaben und Fähigkeiten zu nutzen, die er ihr gegeben hat, wo auch immer sie gebraucht werden.



36 Freiheit für Dalits

Teambuilding1963 fuhr das erste OM Team auf dem Landweg von Europa nach Indien. Unterwegs erzählten sie von der Guten Nachricht. Das taten die OM Teams auch in den folgenden 30 Jahren – sie verteilten Literatur, sprachen mit Leuten, boten Korrespondenzkurse an und gaben Gottes Liebe in ganz Indien weiter.

1988 wurde der indischen Leitung klar, dass es nicht genügte, geistlich zu helfen, sondern dass der Mensch als Ganzes, seine wirtschaftlichen Bedürfnisse und die sozialen und politischen Umstände mit einbezogen werden mussten. OM erkannte, dass sie den Hunderten von Millionen von armen und an den Rand der Gesellschaft gedrängten Menschen, speziell aber den Kastenlosen, den Dalit-Bahujan (Unberührbare) ihre Aufmerksamkeit schenken mussten.

„Die Dalits und andere arme, ausgegrenzte Menschen in Indien schreien nach Freiheit”, sagt Joseph D'Souza, der Leiter der Good Shepherd Church of India (Kirche des Guten Hirten). „Wir rufen zu einer umfangreichen sozialen, moralischen und geistlichen Veränderung auf. Es ist ein Aufruf, die Welt von der Unterdrückung der Kastenideologie zu befreien! Es ist schlicht eine Forderung nach Menschenwürde als Antwort auf die gegenwärtige Realität der modernen Sklaverei, der Unterdrückung von Frauen, wirtschaftlicher Diskriminierung und um sich greifende Armut.”

In Partnerschaft mit anderen unternahm OM/Good Shepherd 2001 Schritte, um die Gesellschaft zu verändern. Sie begannen, die Armut der Dalits zu bekämpfen, mit medizinischen Kliniken, Primarschulen in englischer Sprache, Alphabetisierung Erwachsener, Handwerks- und Geschäftskursen und vielem mehr. Da dies alles im Namen Jesu getan wurde, entstanden überall neue Gemeinden.

Bildung als Schlüssel
Es wurde bald klar, dass der Schlüssel, um aus dem Kreislauf der Armut und Unterdrückung auszubrechen – einem Kreislauf, der es einer ganzen Bevölkerungsgruppe der indischen Gesellschaft verunmöglicht, über die erste Sprosse hinaus aufzusteigen – die Bildung der Dalit-Kinder war. Die Good Shepherd Schulen sind christlich geführt, die Schüler sind Dalits und die Unterrichtssprache ist Englisch.

Ruth besucht die vierte Klasse einer Good Shepherd Schule. Obwohl Bigamie in Indien verboten ist, machte Ruths Vater einige schlechte Entscheidungen und die Familie litt darunter. Armut und die fehlende Fähigkeit, lesen und schreiben zu können, verstärkten die Schwierigkeiten von Ruth, ihrer Mutter und ihren beiden Geschwistern. Als Ruths Vater schlussendlich die Familie verließ, lebten sie, trotz dem kleinen Lohn, den die Mutter als Magd in einem Nachbarhaus verdiente, in unglaublicher Armut. Vor kurzem wurde bei Ruth Tuberkulose diagnostiziert. Jetzt erhält sie – gratis vom Regierungsspital – Medikamente und erholt sich wieder. Sie ist eine gute Schülerin und sie und ihre Mutter haben Hoffnung auf eine Zukunft, die sie sich sonst nicht hätten vorstellen können.

Etwa 90% der Good Shepherd Schulabgänger studieren an Universitäten oder bilden sich an Fachschulen weiter. An 107 Schulen werden heute über 26'000 Dalit-Kinder unterrichtet!

„Es ist Gottes Wirken, dass wir so vielen Dalit-Kindern Freiheit ermöglichen konnten. Der Einfluss, den dies auf die Bevölkerung der ganzen Nation hatte, ist unglaublich”, sagt D'Souza. „Die vorbeugenden Bemühungen gegen die verschiedenen Formen der Sklaverei, wie Schuldknechtschaft, Menschenhandel, Zwangsprostitution und Kastendiskriminierung, haben einen sichtbaren Einfluss auf die Dalit-Bevölkerung und ihre Leiter.”

Weg vom Rotlichtviertel
Bhindya* wuchs im Rotlichtviertel von Mumbai, dem wirtschaftlichen Zentrum Indiens, auf. Da ihre Mutter oft weg war, wurde sie meist von anderen Frauen betreut. Aber auch diese Frauen verschwanden, meist mehrere Tage nacheinander und ließen Bhindya und ihre eigenen Kinder in der Obhut von wiederum anderen Frauen. Damals hinterfragte Bhindya den Umstand nicht, dass in ihrer Gasse, ja in ihrem ganzen Quartier, nur Frauen und Mädchen wohnten, Männer aber nur für kurze Zeit zu Besuch kamen.

Vor fünf Jahren, als Bhindya zehn Jahre alt war, wurde sie ins Pratigya-Schutzhaus in Hyderabad gebracht. Pratigya ist eines der zwei Häuser des Good Shepherd Gesundheitsdienstes, in denen Frauen und Mädchen, die die Prostitution verlassen möchten oder aus dem Kreislauf des Menschenhandels fliehen konnten, geholfen wird. Hier erhielt Bhindya gesunde Mahlzeiten und lernte einen Tagesablauf kennen, mit Schulunterricht, Andacht und Zeit zum Spielen.

Heute ist Bhindya die beste Schülerin ihrer 10. Klasse einer Good Shepherd Schule. Im Gegensatz zu ihrer Mutter, die an HIV starb, hat sie Hoffnung auf eine gute Zukunft, weit weg vom Rotlichtmilieu. Diese Rehabilitationszentren sind nur eine Facette der Arbeit des Good Shepherd Gesundheitsdienstes, der in 80 verschiedenen Orten aktiv ist und dadurch einigen der 250 Millionen Menschen dient, die sonst keinen Zugang zu medizinischer Hilfe hätten. Auch in der Aufklärung über HIV/AIDS und deren Therapie, über Menschenhandel und Sexsklaverei, von welchen Hunderttausende in Indien betroffen sind, ist Good Shepherd aktiv.

Wachsende Gemeindebewegung
Im Jahr 2003 begann OM eine einheimische Gemeindebewegung, die Good Shepherd Church of India (GSCI). Sie lehrt neue Christen, wurde in ganzheitlicher Entwicklungshilfe aktiv und verbreitete sich im ganzen Land.

„Wir sind als schnell wachsende, Veränderung bewirkende Gemeindebewegung bekannt, die sich für Gerechtigkeit und Fürsprache einsetzt, Kindern durch englischsprachige Bildung Freiheit schenkt, die Gesundheitsinitiativen fördert, gegen den Menschenhandel kämpft, wirtschaftlichen Aufstieg ermöglicht und Leiter ausbildet“, berichtet D'Souza.

Nach fast fünf Jahrzehnten zählt die Bewegung rund 4000 Gemeinden, die von 1300 Pastoren geleitet werden. Während Ernährungsprogramme, bildende Kurse und wirtschaftliche Entwicklung Veränderung schaffen, bleibt der Schwerpunkt der Arbeit auf der Förderung einzelner Menschen in ihrer persönlichen Beziehung zu Jesus Christus.

Das schnelle Wachstum der Bewegung zeigte auf, dass das jahrzehntelange Gebet für eine landesweite, einheimische Kirche erhört wurde. Im März 2012 zog sich OM Indien aus dem internationalen OM Netzwerk zurück und formierte sich als unabhängige, indische Organisation Good Shepherd/OM India. Diese Organisation führt zusammen mit verschiedenen OM Partnern die 1964 begonnene Arbeit weiter.

*Name geändert

Die Amerikanerin Janet Weber arbeitet seit 2008 in England und Deutschland als Autorin und Editorin. Es liegt ihr am Herzen, junge Autoren und Fotografen in ihren von Gott anvertrauten Fähigkeiten für die Mission zu fördern. Gegenwärtig arbeitet sie als internationale Kommunikationsleiterin. Sie lebt mit ihrem deutschen Ehemann in den USA.



35 Doulos – eine Plattform des Friedens für Papua-Neuguinea

TeambuildingAls die Doulos im September 1999 auf die guineische Insel Bougainville zu segelte, verspürte ihre Besatzung eine unterschwellige Angst vor diesem Ort, an dem erst vor Kurzem nach jahrzehntelangem Bürgerkrieg ein Waffenstillstand geschlossen wurde.

Die weitverbreitete Zerstörung zeigte sich deutlich: Niedergebrannte Dörfer, die nun vom Dschungel überwuchert waren und einst florierende Geschäfte, die jetzt aber in Trümmern lagen. Die Gründe, die die revolutionäre Armee von Bougainville zum Kampf für die Unabhängigkeit bewegt hatten, waren noch nicht vollständig beseitigt worden, aber es gab einen zerbrechlichen Frieden, eine Führungsstruktur und eine Einladung an die Schiffsarbeit von OM, wieder zurückzukehren.

Kapitän Graeme Bird (Neuseeland) legte seinen Kurs vorsichtig fest – schließlich war der Hafen ein Minenfeld der Gefahren. Kein internationales Schiff hatte sich in den Hafen von Kieta gewagt, seitdem die Doulos ihn neuneinhalb Jahren zuvor verlassen hatte. Jedes Navigationslicht war kaputt. Der Anlegeplatz wurde schon lange nicht mehr gewartet und das Wasser hatte sich in eine Deponie für alle möglichen Abfälle verwandelt, darunter sogar Fahrzeuge.

Das Schiff war tatsächlich vor Ort gewesen, als der Konflikt begann. Im Januar 1990, einen Tag bevor die Doulos im Hafen anlegen sollte, wurde die Genehmigung für alle missionarischen Aktivitäten im Land aufgrund der eskalierenden Gewalt entzogen. Ein außergewöhnlicher Kompromiss wurde geschlossen: Die Besatzung der Doulos konnte die Rettungsboote als Wassertaxen nutzen, um so die Inselbewohner auf das Schiff zu bringen, das in der Nähe des Hafens vor Anker lag. Viele Menschen gaben ihr Leben Jesus, als sie das Evangelium an Bord hörten.

David Short (UK), ein Unterstützer der Schiffsarbeit, der früher selbst in Papua-Neuguinea gearbeitet hatte, unterstütze das Vorbereitungsteam. In einem Café in Kieta fiel ihm ein elegant gekleideter Herr auf, der gerade zu Abend aß. Als David den Gästen von der Doulos erzählte, stellte sich der Herr als Joseph Kabui vor, Präsident des Kongresses der Bevölkerung von Bougainville und Interimsleiter der Insel. Er lud die Vertreter des Schiffes dazu ein, ihn am folgenden Morgen in seinem Büro zu besuchen.

Am nächsten Tag hatte Präsident Kabui zwei Bitten: Erstens, könnte die Doulos ein Seminar über Gebet für die neuen Leiter von Bougainville halten? Zweitens, könnten die Politiker Training über gute und wichtige politische Grundsätze erhalten?

„Ich konnte es nicht fassen”, erinnert sich David. „Natürlich ist das schon oft passiert – die richtige Person zur richtigen Zeit zu treffen. Gott hat uns eindeutig begleitet und geführt … eine Führungsperson stellt normalerweise nicht solche Fragen!“

Doulos-Direktor Lloyd Nicholas (Australien) entwickelte unter Gottes Führung ein Programm. Er und der Chefingenieur waren die Hauptredner eines dreitägigen Leiterschaft-Seminars. Er erinnert sich: „Die Leiter zweier Gruppierungen kamen jeweils mit etwa 30 ihrer führenden Angestellten. Sie saßen getrennt voneinander und interagierten nicht viel. Dann, am dritten Tag, begannen Abgeordnete, die Rivalen gewesen waren – unter ihnen auch Feinde im Kampf – ihre Bitterkeit öffentlich loszulassen und einander um Vergebung zu bitten.“

Ein früherer Pilot hatte beim Verlassen des Schiffes am vorherigen Tag einen Mann vorgefunden, der dort auf ihn wartete. Er erkannte ihn sofort als die Person, die ihn während der Krise von seinem Flugzeug weggezogen und ihn dazu gezwungen hatte, dabei zuzusehen, wie es verbrannte. Nun, ein Jahrzehnt später, hatte dieser Mann den ganzen Tag gewartet, um den Piloten zu finden und sich bei ihm für seine Taten zu entschuldigen.

Der Vize-Präsident des Kongresses für die Bevölkerung in Bougainville spürte, wie Gott zu ihm sprach, als er die Menschen auf dem Schiff beobachtete. Als ein Mensch, der neu zum Glauben gekommen war, verpflichtete er sich dazu, seine Verantwortung, ein treuer Ehemann und ein gutes Familienoberhaupt zu sein, zuerst wahrzunehmen, und sich erst danach um die effiziente Leitung der Bevölkerung zu kümmern.

Noch mehr Menschen wurden dazu bewegt, das, was ihnen auf dem Herzen lag, weiterzugeben. Präsident Joseph Kabui bereute so manches, was gesagt und getan worden war. Der Leiter der gegnerischen Partei antwortete mit seinen eigenen aufrichtigen Entschuldigungen. Als Reaktion darauf gingen die beiden Leiter aufeinander zu, schüttelten sich die Hände, brachen in Tränen aus und umarmten sich schließlich, als sie ihr Bedauern darüber ausdrückten, was zwischen ihnen vorgefallen war.

„Der UN-Botschafter aus Bougainville und der Kommandeur der australischen Armee, die die Gruppe der Friedensüberwachung leiteten, beobachteten sprachlos und erstaunt das Geschehen vom hinteren Ende des Raumes aus!“, erinnert sich Lloyd.

Der letzte Tag des Schiffes im Hafen war der 21. September, der internationale Tag des Friedens der Vereinten Nationen. An diesem Nachmittag wurde am Kai eine traditionelle Zeremonie abgehalten, um den Fortschritt, der an Bord gemacht worden war, öffentlich festzuhalten. Hunderte versammelten sich im Schatten des Schiffes um Zeuge davon zu werden, wie ehemalige Feinde zusammenkamen, um kulturelle Ausdrucksformen der Zusammengehörigkeit zu demonstrieren und ein symbolisches Versprechen zu besiegeln.

Der UN-Botschafter, seine Exzellenz Herr Noel Sinclair, hielt eine bewegende Rede an der Versöhnungsfeier und pries die Doulos-Gemeinschaft als ein Beispiel für die ganze Welt.

„Eure schwimmende Missionsgruppe von mehr als 30 Nationen ist eine Demonstration der Realität und Effektivität von Einheit und Versöhnung zwischen den Menschen“, verkündete der Botschafter. Er fand es passend, dass das Schiff zu der Plattform geworden war, auf der die Leiter der Insel sich ihrer Verantwortung gegenüber verpflichtet hatten, und zwar „auf eine ernste Art, mit einem Streben nach Weisheit, Segen und Bewahrung durch den Prinzen des Friedens.“

Die internationale Gemeinschaft hatte eine Truppe unter der Führung der Australier eingesetzt, die den Waffenstillstand überwachen sollten. Diese Männer des Militärs fragten nach Ausgaben des Jesus Films auf Pidginenglisch, um die Botschaft der Umwandlung in die Dorfgemeinschaften zu bringen. Teams der Doulos brachten große Bücherspenden, um zerstörte Büchereien wiederaufzubauen und einer Generation von Kindern ohne Schulausbildung zu helfen, einen neuen Anfang zu machen.

„Die Leiter der Doulos sind immer noch ein wenig fassungslos und demütig, ein Teil dieses Friedens- und Versöhnungsprozesses zu sein und haben das Gefühl, dass sie lediglich Zeugen davon waren, was Gott in dieser Provinz tut“, sagte ein Schiffsreporter, als sich die Doulos wieder auf den Weg machte.

In ihrem Kielwasser verbreitete sich das Wort auf der Insel, dass diese erneut „offen für Geschäfte“ war, und internationale Schiffe nahmen den Handel dort wieder auf. Die Doulos hatte Neue Testamente in der Ost-Papuaneuguineischen Sprache Naasioi gebracht, was der Arbeit der Wycliff-Bibelübersetzer einen großen Auftrieb gab und einheimische Pastoren ermutigte. Viele Kirchen wurden durch die politische Einheit, die der Schiffsbesuch gebracht hatte, herausgefordert, was konfessionellen Isolationismus schnell in den Hintergrund rücken ließ.

Die OM Schiffsarbeit knüpfte zum ersten Mal Bande mit Papua-Neuguinea, als die erste Logos 1979 Kontakt aufnahm und genießt nun weiterhin die enge Verbindung zu dieser Nation. Viele Christen wurden so inspiriert, in die Mission zu gehen. 2017 dienen sechs Papua-Neuguineer dem Herrn an Bord der Logos Hope.

Julie Knox aus Großbritannien wurde aus dem Rundfunkjournalismus in die Mission berufen und schreibt nun für OM Schiffe. Als sie 2016 ihr Mikrofon und ihre Schutzweste an den Nagel hängte, stellte sie fest, dass ihre Berufserfahrung, die sie als Berichterstatterin auf Kriegsschiffen gesammelt hatte, als Journalistin für die Logos Hope auf See von Wert sein könnte. Julie lebt mittlerweile auf dem Festland und arbeitet vom Büro von OM Schiffe in Deutschland aus.



34 Berufliches Fachwissen in der Mission nutzen


Teambuilding„Es ist wie bei unserem Körper: Er besteht aus vielen Körperteilen, die einen einzigen Leib bilden und von denen doch jeder seine besondere Aufgabe hat. Genauso sind wir alle – wie viele und wie unterschiedlich wir auch sein mögen – durch unsere Verbindung mit Christus ein Leib, und wie die Glieder unseres Körpers sind wir einer auf den anderen angewiesen. Denn die Gaben, die Gott uns in seiner Gnade geschenkt hat, sind verschieden.“ Römer 12,4-6 (NGÜ)

Seit der Gründung von OM vor 60 Jahren liegt der Schwerpunkt darauf, ganz gewöhnliche Menschen einzusetzen, um das Evangelium in der Welt weiterzugeben. Das gilt auch heute noch, aber in der heutigen Zeit der modernen Missionsarbeit hat OM sich weiterentwickelt. Die Organisation engagiert sich immer noch leidenschaftlich für das Evangelium und Gemeindegründungen, aber man erkennt doch mehr und mehr, wie Gott jeden einzelnen Menschen mit verschiedenen Gaben und Fähigkeiten ausgestattet hat – und dass sie, ganz egal, welche Gaben es sind, in der weltweiten Missionsarbeit genutzt werden können.

Das Interesse des US-Amerikaners Mark für Mission wurde erstmalig angestoßen, als er noch in der Welt der Unternehmer tätig war. Doch als er seine persönlichen Fähigkeiten und Vorlieben prüfte, wusste er nicht, wie er in Gottes Plan für die Völker hineinpassen sollte. „Ich stand immer unter dem Eindruck, dass Missionare Pastoren oder Evangelisten sein müssten“, sagte er.

Erst als er auf einem Kurzeinsatz von vielen vollzeitlichen Missionaren hörte, dass sie am dringendsten Verwaltungsfachkräfte brauchten, erkannte er, dass er vielleicht doch noch einen Platz als Missionar finden könnte. Mark schloss sich OM im Nahen Osten und Nordafrika an, wo er die Fähigkeiten, die er bei der Arbeit in der Geschäftswelt erlernt hatte, gebrauchte, um Evangelisten, Unterstützern und anderen Mitarbeitern in der Mission mehr Möglichkeiten zu geben, ihrer eigentlichen Berufung zu folgen.

In der Tat arbeiten viele unterstützende Teammitglieder bei OM, die ihre Jobs aufgegeben haben, um Vollzeitmissionare zu sein, voller Eifer, anderen Teammitgliedern Freiraum zu schaffen, sodass jeder nach seinen Gaben angemessen dienen kann.

„Wir sind hier, um die Arbeitsgänge in den Abteilungen voranzutreiben und die Organisation aktionsfähiger zu machen“, sagt Jamie Bell aus Irland, der für OM International in der IT-Abteilung tätig ist.

Jamie wurde schon als Kind in die Mission gerufen und war bereit, alles hinter sich zu lassen, um Gott vollzeitlich zu dienen – auch die Schule. Aber Gott redete durch eine Frau aus seiner Gemeinde zu ihm, die Jamie sagte: „Der Herr kennt die Pläne deines Herzens, aber du musst zuerst eine gute Ausbildung haben.“

Nach dem Universitätsabschluss kam Jamie bei einer Multimilllionen-Dollar-Firma in die Informationstechnikabteilung. Jahrelang dachte er, Gott habe ihn zu dieser Arbeit berufen, bei der er Missionare finanziell unterstützen sollte, aber Gott sagte ihm, dass seine Zeit um sein – und er schloss sich OM an.

„Ich hab mich immer so gefühlt, als hätte Gott einen Hebel an meinem Leben und mich für [einen besonderen Job] ausgebildet. Er hat mich auf einen Kurs geschickt, der mich die perfekten Voraussetzungen für meine Arbeit [bei OM] gelehrt hat“, erklärte er. „Gott hat mir eine besondere Begabung geschenkt ... und ich kann auf meinem Arbeitsplatz wirklich etwas bewegen.“

Marks Ehefrau Julie bekam in ähnlicher Weise als Kind den Ruf in die Mission. Sie gab eines Tages ihr Unternehmen als professionelle Fotografin in den USA auf und zog ins Ausland. Als sie sah, dass Prediger, Evangelisten und Teamleiter von OMs Kommunikationsbereich gebeten wurden, Berichte über ihren Dienst zu schreiben und Fotos zu machen – was sie vom eigentlichen Dienst abzog – erkannte sie die Möglichkeit, ihre Gaben einzubringen.

Jetzt steht Julie dem neuen International Communications Internship Programm (Kommunikations-Praktikumsprogramm) von OM vor, das junge Leute mit beruflicher Qualifikation mit OM Teams auf der ganzen Welt verbindet und sie dazu ausbildet, „ihr Können als Vorteil für den Dienst zu nutzen.“ Julie sieht das Programm als Hilfe für diese jungen Leute, sich als Teil des Leibes Christi zu erkennen.

Wenn jemand Gott mit seinen Gaben dient, „erfährt diese Person daraus die größte Freude und die größte Effektivität im Dienst“, bekräftigte Julie. „Der Gedanke, dass wir der Leib Christi auf dem Missionsfeld sind, dass wir in den Nationen Menschen zu Jüngern machen und erkennen können, wie Gott uns begabt hat und damit sorgfältig arbeiten, ist ein echtes Privileg.“

Diese Begeisterung, den Leib Christi auszurüsten, führt OM Mitarbeiter dazu, Menschen mit beruflichem Fachwissen zu gewinnen, um dadurch noch mehr dynamische Gemeinschaften von Jesus-Nachfolgern unter den am wenigsten Erreichten aufzubauen. Diese Strategie ist jahrelang nicht recht bemerkt worden, aber OM geht nun mit größerem Nachdruck daran, Personen mit beruflicher Qualifikation an der weitergehenden Vision, die Nationen zu erreichen, mitbauen zu lassen.

Solche Gaben, verbunden mit einem Herzen und der richtigen Einstellung für den Dienst, werden, wie OM hofft, die Organisation in die Zukunft vorwärts bringen. Berufliche Fachkräfte spielen eine bedeutende Rolle nicht nur im Mechanismus der Organisation, sondern auch im Reich Gottes: Von den Bemühungen, Teams in Sambia mit dem Internet in Verbindung zu halten oder den richtigen Platz für einen neuen OM Mitarbeiter im richtigen Land zu finden, bis hin zum Interviewen von Gemeindegründern in Brasilien. Mehr als bloße Zahnrädchen in einer riesigen Maschine handeln sie als die Hände und Füße – oder Ohren und Ellbogen – von Jesus, um dem Vater die Ehre zu erweisen und die Hoffnung des Evangeliums zu den am wenigsten Erreichten in der Welt zu bringen.

Katie M. Stout ist Theologiestudentin, Tutor für schriftstellerische Arbeit und begeisterte Joggerin, was wirklich gut ist, weil sie auch gerne isst. Früher arbeitete sie bei OM im Bereich Kommunikation.



33 Ihn in ihrer Welt widerspiegeln

Teambuilding„Je-sus! Je-sus!“ Die Hauptveranstaltungshalle bebt, als 2500 Teenager den Namen Gottes rhythmisch singen. Anbetung hallt von den Decken wider und vibriert vom Boden. Wenn man seine Augen schließt, kann man sich fast vorstellen, dass die Engel von oben mitsingen.

Willkommen im Throne Room, der Anbetungszeit abends bei TeenStreet (TS) Europa. Gut 4000 Personen aus über 20 Ländern kommen für eine Woche im Jahr nach Deutschland, um Gott anzubeten und in der Beziehung mit ihm und zueinander zu wachsen.

TeenStreet, das 2016 zum 23. Mal stattfand, bietet Teenagern die Möglichkeit, Gott auf neue Art kennenzulernen und Zeit mit anderen christlichen Teenagern zu verbringen. Jedes Element dient dazu, eine Möglichkeit zu schaffen, um Gott zu begegnen – sei es im Kunstbereich ‚Art Zone‘, während eines evangelistischen Einsatzes in der Stadt, bei einem Seminar oder Workshop, auf dem Sportfeld oder während der Schhh-Zeit, einer 30-minütigen Zeit der Stille auf dem gesamten Gelände.

Wenn die Teenager zu TS kommen „haben einige von ihnen schon eine Freundschaft mit Jesus, andere wissen von ihm, haben aber noch keine persönliche Freundschaft ihm und andere sind irgendwo dazwischen“, erklärt Ger van Veen, Direktor von TeenStreet Europa. „Unser Wunsch ist, dass am Ende von TeenStreet jede Person eine lebendige und wahre Freundschaft mit Jesus hat und ihn in ihrer Welt widerspiegelt – das ist auch die Vision von TeenStreet.“

Eine Straße, um darauf zu gehen
TeenStreet begann mit vier Personen, die sich 1992 in einer Pizzeria in den Niederlanden trafen und von einer internationalen Konferenz für Teenager träumten. Die Gründer Dan und Suzie Potter erklärten: „Wir wählten den Namen ‚TeenStreet‘, weil der ganze Sinn der war, den Teenagern eine Straße aufzuzeigen, auf der sie gehen können – einen Weg zum Gehen oder Leben.“

Nach Gebeten und Planungen fand 1993 das erste TeenStreet statt, als 56 Personen in Offenburg, Deutschland, zusammenkamen. Thema war: ‚Living in an upside down world‘ (Leben in einer Welt, die auf dem Kopf steht).

Ali van Oosten, die Tochter von OM Mitarbeitern, nahm damals mit 15 Jahren bei TeenStreet teil und erinnert sich: „Es hat mich bewegt, die Geschichten von anderen, die nicht viel älter als ich waren, zu hören, und wie Gott sie gebraucht. Das war ein Wendepunkt in meiner Beziehung mit Gott und meine Entscheidung, vollkommen für ihn zu leben.“

Als eine Bewegung arbeitet TeenStreet mit Kirchengemeinden und Jugendgruppen zusammen, um deren ganzjährliche Jugendarbeit zu unterstützen. Der Fokus von TeenStreet liegt weniger auf dem Event selbst und mehr auf Jüngerschaft und dem, was danach passiert. „Es macht keinen Sinn, eine einwöchige ‚Freizeit‘ für Teenager zu veranstalten ohne dass sie das Jahr über eine positive Gemeinschaft erleben“, erklärt Ger.

„Uns liegen besonders die kleinen Gemeinden und Jugendgruppen mit wenig Ressourcen am Herzen. Sie profitieren bei TeenStreet vom Training, den Möglichkeiten und Mitteln sowie dem In-Verbindung-Sein. TeenStreet ist nicht nur für die Teenager, sondern auch für ihre Leiter, damit sie ausgerüstet werden, um ihren Jugendlichen nach dem Event weiterhin gut zu dienen.“

Jeden Tag treffen sich die Teenager bei TeenStreet in ihrer Kleingruppe mit fünf anderen Teenagern und einem Erwachsenen ihres Geschlechts, Alters und Sprache, um zu beten und über das zu sprechen, was sie gelernt haben. Das Ziel dabei ist es laut Ger, den Teenagern eine sichere Gemeinschaft zu geben, in der sie sich öffnen können.

„Viele junge Menschen verlassen die Kirchengemeinden, wenn sie die Schule verlassen“, sagt Ger. „Ein Hauptgrund ist, dass sie keinen eigenen Glauben haben; tatsächlich tragen viele junge Menschen die Freundschaft zu Jesus einer anderen Person mit sich herum. Ihnen wurde gesagt, dass man ‚so‘ lebt und dass es ‚das‘ ist, was Christus für dich bedeutet. Wir streben danach, eine Umgebung zu kreieren und mit den Teenagern so zu kommunizieren, dass ihnen geholfen wird, Entscheidungen zu treffen, die auf Überzeugungen resultieren, die sie selbst erlangt haben.“

Vom Teenager zum Studenten zum Pastor
Ruwen Braun aus Deutschland nahm 2016 zum fünften Mal bei TeenStreet teil. Als er zum ersten Mal bei TS dabei war, war er einfach nur ein weiterer Teenager, der mit seinen Kumpels auf der Suche nach einem Abenteuer war. Er wusste nicht, dass dieser Weg sein Leben verändern würde.

Nachdem er das erste Mal bei TS dabei war, ging er noch zwei Mal hin, bevor er am Trainingsprogramm von OM Südafrika teilnahm. Wieder suchte Ruwen nach dem Abenteuer – dieses Mal in Afrika. Aber das, was Gott bei TS in sein Herz gepflanzt hatte, hallte weiter in seinem Herzen nach und er begann, nach einer neuen Richtung zu suchen, die für ihn vorher unvorstellbar gewesen wäre.

„Ich wollte nie Pastor werden, aber auf TS zu sein, hat mein Leben verändert“, erinnert er sich. „Ich habe später mehr über Theologie gelernt, als ich die Jüngerschaftsschule bei OM in Südafrika gemacht habe. Ich war so begeistert, dass ich beschloss, mehr zu lernen.“

Jetzt als Jungendpastor seiner Gemeinde und Kleingruppenleiter bei TS, erinnert er sich an den Wendepunkt in seinem Leben. 2015 brachte er zehn Teenager seiner Jugendgruppe mit zu TS, 2016 waren es 16.

„Ich glaube fest daran, dass TeenStreet eine inspirierende Gemeinschaft ist, in der Teenager in ihren Kleingruppen und mit ihren Leitern Jüngerschaft erleben – nicht nur ihren Glauben betreffend, sondern auch für die Mission oder das Ziel, dass Gott für jeden von ihnen hat“, schließt Ger ab.

Seit dem ersten TeenStreet 1993 hat OM noch mehrere TeenStreets in der Welt veranstaltet, darunter in Brasilien, Uruguay, Südafrika, Nepal, Malaysia, Indien und Australien.



32
Eine Familie für gefährdete Kinder

Schule für alle
Teambuilding2016 feierte OM Philippinen 15 Jahre Arbeit mit armen, ausgegrenzten Kindern. Diese Arbeit begann 2001 mit dem Besuch der MV Doulos: Die Mannschaft traf sich mit den Kindern, die in den Straßen von Cebu lebten und erklärten ihnen Gottes Wort. Fünf junge Menschen unter der Leitung von Sally Ababa, einer ehemaligen Schiffsmitarbeiterin und heutigen Leiterin von OM Philippinen, führten die Arbeit weiter, nachdem das Schiff den Hafen verlassen hatte. Die Arbeit wuchs in der Stadt Cebu und breitete sich bald über die ganze Insel aus.

Im Jahr 2009 wurde für die vielen Jugendlichen, die aus irgendeinem Grund nicht mehr zur Schule gehen, das Alternative Learning System (ALS) aufgebaut. OM ist die einzige Hilfsorganisation auf der Insel Cebu, die ALS anbietet. Die meisten Schüler stammen aus armen, nicht funktionierenden oder einfach nicht interessierten Familien. Sie würden ihre Schulabschlussprüfungen ohne die Hilfe und Unterstützung von OM Mitarbeitenden niemals bestehen.

Viermal wöchentlich werden die Fächer Englisch, Naturkunde und Filipino unterrichtet. Jeden Freitag lernen sie die Bibel kennen. An Wochenenden besuchen die Lehrer ihre Schüler zuhause und bauen Beziehungen zu ihren Familien auf.

Genevieve musste die Schule verlassen, weil ihre Eltern die Schulgelder nicht mehr bezahlen konnten. Zum Glück wurde sie von jemandem auf ALS aufmerksam gemacht. Dank der Unterstützung durch OM Mitarbeitende konnte Genevieve 2011 die Schule mit einem Diplom abschließen. Jetzt ermöglicht ihr OM die Ausbildung zur Hotel- und Restaurantmanagerin. Sie träumt davon, ihr eigenes Geschäft zu besitzen und zu führen. „Meine Ausbildung ist ein Segen, aber noch mehr gesegnet bin ich mit Menschen, die mich in meinem persönlichen Wachstum als Frau unterstützen”, erzählt Genevieve.

Der Ruf nach Afrika
Christina aus England wusste, dass sie mit obdachlosen Kindern arbeiten sollte. Eine Missionsgesellschaft versicherte ihr, dass sie wegen ihrer chronischen Krankheit nie in Afrika arbeiten könne. Seit vielen Jahren arbeitet Christine nun aber schon mit OM in Afrika.

1996 begann sie, mit der Hilfe von Freiwilligen, ein Zentrum für obdachlose Straßenjungen im Sudan aufzubauen. Schließlich umfasste diese Arbeit vier Notschlafstellen, ein Drogenberatungsprogramm und ein Haus mit betreutem Wohnen. Alles diente dazu, den Jungen angemessene Umgangsformen beizubringen und ihnen die Wiedereingliederung in lokale Schulen zu ermöglichen. In einem Zentrum befand sich auch eine Berufsschule.

Das Programm verfolgte das Ziel, die Jungen von der Straße zu holen, zu rehabilitieren und in ihren Familien wiedereinzugliedern, wo sie bis zu ihrer Mündigkeit bleiben konnten. Über 300 Jungen kamen durch diese Zentren von der Straße weg und fanden Hoffnung in Jesus.

„Es bereitete uns grosse Freude zu sehen, wie diese Jungs von Süchten und vielen anderen Problemen befreit wurden und sich zu gesunden, wunderbaren Burschen entwickelten, die Gott liebten und ein wertvoller Teil ihrer Gesellschaft wurden“, erzählt Christine.

Als der Sudan 2011 in zwei Länder aufgeteilt wurde, mussten alle ausländischen Christen, inklusive Christine, das Land verlassen. Zwei der Zentren arbeiteten trotzdem weiter; eines unter der Aufsicht einer Partnermission und das andere unter der Leitung einiger der älteren Jungen mit finanzieller Unterstützung eines lokalen Geschäftsmannes. Die Jungen aus den beiden Zentren, die geschlossen werden mussten, konnten in Gastfamilien platziert werden.

Bevor die Zentren gebaut wurden, bot OM jeden Freitagnachmittag Drogenberatung an. Dabei lernten sie Karl* kennen, einen an Tuberkulose erkrankten Teenager, der am Stock ging. Sie brachten ihn in ein Spital, wo er für sechs Monate auf der TB-Abteilung blieb. Danach zog er ins OM Zentrum und schloss dort seine Schulbildung im Alter von 21 ab. Anschließend arbeitete er mit drei weiteren Schulabgängern in einer Fabrik.

Eines Tages war Karl verschwunden. Sechs Wochen später fand ihn das Team in einem Gefängnis. Er war schwer krank. Die Polizei übergab ihn dem OM Zentrum. Die Ärzte diagnostizierten verschiedene schwere Krankheiten und gaben dem todkranken Karl gerade mal drei Monate zu leben. Heute, 16 Jahre später, lebt Karl immer noch im Zentrum.

Als die Ausländer ausgewiesen wurden, übernahm Karl zusammen mit einem weiteren Mann, der im Zentrum aufgewachsen war, die Aufsicht über das Zentrum. Im Rollstuhl und noch immer mit mehreren medizinischen Problemen arbeitet Karl auch heute noch mit Straßenjungen.

2013 zog Christine nach Sambia und gründete das Africa Area Hope on the Streets for Children, ein Schulungsprogramm, welches die afrikanische Kirche auf Straßenkinder aufmerksam macht. „Unsere Vision ist, dass die afrikanische Kirche zu einer guten Familie für die Straßenkinder und Jugendlichen wird”, erklärt Christine. Projekte, die sich aus diesem Programm entwickeln, werden von der Kirche geführt, von Einheimischen verantwortet und bringen so Veränderung in die Gesellschaft.

Ein geistliches Fundament
Mercy Team International (MTI) wurde 2002 als integraler Teil von OMs Arbeit in Südostasien gegründet. MTI möchte, zusammen mit anderen christlichen Organisationen und Personen, Menschen zur Seite stehen, die von Armut und Unterdrückung betroffen sind. An der Grenze Thailand-Myanmar führt MTI die School of Mercy für 130 Mon- und Karen-Kinder, die mehrheitlich aus lokalen Flüchtlingsfamilien stammen. Wegen den herrschenden Unruhen ist es für die Kinder in den Dörfern und in der umliegenden Dschungelregion schwierig, Zugang zu einer Schule zu erhalten. An der Schule von MTI bekommen die Kinder einmal pro Woche eine gute, nahrhafte Mahlzeit. Über 30 Kinder leben im Wohnheim und erhalten dort regelmäßig Essen und einen sicheren Ort zum Leben.

Im Dezember 2016 besuchte die OM Volontärin Kalene Lua mit einem Team die Schule. Sie hatten 300 Geschenke für ein Weihnachtsfest mit den Kindern im Dorf eingepackt. „Als Phaw Phaw Dar eintrat, wurde ich wegen ihres leuchtenden Lächelns auf sie aufmerksam”, erzählt Kalene, die als Schülerin an der School of Mercy Jesus Christus kennengelernt hatte. Phaw Phaw Dar war 12, als sie realisierte, dass Weihnachten nicht bloß eine Zeit der Feste und Geschenke war. „Bevor ich Jesus kannte, war mein Leben von Sorge geprägt”, sagte Phaw Phaw Dar zu Kalene. „Nachdem ich jetzt weiß, was Weihnachten wirklich bedeutet, habe ich nun einen guten Grund, im Glauben fest zu stehen und eine Hoffnung für meine Zukunft zu haben.”

Das Weihnachtsprogramm an jenem Abend begann mit einem Gottesdienst, der im ganzen Dorf zu hören war. Elijah Sim, ein OM-MTI-Vorstandsmitglied, sprach über die Hoffnung in Jesus. „Diese Nachricht ist ergreifend für viele Eltern, die in unglaublicher Armut leben, aber gerne eine bessere Zukunft für ihre Kinder hätten”, sagte Kalene. „Phaw Phaw Dar ist eine Ermutigung für das Schulteam, das versucht, den Kindern und der Dorfgemeinschaft zu dienen, indem sie eine qualitativ hochstehende Ausbildung und ein starkes geistliches Fundament anbieten, das den Kindern eine bessere Zukunft ermöglicht.“

*Name geändert

Rebecca Rempel ist Fotojournalistin und kommt aus Kanada. Sie arbeitet mit dem Kommunikationsteam von OM Afrika, reist durch Afrika, fotografiert und schreibt über die Arbeit, die Gott auf dem afrikanischen Kontinent tut.




31 In entlegenen Gebieten Sibiriens


Teambuilding„Als ich am 9. Mai 1993, dem Sieges-Tag, in Russland eintraf, schneite es – ein würdiger Willkommensgruß in Sibirien, auch im Frühjahr!“, erinnert sich der Australier Lloyd Porter, der später während zehn Jahren OM Russland leitete.

Von Anfang an füllten Studenten jede Woche die kleine OM-Wohnung, begierig Gottes Wort zu hören. „Oft hatten sie keine Ahnung, wer Gott ist, doch sie wollten unbedingt mehr über Gott lernen”, erzählt Lloyd. Sie waren begeistert von ihrem neuen Glauben. An Samstagen feierten sie Gottesdienst mit ihren Leitern und an Sonntagen gingen sie in eine Kirche. Am Montag hatten sie Unterricht im Weitergeben des Evangeliums, am Mittwoch Bibelstudium und am Samstag Einsätze in Bahnstationen und Einkaufszentren. „Sie wollten in ihrem Glauben wachsen und ihn auch weitergeben”, erinnert sich Lloyd“, aber sie brauchten unbedingt Schulung, um dies zu tun.”

Etwa um diese Zeit sagte ein Pastor, der während der Zeit des Kommunismus seinem Glauben treu geblieben war, zum OM Team: „Das Beste, das ihr tun könnt, ist junge Leute auszubilden und in ihrem Glauben zu stärken. Und weckt in ihnen den Wunsch, die Menschen in entlegenen Gebieten Sibiriens zu erreichen!”

Dies berührte die OM Leiter zutiefst und die Idee etablierte sich, als Colin und seine Frau Bron in den späten Neunzigerjahren zum Team stießen. Bald darauf begann ein Russe mit dem Namen Vitali regelmäßig am OM Gebetstreffen teilzunehmen. Er brachte eine grosse Landkarte der Umgebung mit sich. Wenn er mit dem Finger auf eine Stadt zeigte, betete die Gruppe für diese Stadt. Vitali betete, dass Gott OM brauchen möge, um Missionare für diese Stadt auszubilden, damit sich Gottes Reich auch in dieses Gebiet ausdehnen würde. „Gott hatte etwas begonnen”, sagt Colin. „Einige Zeit später wurde uns klar, wieviel besser es war, andere auszubilden, statt selbst an der ‚Front‘ zu arbeiten.”

Dienen durch Lehren
Über die folgenden zwei Jahre erarbeitete das OM Team ein sechsmonatiges Studienprogramm für Russen, kaufte eine 4-Zimmer-Wohnung und lud Einheimische ein, dort zu lernen. „Es war ein spezieller Tag, als 2006 die Türen für die ersten acht Männer und Frauen geöffnet werden konnten”, erinnert sich Colin.

Das Team machte sich Sorgen, weil das Schlafzimmer eher klein und spärlich eingerichtet war und entschuldigte sich bei den drei jungen Teilnehmern dafür. Daraufhin lachten die Männer lauthals, denn zwei von ihnen waren erst kürzlich aus dem Gefängnis entlassen worden. Dort hatten sie eine Zelle der gleichen Größe mit 18 anderen geteilt. „Es ist und bleibt ein Markenzeichen unseres Jüngerschaftsprogramms, dass Gott uns ehemalige Drogenabhängige, Alkoholiker und Kriminelle anvertraut, die er bereits zu Botschaftern der Guten Nachricht umzuwandeln begann”, berichtet Colin.

Im Mai 2016 feierte das OM Team das 10-jährige Jubiläum des Jüngerschaftszentrums. „Was für eine Freude, über 100 ehemalige Schüler, die jetzt über ganz Sibirien und in aller Welt verstreut arbeiten, zu treffen!”, erzählt Colin. „Es war eine unglaubliche Antwort auf ein Gebet, das wir vor nur 12 Jahren in unserer Wohnstube gebetet hatten.”

2013 wurde unser Schulungsteam durch Tim und Jo verstärkt. Innerhalb von zehn Jahren hat OM 138 Leute ausgebildet; 22 befinden sich momentan im Training. Ehemalige Schüler sind nun in verschiedenen Arbeitsbereichen tätig, zum Beispiel im Gemeindebau unter Minoritäten, wie den Tataren in Nordsibirien. Ehemalige besuchen jede Woche lokale Gefängnisse und leiten dort Bibelgruppen unter interessierten Häftlingen. Andere arbeiten auf dem OM Schiff Logos Hope. Eine Russin, Alena, ist verantwortlich für das Reinigungsteam, bekannt als die Angels (Engel) auf dem Schiff. „In Russland machen wir Witze darüber und nennen Alena den ‚Erzengel‘”, erzählt Tim lachend.

Etwa 25% der Männer, die unsere Schule abgeschlossen haben, gehen ans Pastorenseminar. Ein hoher Prozentsatz arbeitet im vollzeitlichen christlichen Dienst – einige davon sogar in Übersee.

Viele der Teilnehmenden an unserem OM Trainingsprogramm erzählen eindrückliche Geschichten: Yuri, der 2016 abschloss, war 12 Jahre alt, als er zum ersten Mal ins Gefängnis musste. Mit 13 lernte er, wie man ein Auto stielt und mit 20 war er schwer drogenabhängig und litt an Tuberkulose. Dann lernte er durch Aleksey Jesus kennen. Aleksey ist Christ, kommt aus demselben Dorf wie Yuri und arbeitet mit OM. Nach einiger Zeit verstand Yuri, dass Jesus sein Leben verändern wollte. Als er sechs Monate später aus dem Gefängnis entlassen wurde, wollte er als Erstes getauft werden. Bald darauf begann er seine Ausbildung an unserer Jüngerschaftsschule. Er studierte die Bibel, lernte predigen, diente auf verschiedene Weise und lernte, die Gute Nachricht weiterzugeben.

OM bietet Russen weiterhin ein sechsmonatiges Programm mit intensivem Bibelstudium und Ausbildung im christlichen Dienst an. Nach ihrem Abschluss wird den Teilnehmenden geholfen, in unerreichten Gebieten zu wohnen, den Menschen dort die Gute Nachricht zu bringen und neue Gemeinden aufzubauen. Dadurch erfüllt sich die Vision, lebendige Gemeinden in ganz Sibirien und darüber hinaus zu sehen.

Katherine Porter und ihr Ehemann Lloyd arbeiteten 26 Jahre mit OM. Nach dem Fall des Kommunismus halfen sie für sechs Jahre, Teams in Osteuropa aufzubauen. Während zehn Jahren leiteten sie OM Russland. 2007 zogen sie mit ihren zwei Töchtern nach Westaustralien, um dort Leute zu rekrutieren und in die ganze OM Welt auszusenden. Katherine arbeitet zurzeit als Leiterin von OM Global Organisational Development.



30 Vielfalt in der Leiterschaft reflektieren

Nationale Leiterschaft anzuerkennen und zu unterstützen war seit 1958 ein wichtiger Teil der internationalen Entwicklung von OM überall auf der Welt. Sie begann, als Baldemar Aguilar, ein junger Mexikaner, der an der Seite von George Verwer arbeitete, der erste Direktor der OM Arbeit in seinem Heimatland wurde.

Der Grundwert von OM, die Vielfalt des Leib Christi widerzuspiegeln, findet sich überall in der Arbeit von OM wieder – selbst in der Diversität ethnischer Hintergründe in der Leiterschaft. Gegenwärtig leiten 83 Männer und Frauen die länderspezifische Arbeit von OM und 42 von ihnen sind im Besitz des Passes ihres Einsatzlandes. Nachfolgend einige Beispiele für die zahlreichen Zeugnisse derer, die Gott eingesetzt hat, um die Arbeit von OM überall auf der Welt voranzubringen.

Ecuador: An die Enden der Erde gesandt
Teambuilding1986 trat Shura Façanha in die Fußstapfen ihrer Schwester und ging als die zweite Frau aus Ecuador, die OM beitrat, an Bord der MV Logos – ihre Schwester war die erste gewesen. „Das Leben auf dem Schiff hat mein ganzes Weltbild auf den Kopf gestellt, meinen Blick erweitert und mich in vielerlei Hinsicht ausgerüstet“, sagt Shura. „Ich erinnere mich daran, wie ich (während den Gebetsnächten) Gott anflehte, andere Ecuadorianer zu berufen, ihm über ihre Grenzen hinaus zu dienen. Ich fühlte mich so privilegiert, in diesem Dienst arbeiten zu können“.

Shura kehrte 1991 nach Hause zurück und forderte andere dazu heraus, in die Mission zu gehen. „Ich kam nicht darüber hinweg, dass Ecuadorinaner und viele andere Lateinamerikaner dachten, Mission wäre ein Privileg, dass dem Westen vorbehalten ist. Missionare aus dem Westen hatten uns zwar das Evangelium gebracht, hatten uns aber nicht beauftragt, selbst bis an die Enden der Welt zu gehen.Sie etablierte ein wöchentliches Gebetstreffen in ihrer Heimat und machte am 16. Januar 1992 einen Einsatz in Brasilien. Shura begann mit der Arbeit von OM in Ecuador. „Ich kämpfte mit großen Herausforderungen, denn ‚Mission‘ war für die meisten Kirchen ein Fremdwort und ich war eine junge Frau. Aber ich hatte ein tiefes Verlangen danach, die Ecuadorianer zu mobilisieren“, berichtet sie. „Es war nicht einfach – nicht jede Kirche war bereit oder willig, sich in dieser Aufgabe zu engagieren – aber Gott war treu.“

Ein paar Jahre später heiratete Shura Roberto, einen Geschäftsmann, der sich OM angeschlossen hatte. Nun leiten sie gemeinsam die Arbeit von OM in Lateinamerika. „24 Jahre später kann ich sagen, dass es die Mühe wert war“, erklärt Shura. „Gott hat die Gebete für die Mobilisation der Ecuadorianer erhört. Bis zu diesem Tag spüre ich, wenn ein Ecuadorianer – oder irgendein Latino – in die Mission geht, denselben Nervenkitzel den ich damals hatte, als ich selbst auf der Logos war. Ich sehe es als Privileg, ein Teil von dem zu sein, was Gott in Lateinamerika tut.“

Singapur: Ortsgemeinden mobilisieren
TeambuildingNachdem er vier Jahre lang auf der MV Logos gedient hatte, wurde Rodney Hui mit 24 Jahren 1979 der erste Leiter von OM Singapur, da Visaprobleme zwei Ausländer am Bleiben hinderten. „Keine Visaprobleme und weniger kulturelle, sprachliche und andere Barrieren sind große Vorteile für Staatsbürger“, so Rodney.

Einheimische Mitarbeiter haben die Arbeit von OM in Asien angefangen und seit den frühen Tagen erweitert. „Es waren meist Inländer, die auf mich zukamen, um Mitarbeiter in ihren eigenen Heimatländern zu mobilisieren“, sagt Rodney. „Viele, die auf dem Schiff gearbeitet hatten, wollten Teil davon sein, die Kirche in ihren eigenen Ländern zu mobilisieren.“

Früher war der Dienst auf einem OM Schiff die einzige Möglichkeit für Asiaten bei OM, doch 1976 begannen Asiaten mit OM in Bangladesch, Pakistan und Indien zu arbeiten, später dann auch in Europa und im Nahen Osten. „Gottes Ruf, in alle Welt zu gehen, galt der ganzen Gemeinde“, erklärt Rodney. „Nicht nur dem Westen, sondern uns Allen.“

Rodney fokussierte sich darauf, Singapur von einem Land, das Missionare empfängt, in eines, das welche sendet umzuwandeln, indem er die dortigen Kirchen mobilisierte. Die Einbindung von Asiaten in den großen Sendungsauftrag veränderte den Missionsansatz von OM und setzte Tausende Mitarbeiter in Bewegung, die seitdem neue Arbeiten begonnen haben, Leiterschaft übernahmen, anderen Missionsorganisationen beitraten oder selbst neue Organisationen gründeten. „Ich habe hart gearbeitet, um die Verantwortung für Projekte Inländern zu übertragen“, sagt Rodney, „um sie für die Dinge zu befähigen, für die sie in ihrem eigenen Land eine Leidenschaft hatten.“

Tschechische Republik: Mitarbeiter für den Missionsdienst vorbereiten
TeambuildingIm Jahr 1987 verbrachten Pavel Zoul und seine Familie einen Sommer am Plattensee in Ungarn. Ein Doppeldeckerbus kam auf dem Campinggelände an und abends versammelte sich eine Menschenmenge um den Bus, bei dem es sich um die Basis eines OM Sommereinsatzes handelte. Junge Menschen nutzten Musik und eine Zeichentafel, um das Evangelium zu erklären. Nach dem Programm bildeten sich Diskussionsgruppen auf Deutsch, Ungarisch und Englisch. „Niemand kommunizierte auf Tschechisch, also machten wir spontan eine solche Gruppe“, erinnert sich Pavel.

Der Leiter des Teams bemerkte die Familie, und lud sie dazu ein, nachdem er herausgefunden hatte, dass sie Christen waren, sich dem Einsatz anzuschließen. „Es war eine große Herausforderung, Teil eines Abenteuers zu sein, das wir nie zuvor erlebt hatten“, meint Pavel. „Meine Frau und ich sind uns einig, dass das unser bester und abenteuerreichster Urlaub war.“

Die Zouls wurden ein Kontakt für OM in der kommunistischen Tschechoslowakei. In den folgenden Jahren dienten sie gemeinsam mit Teams, die versuchten, Menschen rund um den Plattensee zu erreichen. Nach dem Zusammenbruch des Kommunismus managte die Familie einen gemieteten Gebäudekomplex für die Missionstrainingsschule von OM in der Nähe von Budweis. Während dieser Zeit halfen sie dabei, Missionare für den Dienst in Zentral- und Osteuropa vorzubereiten. Pavel wurde bald ein Vorstandsmitglied von OM und trat im Jahr 2000 hauptamtlich bei.

„Nach Gebet und Beratungen mit der Familie sahen wir Gottes klare Führung in die Vollzeitmitarbeit bei OM”, sagt Pavel. 2003 wurde er der Leiter von OM in der Tschechischen Republik. „Rückblickend sehe ich, dass das Gottes Wille für mein Leben ist. Und auch wenn es nicht immer einfach war, so war und ist es Gottes großes Abenteuer und ich bin dem Herrn dankbar dafür.“

Südsudan und Algerien: Ein lokaler Ausdruck von Mission
TeambuildingVon einem frühen Zeitpunkt an, integrierte OM in der Region Mittlerer Osten / Nordafrika (MENA) einheimische Leiterschaft in Missionsteams im Sudan, in Algerien, Israel, Ägypten und dem Nahen Osten (Libanon, Jordanien, Syrien und Irak). Derzeit bestehen die OM Teams in Algerien und im Südsudan vollständig aus nationalen Mitarbeitern.

Im Südsudan ist nationale Leitung erforderlich, da „es sich um eine Arbeit vor Ort handelt, die von der Gesellschaft ausgeht“, sagt Richard, MENA-Leiter von 2015-2016. „Wenn es als eine größtenteils internationale Arbeit angesehen wird, dann gibt es entsprechende Erwartungen. Wenn es als Arbeit vor Ort angesehen wird, gibt es ebenso entsprechende Erwartungen. OM Südsudan ist in Charakter und Ausdruck lokal.”

Das Engagement von OM in Algerien – 28 Jahre lang geleitet und getragen von Youssef, einem algerischen Gläubigen mit muslimischem Hintergrund – verlagerte sich 2016 zu einer zweiten Generation von vorläufigen nationalen Leitern.

Rafik* nahm zuerst an einem Kurzeinsatz 1997 teil und Lina* bekam die Vision dafür 2003, nachdem sie Rafik geheiratet hatte. Sie traten der OM Arbeit vor Ort bei, die von Youssef und dessen Frau gegründet worden war und waren bereits verantwortlich für Gemeindegründung und Nachbereitung, bevor sie die Rolle der vorläufigen Leiter annahmen.

Bezüglich einheimischer Leiterschaft meint Lina: „Wenn du ein Einheimischer bist, dann kennst du die Sprache, die Kultur und du weißt, wie die Dinge dort funktionieren. Wenn du aus diesem Land kommst, dann hast du eine bessere Vorstellung davon, wie du mit Menschen in diesem Land in Verbindung treten kannst.“

*Name geändert



28 Love Europe: Umgestaltung der Sommereinsätze

TeambuildingEs war enorm: der Lobpreis, die Predigten, das Gefühl, prophetische Geschichte zu schreiben, das Gefühl, zu erleben, wie Gott etwas Neues schuf – OM, Love Europe und hunderte Gemeinden und Organisationen in ganz Europa waren bereit.

„Tausende Menschen diskutierten das Evangelium bereitwillig und offen mit Love Europe Teams; viele begannen eine Beziehung mit Christus. Teams erfuhren Gottes Kraft und Segen während sie ihm mit Freude dienten“, fasste der Direktor von Love Europe, Stuart McAllister, im Oktober 1989 die Love Europe Konferenz und Einsätze zusammen.

Für Katherine Porter (Großbritannien) war die Ankunft bei Love Europe völlig verwirrend. Es war ihr erster OM Einsatz und noch nie zuvor war sie mit mehr als 200 Christen zusammen in einem Raum gewesen. „Da waren überall Menschen, Sprachen, Autos, rote Becher* und Rucksäcke“, erinnert sie sich. „Wir schliefen in einer Halle mit 500 anderen. Die Begeisterung war unglaublich. Mit den Temperaturen stiegen auch die Teilnehmerzahlen.“

Etwas Größeres
Der Gebietsleiter von OM Europa, Dennis Wright, hatte Gott darum gebeten, OM eine Aufgabe zu geben, die so groß war, dass kein Feld sie alleine bewältigen konnte. Traditionelle Sommereinsätze schienen veraltet. Selbst mit 2000 Teilnehmern, die sich auf drei Startkonferenzen im Juni, Juli und August verteilten, schien es einen Verlust von Dynamik und Leidenschaft in der Gewinnung neuer Teilnehmer zu geben und einen großen Wunsch danach, die Qualität des Trainings und der Einsätze zu verbessern.

Es herrschten Energie, Vision, Dynamik und Tatendrang. Ein Werbevideo spielte eine tragende Rolle für diesen neuen Ansatz. Alle OM Felder erhielten eine hochqualitative Broschüre in verschiedenen Sprachen, von der 85 000 Ausgaben gedruckt wurden. Dies erregte großes Aufsehen. Überall auf der Welt arbeiteten die Felder hart, um neue Mitglieder anzuwerben.

Besonders in die Veränderung von Strukturen, die Ausrüstung der neuen Einsätze, die Verarbeitung und in die Zielgebiete wurde viel Arbeit investiert. „In manchen Punkten gab es echte Spannungen und Meinungsverschiedenheiten“, erinnert sich Stuart. „Referenten von außerhalb und bekannte Lobpreisbands zu nutzen war kontrovers, aber der Eifer riss uns mit und die Zusammenstellung der Referenten – Floyd McLung, Lius Palau, Tony Campolo, Melody Green, Brother Andrew, Bob Hitching und einige andere – stellte sich als große Attraktion heraus.“

Einige andere europäische Missionsorganisationen schlossen sich mit OM zusammen und nahmen an der Konferenz und den Einsätzen teil. Stuart fährt fort: „OM betete für 5000 Teilnehmer. Die Reaktion war größer, als wir erwartet hatten und bereits im Februar hatten sich fast 5000 angemeldet. Als die Zeit des Kongresses in Offenburg kam waren es 7000. Es lief sehr gut … aber hinter den Kulissen gab es große Herausforderungen.“

Mit 7000 Menschen aus 76 Nationen, die während einer Hitzewelle in einer kleinen deutschen Stadt zusammenkamen, war die Atmosphäre elektrisierend – ein Empfinden, dass Gott in Bewegung war. „Das Meer von Gesichtern und all die bewegten Leben zu sehen, war wirklich erhebend. „Aber,“, fügt Stuart hinzu, „jedes Teammitglied und jeder Leiter musste auf zusätzliche Ressourcen zurückgreifen. Nur durch schlaflose Nächte, viel Kreativität und Vergebung konnte das Ganze möglich werden.“

Die größten Gruppen kamen aus Großbritannien mit 1348 Teilnehmern, 948 aus den USA und Kanada, 588 aus Westdeutschland und 362 aus den Niederlanden. Überraschenderweise kamen aus Polen, der Tschechoslowakei, Jugoslawien und Ungarn 94 Osteuropäer zur Konferenz. 20 junge Männer und Frauen waren einzelne Botschafter aus Afrika, Asien, Südamerika und der Karibik.

Der Aufbruch
Der Aufbruch von 96 Reise- und Doppeldeckerbussen und einer Flotte von 204 Minibussen, die sich am 28. Juli nach ganz Europa aufmachten, war ein atemberaubender Anblick – 437 Love Europe Teams, die drei Hauptgruppen anpeilten: Muslime, Osteuropa und verschiedene Städte in Europa. Die Einsatzteams waren eine Mischung. Es gab kleinere Teams, aber auch einige mit bis zu hundert Teilnehmern, z. B. in Berlin, Barcelona, Krakau und vielen anderen Städten. In Bristol, Großbritannien, schlossen sich 435 junge Menschen aus 24 verschiedenen Ländern mit 37 Gemeinden von dort zusammen; mindestens 300 Menschen bekannten sich dort zu ihrem neugefundenen Glauben an Christus.

Ungefähr ein Drittel der Teilnehmer machte sich auf den Weg nach Osteuropa, um dort zu beten und das Evangelium überall, wo sie nur konnten, zu verkünden. Das Team von Katherine Porter ging in die Region um den Plattensee im noch immer kommunistischen Ungarn. „Die Geschichten über die Bibelschmuggler von OM haben uns gleichermaßen begeistert und verängstigt“, schrieb sie Jahre später. „Was würde an der Grenze geschehen?“ Sie waren 18 Teilnehmer im Team und sprachen nicht dieselbe Sprache. „Aber am deutlichsten erinnere ich mich an den Moment, als Bob Hitching sich während des Kongresses auf einen Stuhl stellte und eine unglaubliche Wahrheit verkündete: ‚Satan mag der Prinz von Ostdeutschland sein‘, er machte eine Pause und rief dann durch die ganze Halle: ‚Aber Jesus ist König!‘ Die riesige Menge antwortete mit einem allmächtigen Tosen, das noch heute mein Herz höherschlagen lässt.“

Die Zukunft, die Neunziger: Europa verändert sich
Wie prophetisch diese Worte tatsächlich waren, zeigte sich nur wenige Monate später, als die Berliner Mauer fiel und sich das Gesicht Europas für immer veränderte. Wenig später wurde die Welt Zeuge, wie sich der Kommunismus auflöste und die Grenzen sich öffneten.

Love Europe 1989 war wahrscheinlich der am breitesten angelegte evangelistische Einsatz in Europa, der jemals unternommen wurde. „Die Rückmeldung der anderen Organisationen war sehr positiv und wir spürten, dass wir mehr zusammen tun könnten. Von 1989-1995 behielten wir eine gemeinsame Richtung bei. Später konzentrierten sich alle wieder auf kleinere und unterschiedlichere Einsätze“, erinnert sich Stuart McAllister. „Love Europe hatte eine große Bedeutung für die Verschiebung der Grenzen innerhalb von OM und die Eröffnung neuer Möglichkeiten, so etwas zu tun. Fehler wurden gemacht, aber im Großen und Ganzen war das Ergebnis positiv. Gott ist gut!“

*Jeder Teilnehmer erhielt bei der Ankunft einen roten Becher.

Anne Marit Viljoen kommt aus Norwegen. Sie fing Anfang der 1980er-Jahre mit drei Sommereinsätzen in Frankreich an und arbeitete seither als Langzeitmitarbeiter in der Verwaltung, Gästebetreuung, Leitung und Kommunikation in Europa und in der Region Ostasien/Pazifik von OM. Sie und ihr Ehemann leben in Norwegen, momentan ist sie Teil des Kommunikationsteams von OM Europa.



27 Mit Bus, Fahrrad oder Boot: OMer machen das Neue Testament in Bangladesch zum Nr.1-Bestseller

Teambuilding„Wir haben ein drittes OM Schiff“, erzählte Andrew*, nachdem er zehn Tage lang auf dem Literaturschiff mitgearbeitet hatte. Andrew arbeitete in Bangladesch, seit OM im Jahr 1972 die Arbeit dort aufgenommen hatte. Auf den 5,6 Meter langen, gedeckten Fiberglasbooten von OM Bangladesch fanden fünf bis sechs Personen Platz. Unter dem hölzernen Deck wurden Vorräte, Kleider und viel christliche Literatur in bengalischer Sprache verstaut. Die Teams blieben meist auf den Flüssen und verteilten von dort aus Literatur, bis sie nach zwei Monaten für ein weiteres Studienseminar ins OM Zentrum zurückkehrten.

„Ingenieure des OM Schiffes Logos hatten dieses Unternehmen mit einem viel größeren Boot begonnen“, erinnert sich Andrew. „Da das Gesetz jedoch für diese Bootsgröße ausgebildete Matrosen vorschrieb und OM keine solchen hatte, wurde das erste Boot bald wieder verkauft.“ Die Logos besuchte Bangladesch mehrmals in den frühen Siebzigerjahren und OM begann die Arbeit offiziell nach der Unabhängigkeit des Landes 1972.

Die Bibel zugänglich machen
Bangladesch hat mehr als 700 Flüsse mit einer Totallänge von über 24 000 Kilometern. Tausende ländlicher Dörfer sind nur mit einem Boot erreichbar und unberührt. Ein Literaturboot wurde OMs kreative und praktische Antwort auf die Herausforderung, die Nachricht von Jesus zu sonst unerreichbaren Millionen zu bringen.

Die Teams verkauften christliche Literatur auf Märkten und an Haustüren. Es war wichtig, dass die Bücher einen, wenn auch nur kleinen, Geldwert hatten, da sie sonst geradewegs dem Altpapierhändler verkauft worden wären. „Einheimische Christen sagten, dass es nicht möglich sei, Bücher zu verkaufen“, erinnert sich Andrew. Trotzdem ging das erste bengalische Team in ein großes Einkaufszentrum in Dhaka. „Sie verkauften alles, was sie dabeihatten! Von da an reisten OM Teams mit Kleinbussen, Booten und Fahrrädern durchs ganze Land und verteilten große Mengen christlicher Literatur.“

Ein Bestseller
Hindus waren zu Beginn OMs Zielpublikum in Bangladesch. Aber dann, 1976, fanden zwei Muslime zum christlichen Glauben. Als viele Muslime eine Offenheit für die Gute Nachricht zeigten, änderte sich OMs Ausrichtung. Spezielle Einsatzteams begannen eine Massenverteilung von bengalischen Neuen Testamenten und christlicher Literatur an die muslimische Bevölkerungsmehrheit. Sie begegneten großem Interesse, merkten jedoch, dass sich nicht alle Bücher zum Verkauf eigneten: „Muslime wollten keine Bilder in ihren religiösen Büchern. Zudem gab es viele verschiedene bengalische Dialekte“, erinnert sich Andrew. OM passte die Literatur daraufhin den Umständen an und machte sie attraktiver. „Diese großflächigen Verteilaktionen, gefolgt von Bibelkorrespondenzkursen, öffneten die Herzen. Daraufhin begannen wir auch Gemeindebauteams auszusenden”, erklärt Andrew weiter.

Nachdem Bangladeschs Bibelgesellschaft 1980 das Neue Testament im lokalen muslimischen Dialekt publiziert hatte, begann OM eine großangelegte Verteil- und Verkaufsaktion. Bis 1987 verteilten fünf Einsatzteams ununterbrochen christliche Literatur und Neue Testamente. Insgesamt waren sie 15 Jahre lang mit Bus, Fahrrad und Boot unterwegs. Jedes Jahr legten sie ihren Schwerpunkt auf ein anderes Gebiet in Bangladesch.

„Wir waren motiviert, die Gute Nachricht denjenigen zu erzählen, die sie noch nie gehört hatten und in Gegenden wohnten, die als unerreicht galten“, erzählt Paul*, der in einem der ersten OM Einsatzteams mitarbeitete.

In 1988 stolperte das Team über einen Artikel in einer Kalkutta-Zeitung über Bestseller-Bücher. Damals nannte man ein Buch „Bestseller“, wenn es über 200 000 mal verkauft worden war. „Wir hatten das bengalische Neue Testament zu einem erste-Klasse-Bestseller gemacht, indem wir weit über 200 000 Exemplare verkauft hatten“, erzählt Paul.

„Es kam vor, dass Teams von feindlichen Gruppen bedroht wurden, aber meist waren die Leute begeistert und dankbar für ein Neues Testament oder sogar für eine ganze Bibel, die sie dann auch selber lasen“, erinnert sich Paul. „Oft nahmen die Religionsleiter ein Neues Testament, legten es auf ihren Kopf, küssten es aus Respekt und dankten uns dafür.“

Gott hielt seine schützende Hand über die OM Teams. „Während vielen Jahren reisten sie hunderttausende von Kilometern auf Straßen und Flüssen durchs ganze Land ohne je einen ernsten Unfall zu haben! Zweimal sank ein Boot, aber niemand wurde verletzt. Beide Male konnte das Boot an Land gezogen und repariert werden — und weiter ging die Arbeit“, erzählt Andrew.

OM Teams erlebten Gottes Versorgung in ihren unermüdlichen Einsätzen über viele Jahre hinweg und in den Gemeinden, die in ländlichen Dörfern gegründet wurden. Es wird berichtet, dass mehr als 100 000 Nachfolger von Jesus aus muslimischem Hintergrund stammen.

OM Bangladeschs Geschichte beeinflusst auch die heutige Arbeit und ist Teil der Vision, sich für dynamische Gemeinschaften von Jesus-Nachfolgern unter den am wenigsten Erreichten einzusetzen.

*Name geändert

Autor: OM Bangladesh Communications



26 Segen aus Verfolgung


Teambuilding„Diesen kostbaren Schatz tragen wir in uns, obwohl wir nur zerbrechliche Gefäße sind. So wird jeder erkennen, dass die außerordentliche Kraft, die in uns wirkt, von Gott kommt und nicht von uns selbst.“ – 2. Korinther 4,7 HFA

Gott nutzte die Schwäche von Julyan Lidstone, Tony Packer und Trevor*, um seine Stärke zu demonstrieren und seine Wahrheit in die am wenigsten erreichten Gebiete Osteuropas und des Nahen Ostens zu bringen. Trotz Verfolgung und Gefangenschaft hatte das göttliche Vorhaben Bestand und führte dazu, dass die Kirche weiterwuchs.

Unter Druck gesetzt, doch nicht zerbrochen
„Wir machen euch zu Staub!”, drohte der Polizeihauptmann dem OM Mitarbeiter Julyan und anderen gläubigen Mitgliedern einer Hausgemeinde in der Türkei. Julyan und seine Freunde wurden 1988 zweimal inhaftiert – um sie abzuschrecken, wurden sie mit Ermittlungen und Einschüchterungsversuchen konfrontiert.

„Das zweite Mal war noch unheimlicher”, erinnert sich Julyan an eine Woche in einem fensterlosen Keller zurück. „Es gab keine Ermittlungen, nur Drohungen, damit wir aufgeben würden.“ Die türkischen Männer, unter ihnen auch Ahmet*, der auf seiner Hochzeitsfeier verhaftet worden war, wurden drei Tage lang mit verbundenen Augen in Einzelhaft gehalten und geschlagen. Ähnlich erging es auch Leyla*: Die Polizisten verbanden ihr die Augen und sagten ihr, sie würde vor einem Schwimmbecken stehen. Leyla konnte nicht schwimmen und die Polizisten drohten ihr damit, sie ins Wasser zu werfen.

„Der größte Albtraum für Gläubige vor Ort war es, verhaftet zu werden”, erklärt Julyan, der 1980 nach Ankara zog, um dort eine Gemeinde zu gründen. Die Türkei war mit einer Bevölkerung von 50 Millionen Einwohnern und darunter nur 50 bekannten Christen der weltweit größte unerreichte Staat. „Gott ließ zu, dass der Albtraum wahr wurde“, fährt Julyan fort. „Doch obwohl es nicht einfach war, hat er sich als größer erwiesen.“

Ein Prozess gegen die Christen bestätigte im Endeffekt ihren gesetzlichen Anspruch auf Anbetung – ein Durchbruch, der sie stark ermutigte. Auf ähnliche Weise verhielt es sich mit anderen Problemen, die aufkamen und letztendlich in einem bedeutsamen Schritt vorwärts für die Christen endeten. „Auf uns hatte dies die große Wirkung, dass wir unsere Angst überwanden und Gott größeres Vertrauen schenkten“, betont Julyan.

Julyan erlebte, wie sich die Gemeinde in Ankara von drei auf 30 Mitglieder vergrößerte. Heute gibt es im ganzen Land etwa 7000 Gläubige, die sich überall in kleinen Versammlungen zusammenfinden.

„Das Wachstum der Gemeinde in der Türkei zu sehen hat meinen Glauben gestärkt”, sagt Julyan, der nun als Botschafter für die weltweite Arbeit von OM unter Muslimen arbeitet. „Gott tut wundervolle Dinge unter Muslimen. Wir leben in einer Zeit voller Möglichkeiten!“

Verfolgt, doch nicht verlassen
As er 1966 für das Schmuggeln von christlicher Literatur im kommunistischen Jugoslawien in eine Zelle geworfen wurde, schrie Tony zum Himmel: ‚Warum, Herr?‘ „Ein paar Stunden später leuchtete die Zelle auf“, erinnert sich Tony. „Ich spürte einen Arm um mich herum und wie Gott zu mir sagte: ‚Was auch immer sie dir antun, ich werde bei dir sein.‘“

Während einer zweimonatigen Haftstrafe erduldete Tony gemeinsam mit einem anderen OM Mitarbeiter Schläge, Hunger und Verhöre. Die Wachen warnten ihn: Wenn irgendjemand nach ihm suche, würden sie ihn an einen Ort bringen, an dem ihn niemals jemand finden könnte. „Ich schaue nun zurück und weiß, dass ich das nur durch die Stärke Gottes aushalten konnte“, bestätigt Tony.

Während ihrer Zeit im Gefängnis erzählten die jungen Engländer anderen Gefangenen auf Serbisch von Jesus, teilten auswendig gelernte Bibelstellen mit ihnen und beteten gemeinsam.

Vierzig Jahre noch Tonys Entlassung erhielt er einen Anruf von einem englischen Pastor, der gerade Gläubige in Albanien besuchte und ihm nun von Bojans* Zeugnis berichtete. Bojan hatte ihm erzählt, dass er durch zwei Männer aus dem Westen im Gefängnis von Titograd, Jugoslawien (heute: Podgorica, Montenegro) von Jesus Christus hörte. Nach seiner Entlassung begann Bojan zu Hause ein Bibelstudium. „Ich war ermutigt und erfreut“, staunt Tony. „Wenn du so etwas hörst, dann war das all die Schmerzen und das Leiden wert.“

Tony kehrte vor Kurzem in die ehemaligen jugoslawischen Republiken zurück. Seine Angst davor, wie er wohl auf Soldaten reagieren würde, zerstreuten sich schnell, als er Mirko* traf, einen Ex-Soldaten der sein Leben später Jesus übergeben hatte. „Wir brachen beide in Tränen aus und fielen uns in die Arme“, beschreibt Tony das Treffen. „Es ist die Liebe zu diesen Menschen, die mich wieder zurücktreibt.“

Noch immer vom Vorsatz getrieben, alles zu geben, um das Evangelium zu verkünden, predigt der frühere OM Mitarbeiter Tony nun in Kirchen und begleitet Teams, um die osteuropäischen und balkanischen Gemeinschaften zu erreichen. „Gott ist am Wirken!“, verkündet Tony. „Es spielt keine Rolle, was wir durchmachen. Gott hat seinen Plan.“

Getroffen, doch nicht am Boden
Der OM Mitarbeiter Trevor* schmuggelte von 1983 bis zur Öffnung des Landes Bibeln in das kommunistische Rumänien und versorgte so Marcel* und seine Frau Corina*, Kontakte vor Ort, mit Ressourcen. Marcel kam wiederholt für das Verteilen von Literatur ins Gefängnis.

Vor vierzehn Jahren besuchte Trevor Corina gemeinsam mit einem Übersetzer von OM Rumänien. Sie sprach über die Leiden ihres Mannes. „Er und andere Dissidenten arbeiteten in den Kornfeldern“, erzählte Corina Trevor. „Sie mussten das Unkraut jäten – mit ihren Zähnen.“ Brutal zugerichtet und ausgehungert wurde Marcel dem Tode nah ein weiteres Mal entlassen. „Er schaffte es bis zu unserem Haus und klingelte an der Tür“, teilte Corina mit. „Ich fand ihn zusammengebrochen. Ich dachte, er würde es nicht schaffen.“ Corina aber pflegte ihren Mann wieder gesund. „Als er wieder zu Kräften kam“, berichtet Trevor mit Tränen in den Augen, „… wollte er mehr Bibeln.“

Kein einziges Mal lehnte das Paar Literatur von den Bibel-Schmuggel-Teams von OM ab. „Trotz des Bestrebens, den Glauben in Rumänien auszurotten, fand Gott einen Weg, um sein Wort hineinzubringen“, sagt Trevor. Bereit, alles zu riskieren, hinterließen Marcel und Corina ein Vermächtnis, das zahlreiche Leben beeinflusste. Rumänien hat mittlerweile eine von Europas stärksten evangelikalen Kirchen. OM unterstützt sie weiterhin, damit sie anderen zu Hause und im Ausland von Jesus erzählen können.

„Wenn du in deinem Leben in andere Menschen investierst und Hoffnung weitergibst, dann wirst du eines Tages damit belohnt werden zu erleben, wie sich Leben durch das Evangelium verändern“, ermutigt Trevor. „Lasst uns unser Leben nutzen!“

*Name geändert

Inger R. liebt es, Menschen eine Stimme zu geben, indem sie ihre Geschichten erzählt. Sie schreibt für das EurAsia Support-Team (OM EAST). Sie kommt aus Schottland, ist Halb-Dänin und liebt Zeichnen und Schlagzeugspielen. Sie trinkt gerne kräftigen, britischen Tee, den sie manchmal verschüttet, weil sie so sehr lachen muss.



25 Schiffbruch – aber volle Fahrt voraus


TeambuildingAnfangs schien es eine Träumerei zu sein, aber bis 1988 hatte die Logos 408 Häfen in 108 Ländern besucht. OMs erstes Schiff hatte 6,5 Millionen Menschen an Bord willkommen geheißen und wurde vom Schwesterschiff Doulos unterstützt, was den Dienst noch weiter ausbreitete. Während die Doulos Asien besuchte, war die Logos zum ersten Mal auf Tour in Südamerika.

Neben der Arbeit an Bord in der Buchausstellung und bei evangelistischen Veranstaltungen gingen die Mitarbeiter auch an Land, um Gemeinden oder Hilfsprojekte zu unterstützen. Zwei Jahre auf begrenztem Raum zu leben und zu arbeiten. als Teil einer multikulturellen „Familie“, ließ die jungen Menschen reifen. Sie kamen mit einem weiteren Weltbild und inspirierenden Geschichten von Gottes Wirken von ihrer Reise zurück.

Die Schiffsarbeit wurde von wichtigen Partnern möglich gemacht, durch Gebet und praktische Unterstützung. Treue Einzelpersonen schickten finanzielle Unterstützung, Hafen- und andere Gebühren wurden aus Kulanz erlassen und Kirchgemeinden, die von der Schiffsarbeit berührt waren, sandten Spenden. Das Kielwasser von OMs Schiffsarbeit hatte weitreichende Auswirkungen. Diese Unterstützung erwies sich als Hauptstütze der Arbeit. Am 4. Januar 1988 lief die Logos auf einen unterirdischen Felsen im Beagle-Kanal zwischen Argentinien und Chile auf.

Dieser als gefährlich berüchtigte Kanal ist voller Hindernisse. Ein argentinischer Lotse sorgte für die nötige Ortskenntnis, als sich die Logos während eines Sturms dort durchschlängelte, aber er entschied sich, früher als vereinbart zu seinem eigenen Boot zurückzukehren. Das Umsteigen des Lotsen im Dunkeln über eine Strickleiter brauchte Zeit. Die Logos driftete vom Kurs ab und konnte den Felsen nicht mehr ausweichen.

Ein laut knirschendes Geräusch und ruckende Bewegungen weckten die Mitarbeiter. Es war Mitternacht. Im Speisesaal, wo alle zusammenkamen, wurde ihnen gesagt, nicht in Panik zu geraten. Sie beteten. Die acht Kinder durften wieder zurück ins Bett, warm angezogen, die Schwimmwesten griffbereit. Versuche, die Logos im Rückwärtsgang vom Felsen zu manövrieren blieben genauso erfolglos, wie der Versuch, durch das Abwerfen von Ballast das Schiff bei steigender Flut wieder flott zu machen.

Allmählich kam das Tageslicht – zweifellos ein Lebensretter. Aber die Logos neigte sich gefährlich nach Backbord. Auch als alle auf die Steuerbordseite geschickt wurden, konnte die Schlagseite dadurch nicht ausgeglichen werden. Der Schiffsrumpf wurde mit jeder Welle gegen den Felsen gehämmert und begann nachzugeben. Wasser drang in den Lagerraum für Bücher. Um fünf Uhr morgens gab Kapitän Jonathan Stewart (UK) den Befehl, das Schiff zu verlassen.

„Obwohl es beängstigend war, hatte ich doch Frieden“, sagte Kathy Coy (USA). „Ich weiß, dass es nur Gottes Gnade war, die uns ruhig machte.“ Zahlreiche Augenzeugenberichte bestätigen, dass sogar die Kinder, inklusive eines sechs Wochen alten Babys, nicht unruhig waren. Judith Fredricsen (Neuseeland) war in der Schiffsklinik, ein Bein im Gips. Sie erinnert sich, wie alle zusammenarbeiteten und sich umeinander kümmerten.

Im eiskalten Regen schlitterten sie die Decks entlang und kämpften mit den Rettungsbooten, die in riskantem Winkel hingen. Alles an Bord – nicht versicherte Ladung genauso wie persönliche Habe – wurde aufgegeben für das, was wirklich wichtig war. Innerhalb von 10 Minuten waren alle 141 Logos-Mitarbeiter von Bord und in weniger als einer halben Stunde waren alle sechs Rettungsboote zusammengeschlossen. Die Rettungsteams der chilenischen Marine nannten es ein Wunder, dass alle Seelen in Sicherheit waren. Ein junger Mann freute sich darüber, dass er keine einzige Mahlzeit verpasst hatte.

OMs Schiffskoordinator Dale Rhoton (USA) schrieb später: “Ein Gedanke half mir, in den schwierigen Tagen nach dem Schiffbruch vernünftig und ruhig zu bleiben: ‚Die Wertsachen sind in Sicherheit!‘ Nicht einer der 141 echten Wertsachen war auch nur leicht verletzt worden. Menschen, die Erfahrung mit Evakuierungen unter ähnlichen Bedingungen hatten, waren erstaunt. Wir beugen unsere Köpfe und beten an.”

Beim Blick zurück von den Rettungsbooten sah die staunende Logos-Familie einen Regenbogen direkt über dem Wrack stehen.

Ersatz eines Werkzeugs, nicht eines Dienstes
Nachrichten vom Verlust des Schiffes gingen in alle Welt und eine Welle der Unterstützung setzte ein. Schiffsmakler und Buchverleger schrieben voller Mitgefühl. Einzelpersonen, Gemeinden und Hilfsorganisationen boten an, was auch immer gebraucht wurde. In Punta Arenas (Chile), wo die Logos zwei Wochen zuvor den Menschen gedient hatte, verpflegten, kleideten und trösteten genau diese Menschen jetzt die Besatzung.

Es gab Geldspenden für die unmittelbaren Bedürfnisse und um die Kosten abzudecken, damit die Mitarbeiter nach Hause oder zu einem anderen OM Team fliegen konnten. Niemand rechnete damit, dass innerhalb von acht Wochen 1,4 Millionen Dollar zusammenkommen würden. Die internationalen Partner hatten offensichtlich die Absicht, dass es eine Logos II geben sollte.

Bei einer der ersten Spenden (13,17 Dollar) von jungen Geschwistern aus Georgia (USA) lag ein Brief dabei, in dem stand: „Das reicht wohl nicht für ein Schiff, aber es ist ein Anfang.“

An Bord des Krankenhaus-Schiffes Anastasis von Jugend mit einer Mission sammelten Freiwillige ein Solidaritätsopfer ein. Sie schickten ein Fax, ermutigt durch einen ähnlichen Schiffbruch in der Bibel, als der Apostel Paulus auf Grund lief: „Apostelgeschichte 27 – keine Todesopfer – zum Guten verwendet. Wir sind mit euch bis ans Ende in Jesu Namen.“

Japanische Christen spendeten 10 000 Dollar und begannen in Werften nach einem Ersatzschiff zu suchen. Brasilianer verkauften Schmuck und einen Kühlschrank und überwiesen den Erlös. Venezolaner spendeten Rinder für ein Fundraising-Grillfest.

Ein amerikanischer Pastor staunte: „Ich habe erlebt, wie Gottes Leute auf jedem Kontinent - vielleicht zum ersten Mal – gemeinsam eine für alle wichtige Sache möglich machen.“

Dale Rhoton schrieb an Unterstützer: „Unser letztes Video hatte den Titel ‚Logos – das sind Menschen‘. Daran glauben wir wirklich! Wir haben nicht einen Dienst verloren. Wir haben ein Werkzeug verloren. Menschen sind unersetzlich. Dienste werden uns von Gott gegeben. Werkzeuge sind dazu da, gebraucht und dann ersetzt zu werden… Wir verpflichten uns zu beten und zu arbeiten, um das Werkzeug zu ersetzen, das verloren wurde. Die Logos wurde nicht verloren, weil sie im Hafen vor sich hin rostete. Sie fiel im Kampf! Unser Plan: VOLLE KRAFT VORAUS!”

Die Zeit für ein geeigneteres Werkzeug wäre sowieso gekommen. Die Aktivitäten der Logos wuchsen allmählich über den verfügbaren Platz hinaus und auch eine Renovierung war nötig. Auch wenn das Jahr 1988 eine ernste Prüfung brachte, gebrauchte Gott es wirklich für etwas Gutes. OM sah, dass die Schiffsarbeit weltweit geschätzt wurde und konnte im Jahr danach ein besseres Schiff in Betrieb nehmen.

Bis heute dient die alte Logos den Seefahrern. Sie sitzt immer noch auf dem Felsen fest, fast am Ende der Erde, und dient als Warnsignal. Ihr Nachfolgeschiff wurde inzwischen verschrottet und ihr Schwesterschiff ist im Ruhestand, aber die Logos ist drei Jahrzehnte danach immer noch ein Zeuge auf See.

Julie Knox (UK) arbeitet als Journalistin für die OM Schiffsarbeit, seit sie aus einer Karriere als Rundfunkreporterin in diesen Dienst gerufen wurde. 2016 packte sie ihr Mikrofon und ihre kugelsichere Weste weg. Später stellte sie fest, dass ihre frühere Erfahrung als Reporterin auf Kriegsschiffen sich auch in ihrer Zeit als Journalistin auf der Logos Hope gebrauchen ließ. Heute arbeitet sie im Büro der Schiffsarbeit in Deutschland vom Land aus.



24 Missions- und Jüngerschaftstraining bei OM

TeambuildingVon Anfang an hat OM ein den Bedürfnissen angepasstes Training angeboten. Für junge OM Mitarbeiter begann der Weg in den Vollzeitdienst damit, dass sie Bücher lasen und sich Lehrkassetten anhörten. Für diejenigen, die bei den Sommereinsätzen – eine einwöchige Konferenz und drei Evangelisationswochen – mithalfen, war das Selbststudium obligatorisch. Für diejenige, die einem Jahresteam beitraten, wurde ein Training über zwei bis vier Wochen in verschiedenen Orten Europas angeboten. Diese Tage waren gefüllt mit Einheiten über Jüngerschaft, Leiterschaft, Teamarbeit, Bibelstudium und Gebet. Dabei arbeiteten die Teilnehmer in Kleingruppen miteinander, in denen sie auch ihre täglichen Hausarbeiten erledigten.

Heute rüstet OM die Neuankömmlinge immer noch mit der gleichen Zielsetzung aus, jedoch mit einem leicht abgeänderten Modell. Mit dem Wachstum der OM Teams wurde das Training weltweit erweitert, um die Bedürfnisse der einzelnen Regionen abzudecken.

Ende der 1980er-Jahre mussten einige Mitarbeiter aus Südafrika bereits kurz nach ihrer Aussendung wieder heimkehren, weil sie für die dortigen Herausforderungen zu wenig vorbereitet waren. Um das zu ändern, schlug der ehemalige OM Leiter von Südafrika, Francois Vosloo, eine sechsmonatige intensive Orientierung vor, um die Einheimischen vorzubereiten und auszurüsten, bevor sie zu den anderen OM Einsatzgebieten ausgesandt wurden.

Die Teilnehmer dieses Programmes sollten eine Einführung in Evangelisation erhalten, Praktisches für den Dienst und Führungsqualitäten erlernen und wie man in einer multikulturellen Gemeinschaft leben sowie erfolgreich als Mitglied eines Teams arbeiten kann.

Anfänglich wurde die Idee dieses Trainings – Missions Discipleship Training (MDT – Missions- und Jüngerschaftstraining) genannt – von der internationalen Leiterschaft nur mit Zurückhaltung angenommen. Allerdings waren die positiven Ergebnisse unverkennbar: Südafrikanische OM Mitarbeiter hatten, nachdem sie an MDT teilnahmen, innerhalb der internationalen Teams bald den Ruf, gut für den Dienst vorbereitet und wertvolle Teammitglieder zu sein. Nachdem man die enorme Auswirkung sehen konnte, begannen im Laufe der Zeit andere OM Länder ihre eigenen Leute nach Südafrika zu schicken, damit auch sie von dem Programm profitieren.

Etwas für die ganze Familie
Colin Phelps, der für das OM Training in Afrika zuständig war, kam 1988 zum MDT. Sechs Monate später fand er sich als veränderte Person wieder. Im Rückblick sagt er: „Ich kam als unentschlossener Nachfolger Jesu an. Ich wusste, dass er mich liebt, und ich war für die Möglichkeit offen, ihm dorthin zu folgen, wohin er mich leiten würde. Ich war mir nur nicht sicher, ob ich dem gewachsen war.”

Die Teilnahme an praktischen Einsätzen mit 26 weiteren Nachfolgern hat die Veränderung in seinem Leben bewirkt. Er ging auf das OM Schiff Doulos, wo er bereits nach einem Monat Teamleiter wurde.

Colin und seine Frau Grietjie, die auch am MDT teilnahm, sowie ihre Kinder schlossen sich für sechs Jahre dem MDT-Leitungsteam in Pretoria an. Nachdem sie die Auswirkung sahen, die MDT in ihrem eigenen Leben hatte, waren sie begeistert, als ihre Tochter Caroline auch an dem Programm teilnahm. „Was ich an meiner Zeit in MDT so schätze, ist die absolute Ehrlichkeit, die mir begegnete, und das persönliche Wachstum, das ich erlebte,” sagte Caroline Phelps.

Ausgerüstet, um einen von Gott erhaltenen Traum zu erfüllen
Seit sie mit 17 Jahren eine Nachfolgerin Jesu wurde, fühlte sich die südafrikanische OM Mitarbeiterin Eden dazu berufen, die Gute Botschaft dort zu verkünden, wo es besonders schwierig ist. Als ausgebildete Krankenschwester und Hebamme wollte sie ihre Fähigkeiten gerne auf der arabischen Halbinsel – eines der mit dem Evangelium am wenigsten erreichten Gebiete – einsetzen.

An der Universität hörte sie einen Redner von OM und beschloss, sich für MDT anzumelden. Zuerst betete sie darüber, nach Jordanien gehen zu können, doch es wurde nichts daraus. Dann begann sie, für die arabische Halbinsel zu beten, und bat Gott um eine Bestätigung. Innerhalb eines Tages erhielt sie drei E-Mails, die von dieser Region handelten, und in ihrer MDT-Klasse wurde auch darüber gesprochen. „Als ich anfing, darüber zu sprechen, merkte ich, dass viele von der MDT-Leitung Kontakte dorthin hatten, bzw. von Frauen wussten, die als Krankenschwestern auf der arabischen Halbinsel gearbeitet hatten”, meint sie.

Eden erhofft sich durch ihre Arbeit, anhaltende Beziehungen mit Frauen knüpfen zu können. „Wenn du das Herz der Frau berührst und sie dich in ihr Haus einlädt, kannst du die ganze Familie erreichen“, erklärt sie. „Gerne würde ich auf diese Art und Weise Beziehungen knüpfen und Leben verändern … und das langfristig.”

Die internationale Ausbreitung des Trainingsprogrammes
30 Jahre, nachdem MDT in Südafrika gestartet wurde, haben über 3000 Leute dieses Training absolviert. Mittlerweile übernehmen viele OM Länder in der ganzen Welt dieses Programm. Zusammen mit den Ausbildungsstätten in Sambia, Simbabwe, Deutschland, Irland und mit anderen Ländern, welche die Idee ihrer eigenen Region entsprechend umsetzen, arbeitet die nun globale Initiative an Richtlinien und an einem geltenden Ethos für das MDT-Programm, um die lebensverändernde Auswirkung beizubehalten, die diese Erfahrung für viele Menschen hatte.

Deborah Ngobeni aus Südafrika hat ein Diplom in Medienstudien und Journalismus. Sie hat eine Leidenschaft für Kommunikation und arbeitet seit über sechs Jahren mit OM – momentan in der Öffentlichkeitsarbeit von OM in Südafrika. Die 27-Jährige spricht fünf Sprachen.



23 Ein Traum wächst – die Geschichte der algerischen Gemeinde

TeambuildingAls der heutige Leiter von OM Algerien Youssef mit seiner Frau Hie-Tee 1988 in sein Heimatland Algerien zurückzog, um dort eine OM Arbeit aufzubauen, war die Erweckung unter den Kabylen im nördlichen Teil seines Landes schon voll im Gang. „Im Juli 1981 begann die junge kabylische Gemeinde – sie hatte gerade mal 40–50 Mitglieder – ein Zweijahresprogramm mit Fasten und Beten. Während dieser Zeit lernten sie auch 365 Verse, die mit Angst zu tun hatten, auswendig. Eine neue Radiostation begann, Predigten und Lektionen in die Kabylei zu senden. Gleichzeitig startete eine Gemeinde in Ouadiha, geleitet von einem algerisch-schweizerischen Ehepaar, eine grossflächige Literaturverteilung in den Dörfern. Sie zeigten auch den Jesus-Film in lokalen Cafés.

Ausgelöst durch verschiedene Zeichen und Wunder, gestärkt durch Fasten und Gebet, wuchs unter den Kabylen schnell ein kindlicher Glaube. Da Algerien zu Beginn der Erweckung für Ausländer praktisch geschlossen war, vertraute die junge Gemeinde auf Gott allein. Angst war den Kabylen nahezu unbekannt, sie waren sehr mutig. Dies führte zu einer rapiden Zunahme der Erweckung. „Sie lebten ihren Glauben offen“, sagt Youssef. „Auch die weltweiten Gebete halfen enorm!“

1962/63 verteilte eine Gruppe in Nordafrika und in der Levante (Naher Osten) Handzettel, die für den North African Missions (NAM) Bibelfernkurs warben. Daraufhin landeten täglich Hunderte von Anfragen im NAM-Postfach in Tunis. Dies führte dazu, dass NAM aus Nordafrika ausgewiesen wurde. Danach etablierte sich NAM in Südeuropa, wo sie bis zum heutigen Tag die Radio School of the Bible betreibt. „Dabei realisierten die Langzeit-Mitarbeitenden, wie wichtig die Medien geworden waren, und dass Tausende mehr über das Buch der Christen wissen wollten“, erklärte ein Langzeit-OMer.

In den späten Siebzigern fuhren zwei Teams mit Lastwagen von Südspanien via Marokko und Algerien nach Mali. Später reisten zwei OMer mit dem Bus durch Algerien und besuchten die erste Langzeit-Mitarbeiterin – eine Frau, die als Volontärin in der Buchhandlung der Bibelgesellschaft arbeitete.

In ihren ersten Jahren im Land konzentrierten sich Youssef und Hie-Tee auf Pionierarbeit und darauf, der Gemeinde in Oran zu helfen. Christen aus der Kabylen-Region waren oft in ihrem Haus zu Besuch. Sie waren begeistert von allem, was Gott dort tat, sahen aber auch, was alles noch nötig war. 1996 gründeten sie das House of Hope als Grundstein für die zukünftige Arbeit. Zu Beginn vier und bald mehr kabylische Christen wurden für die Mitarbeit im OM Team gewonnen. Zuerst halfen sie in Sommerlagern mit, später in der Timothy School, einem Trainingsprogramm für algerische Christen.

Jedes Jahr reisen etwa 10–12 Lehrer nach Algerien, um an der Timothy School zu unterrichten. Viele kommen aus OM Kreisen, andere aus theologischen Schulen aus der ganzen Welt. „Diese Lehrer hatten einen riesigen Einfluss auf das Leben unzähliger Algerier“, sagt Youssef. „Es war ein grosses Geschenk, welches die algerische Kirche dadurch von OM erhielt.“

„An der Timothy School erfahren die Studierenden Heilung und lernen biblische Grundsätze, die ihren Glauben und ihren Eifer stärken“, erzählt Youssef weiter. Oft erhalten sie auch Visionen für ihren zukünftigen Dienst.

Mustapha, einer der Absolventen der Timothy School, erzählte Youssef von seinem Traum, in seinem Heimatdorf eine Gemeinde zu gründen. Ausgerüstet mit Wissen und mit einer kleinen finanziellen Unterstützung kehrte Mustapha nach Hause zurück und begann, Gottesdienste zu halten. Heute trägt ein Team von Christen die Verantwortung für diese Gemeinde und zusätzlich für eine Schule.

Anfang der 2000er Jahre nahmen Mouloud und Ali an einem Sommerlager teil. Dort erhielten sie die Vision, eine Gemeinde zu gründen. Da ihnen kein Gebäude zur Verfügung stand, begannen sie sich im Wald zum Gottesdienst zu treffen. Heute besitzt ihre Gemeinde Land und ein Gebäude, in dem sie sich wöchentlich treffen. Mindestens 25 Leute wurden durch die Timothy School oder ein Sommerlager inspiriert, in der Kabylei eine Arbeit zur Verkündigung der Guten Nachricht zu beginnen. Youssef kommentiert: „Es ist wunderbar, was Gott getan hat!“

Das House of Refuge (Schutzhaus) wurde 2009 eröffnet, um verfolgte algerische Christen aufzunehmen. Schon mehr als 400 Leute fanden hier Aufnahme, die meisten für nur eine bis zwei Wochen. Eine Frau blieb acht Jahre, zurzeit arbeitet sie für ein Wachtelzucht-Projekt.

Heute ist die algerische Kirche sichtbar und lebensfähig. Am 17. Juli 2011 wurde sie von der algerischen Regierung offiziell anerkannt. Gegenwärtig gehören 80 Leute zum OM Team. Sie arbeiten an der Timothy School, machen Nacharbeit im Gemeindebau, arbeiten mit Medien und im House of Refuge sowie im erst kürzlich aufgebauten A4M (Algerier für Mission) Programm. „Unsere Vision geht jetzt über die algerische Grenze hinaus“, sagt Youssef. „Darum begannen wir A4M. Wir haben die Vision, bis 2025 1000 Mitarbeitende in Algerien und in anderen Ländern einzusetzen. Ich glaube, dass wir hier ein riesiges Potential haben, um andere Nationen zu segnen.“

Im Juli 2016 begleiteten Youssef und Hie-Tee ein Team von vier Algeriern nach Malaysia, um dort 500 Evangelien, Neue Testamente und Jesus-Filme zu verteilen. Sie erlebten, dass viele Menschen die Gute Nachricht annahmen. „Unter den Flüchtlingen und unter den Arabern, speziell den Syrern, den Irakern und den Omanis besteht zurzeit eine grosse Offenheit“, sagt Youssef. Während ihres Aufenthalts organisierten sie in der malaysischen Kirche ein Komitee, das in Zukunft algerische Mitarbeitende aufnehmen wird. „Wir glauben, dass Malaysia ein erster Schritt ist. Gerne würden wir noch weitergehen“, sagt er. „Gott vergrössert unseren Traum.“

Nicole James ist Journalistin, ESL-Lehrerin und Abenteurerin. Sie schreibt für OM MENA (Middle East/North Africa) über Gottes Wirken unter den Nationen und liebt es, den Menschen von all seinen wundervollen, grossen Taten zu erzählen.



22 Auf diesem Felsen (oder an diesem Kai) sind Gemeinden gegründet

TeambuildingDie Zusammenarbeit mit einer christlichen Gemeinschaft „vor Ort“ ist der Schlüssel zum Erfolg, wenn es darum geht, einen Einsatz zu planen oder die Region zu verstehen. Das Ziel von OM Schiffe war es immer, Gemeinschaften vor Ort zu ermutigen und auszurüsten – diese empfangen durch einen Schiffsbesuch oft neue Gläubige, die sie zu Nachfolgern Jesu machen können, oder sie erleben, wie der Glaube von bereits vorhandenen Mitgliedern gestärkt wird.

Aber oft gab es keine etablierten Gemeinden vor Ort, die die neu begonnene Arbeit weiterführen konnten. An manchen Orten gründeten neue Christen ihre eigene Gemeinde, an anderen Orten fühlten sich Gläubige dazu berufen, weitere Kirchen zu gründen – entweder in ihrer eigenen Gegend, oder aber in Gebieten, die weiter entfernt waren.

Eines ist jedoch sicher: Der Heilige Geist nutzte die sich allmählich ausbreitende Wirkung der Schiffsbesuche in der ganzen Welt. Heute gibt es unzählige ermutigende Geschichten über christlichen Gemeinschaften, die infolge eines Schiffsbesuches entstanden sind.

Ein Besuch der Logos in Indien im Jahr 1979 führte zu der Gründung einer neuen Gemeinde, die sogar nach dem Schiff benannt wurde. Der Hafen von Visakhapatnam und die umliegenden Gebiete durften erleben, wie durch den Impuls der Logos und der Doulos mehr als 50 Gemeinden in den 1980er Jahren entstanden.

Nordöstlich von Visakhapatnam kam das Evangelium mit Daniel Chae (Südkorea), Direktor des evangelistischen Bereichs der Doulos, in das Armenviertel Arilovas. Im Januar 1988 half er bei der Entstehung der Emmanuel-Kirche mit, die sich in einem Zelt triftt. 14 Jahre später unternahm er eine Rückreise zu diesem Ort und traf den Bruder in Christus wieder, der den Dienst übernommen hatte.

„Wie ich mich danach gesehnt hatte, Pastor Vincent Edwin wiederzusehen!”, erinnert sich Daniel. „Als wir uns am Flughafen umarmten, hatten wir Tränen in den Augen. Vincent gab damals seinen gut bezahlten Job in der Hafenbehörde auf, um den evangelistischen Dienst fortzuführen, den wir begonnen hatten. Unter seiner exzellenten Leitung in Arilova wurden noch viele weitere Gemeinden gegründet. Ich hörte, dass es nun 3000 Gläubige und 65 Gemeinden in einer Stadt von 10000 Menschen gibt – und alle leben in fröhlich und in Einheit, trotz ihrer extremen Armut.“

Ein Pastor in Südkorea wurde dazu bewegt einen Missionsausschuss zu gründen, um die Arbeit in der Provinz Visakhapatnam zu unterstützen. Die Gloria Emmanuel Mission hat so durch Gebet und Praxis die Gründung vieler Kirchen ermöglicht und die Kinder von Pastoren durch Stipendien unterstützt.

Während seiner Reise im Jahr 2002 besuchte Daniel Chae auch Galle in Sri Lanka, wo er mit der Logos gewesen war. Er hatte die Möglichkeit mit denen in Verbindung zu treten, die er Jahre zuvor auf einem Leitungskurs trainiert hatte und die nun selbst Vollzeit in christlichen Diensten arbeiteten.

„Wir besuchten Außenstellen von Gemeinden in Dörfern, in denen ich vor 20 Jahren Einsatzteams geleitet hatte. Was für eine Freude war es für mich, in Gemeinden zu predigen, die kurz nach dem Verlassen des Schiffes mit ihrer Arbeit begonnen hatten.“

Daniel dankt Gott für mehr als 30 Gemeinden, die unter der Leitung der Smyrna Church in der Stadt und im Hügelland entstanden sind. „Wir taten nur kleine Dinge, doch der Herr tat große Dinge durch die treuen Brüder und Schwestern in diesen Ländern“, berichtet er.

In Westafrika beobachteten die Crewmitglieder der Doulos, wie sich 1986 innerhalb eines Monats in einem verarmten Fischerdorf in Togo eine kleine Zusammenkunft bildete. Nachdem die Schiffsbesatzung zwei Fischer zu Christus geführt hatte, begrüßte das Schiff sie täglich zu Bibelarbeiten. Die Fischer gründeten eine Gebetsgruppe und führten Einsätze für ihre Nachbarn durch. Bevor das Schiff die Region verließ, wurden vier neue Gläubige getauft. Die Männer versuchten sich von ihren neuen Freunden zu verabschieden und gaben ihr Vorhaben trotz Hindernissen nicht auf: Als die Hafenwächter ihnen den Zutritt zum Schiff verwehrten, paddelten die Fischer in Kanus neben der Doulos her, um der Schiffsbesatzung zum Abschied zuzuwinken!

OM Schiffe durfte nicht nur die Entstehung von Gemeinden, sondern auch von Stiftungen und anderen christlichen Initiativen erleben, als Menschen dem Ruf Gottes folgten. 2004 half ein Team der Doulos in einem Heim für verstoßene Kinder in Tirana, Albanien. Der Gründer dieses Heims war vor 20 Jahren selbst auf einem Treffen an Bord der Doulos in Grangemouth, Schottland, dazu herausgefordert worden, etwas für den Herrn zu tun.

Die Schiffe waren außerdem eine große Hilfe, wenn es darum ging, Gläubige zusammenzubringen. Als die Logos II 2007 in Montenegro war wusste man in Kotor, einer Stadt von 25 000 Einwohnern, nur von zwei Christen. Innerhalb von zwei Wochen hatte die Crew weitere Christen entdeckt, die nichts von anderen lokalen Gläubigen wussten und in geistlicher Isolation lebten. Die Logos II brachte neun Christen zusammen und zeigte ihnen, wie sie eine Gemeinde gründen konnten.

Nicht alle, die zum Handeln angespornt wurden, nachdem sie in Kontakt mit OM Schiffen kamen, waren externe Gruppen oder Personen. Hunderte OM Mitarbeiter fanden heraus, dass ihre Zeit an Bord eine fundamentale Vorbereitung für die Lebensaufgabe war, die Gott für sie in seinem Dienst vorgesehen hatte.

Das volle Ausmaß kann jedoch nicht genau bestimmt werden – erst vor Kurzem wurden die Schiffsbesatzung der Logos Hope von einem christlichen Leiter aus Nigeria daran erinnert. Er hatte sich freiwillig an Bord gemeldet, als die Logos 1977 in seinem Heimatland zu Besuch war und zur Hilfe aufgerufen hatte. Pastor Ezekiel Odeyemi unternahm mit einem finanziellen Geschenk für die Schiffsmission eine spezielle Reise durch Kamerun, die ihn dazu inspirierte seine eigene Bibliothek aufzubauen und sein Wissen über Gott zu vertiefen. Er setzte seine Arbeit fort und gründete eine Gemeindebewegung, die sich auf sieben Länder ausweitete. Pastor Ezekiel sprach aus seiner eigenen Erfahrung und ermutigte die gegenwärtige Besatzung der Logos Hope: Obwohl sie nicht in der Lage sein mögen, die Früchte ihrer Arbeit für den Herrn direkt zu sehen, so würde diese doch eine langfristige Auswirkung auf das Königreich haben.

Nur der Himmel kennt die genauen Zahlen.

„Es gibt aber noch vieles anderes, was Jesus getan hat. Wenn man alles aufschreiben wollte, so könnte, wie ich glaube, die ganze Welt die Bücher nicht fassen, die man schreiben müsste.“ – Johannes 21,2

Julie Knox aus Großbritannien wurde aus dem Rundfunkjournalismus in die Mission berufen und schreibt nun für OM Schiffe. Als sie 2016 ihr Mikrofon und ihre Schutzweste an den Nagel hängte stellte sie fest, dass ihre Berufserfahrung, die sie als Berichterstatterin auf Kriegsschiffen gesammelt hatte, als Journalistin für die Logos Hope auf See von Wert sein könnte. Julie lebt mittlerweile auf dem Festland und arbeitet vom Büro von OM Schiffe in Deutschland aus.



21 Für jeden etwas

Teambuilding„Es fing alles im Sommer 1981 an“, berichtet Béatrice aus der Bretagne, einer Gegend in Frankreich mit nur wenigen Bibel-gläubigen Christen. „Zwei Mädchen mit blonden Haaren, vielleicht aus Schweden, klopften an unsere Tür. Meine Mutter öffnete und diese beiden sehr jungen Mädchen erklärten in gebrochenem Französisch, dass sie ihre Ferien in Frankreich verbrachten, um christliche Literatur zu verteilen, die die Gute Nachricht von Jesus Christus erklärte.“

Ihre Mutter gab ihnen etwas Geld, nahm das Buch „Ein Weg: Jesus“ und legte es auf den Tisch. „Meine Mutter las das Buch nie, aber ich“, berichtet Béatrice, „und die Gründe dafür zu entdecken, wer Jesus Christus wirklich ist, brachten mich im Alter von 17 Jahren dazu, Christen zu finden, die mir halfen Jesus als meinen Herrn und Retter zu bekennen.“

Die sechsjährige (1981-1986) Kampagne „ESPOIR pour les années 80“ (Hoffnung für die 80er) war eine der größten Literaturverteilkampagnen von OM. Ganz Frankreich – über 35 000 Städte und Dörfer – wurden mit christlichen Flyern und Literatur eingedeckt. Ganz Frankreich brauchte das Evangelium, aber die örtlichen Kirchgemeinden waren nicht in der Lage, jede Stadt und besonders abgelegene Dörfer zu erreichen. OM Teams waren die Antwort, um dieses Ziel zu erreichen. „Wenigstens für jeden etwas“ war das Motto.

Flyer in jedem Briefkasten
Im Juni, Juli und August wurden bis zu 700 junge Menschen in ein bestimmtes Gebiet ausgesandt, um in jeden Briefkasten einen Flyer zu verteilen. Wenn möglich verkauften sie Bibeln und christliche Bücher und berichteten von ihren persönlichen Glaubenserlebnissen. Französisch-Sprecher waren in Gemeindeteam und arbeiteten mehr mit den örtlichen Kirchgemeinden mit, während die Verteil-Teams sich auf die Verbreitung von Flyern in Dörfern konzentrierten. Pionier-Teams arbeiteten in Gegenden, wo es keine Kirchgemeinde vor Ort gab, dabei vertrauten sie darauf, dass Gott sie täglich mit dem Nötigen versorgen würde.

Von September bis Weihnachten besuchte Einsatzleiter Chris Short die meisten evangelikalen Gemeinden aus der Gegend, wo sie im nächsten Sommer evangelisieren wollten. Er stellte OMs Grundüberzeugungen vor und erklärte den geplanten Einsatz. Von Februar bis Mai besuchte er jedes Wochenende Gemeinden um zu ermutigen und zu schulen. Dadurch gewann er ein gutes Verständnis für das geistliche Klima im Land.

Viele Teams hatten keine Unterkunft, einfach, weil es nirgends eine evangelikale Gemeinde gab. Ein Teammitglied berichtet, wie sein „Christentum bis ans Äußerste beansprucht wurde“. Wo es Gemeinden gab, erlebten die Teams ein überwältigendes Willkommen, manche hatten sogar vor der Ankunft der Teams eine Reihe Gebetstreffen organisiert.

Teammitglied Allister Fugill (UK) sagte von seinem ersten Sonntag in Riom: „Eine alte Dame dankte Gott für unsere Ankunft, dann brach sie weinend zusammen, weil der Herr endlich Leute in ihre Stadt geschickt hatte, die Zeit hatten, alle zu erreichen.“ Er fuhr fort: „Das hatte zweifelsohne eine Auswirkung auf unser Team. Davor hatten viele gedacht: was habe ich von diesem Einsatz? Jetzt hieß es: Wann und wie wird mich der Herr gebrauchen, um ein Segen für die Menschen an diesem Ort zu sein, die schon so lange gebetet haben?“

Fast schon unheimlich
In einigen kleinen Ortschaften drückten die Menschen ihren Widerstand dadurch aus, dass sie die verteilte Literatur zerrissen. An anderen Stellen schienen sie extrem offen zu sein. Trotz Schwierigkeiten sprechen die Teamberichte von Entscheidungen für Christus. Jean-Claude Tremblay aus Québec in Kanada sagte, dass es sein größter Segen in diesem Sommer war, zu sehen „wie Gott uns zu Menschen führte, die er schon vorbereitet hatte. Manchmal war es fast schon unheimlich.“

Das Team in Saint-Junien berichtet von einem Freitagabend, als sie wenig Geld, Lebensmittel und Benzin hatten und es darum einen Notfall-Gebetsabend gab. Am nächsten Morgen entdeckten sie auf ihrer Treppe voller Ehrfurcht und Staunen eine Tasche mit Eiern und Kuchen sowie einem Geldgeschenk.

Eine Frau aus Lure war so von der erhaltenen Literatur beeindruckt, dass sie um zehn weitere Pakete für ihre ganze Familie bat. Eine andere Frau, die in der gleichen Straße wie die evangelikale Gemeinde von Lons-le-Saunier wohnte, erhielt vom Juli-Team einen Flyer. Als das August-Team ankam, hatte sie Jesus bereits als Retter angenommen und gehörte zu dieser Gemeinde.

Fahrzeuge in Not
Gebet und einige reisende Mechaniker sorgten dafür, dass die Teams und ihre Fahrzeuge mobil blieben. Ihre Besuche waren eine große Ermutigung und brachten auch Neuigkeiten von anderen Teams. Mechaniker Conrad Wiebe reiste in einem Sommer über 15 000 km und kümmerte sich um Autos in Not. Fünfzig Fahrzeuge waren im Juli und dann wieder im August unterwegs.

Im Abschlussbericht für Hoffnung für die 80er fasst Chris Short es im Herbst 1986 so zusammen: „Sechs Sommer sind vorbei. Von einigen abgelegenen Gegenden abgesehen wurden alle 35 000 Städte und Dörfer in Frankreich besucht. 85 000 Bücher und Bibelteile wurden verteilt und können jetzt selbst in den entferntesten Ortschaften gefunden werden. 15 000 Menschen haben schriftlich um einen Bibelkorrespondenzkurs oder andere Information gebeten. Etliche haben Jesus als ihren Retter angenommen und gehören nun zu Kirchgemeinden vor Ort. Während der Hoffnung für die 80er-Einsätze haben wir mit etwa 450 freikirchlichen Gemeinden zusammengearbeitet. Hinter jedem Sommereinsatz stehen Tausende, die gebetet und gegeben haben, damit das alles passieren konnte.“

Viele Jahre später (2016) schrieb der ehemalige Leiter von OM Frankreich Chris Lorimer: „Wir haben im Lauf der Jahre viele evangelikaler Pastoren oder Gemeindeleiter getroffen, die an den OM Einsätze beteiligt waren und die ihre Entscheidung für den vollzeitlichen Dienst auf solche Erlebnisse wie Hoffnung für die 80er zurückführen.“

Anne Marit Viljoen kommt aus Norwegen. Sie fing Anfang der 80er Jahre mit drei Sommereinsätzen in Frankreich an und ist seither als Langzeitmitarbeiter in der Verwaltung, Gästebetreuung, Leitung und Kommunikation in Europa und in der Region Ostasien/Pazifik. Sie und ihr Ehemann leben in Norwegen, momentan ist sie Teil des Kommunikationsteams von OM Europa.



20 Gott hat Albanien lieb

TeambuildingGott hat Albanien lieb“. Die holländisch angehauchten Obertöne von Bruder Andrew klangen durch das Stadion in Tirana; die meisten von uns weinten, als Tausende Albaner seinen Worten mit einem gewaltigen, emotionsgeladenen Schrei antworteten.

Über 45 Jahre war Albanien eins der verschlossensten – und ärmsten – Länder Europas gewesen. Christen beteten um Möglichkeiten, das Evangelium hineinzubringen, aber die Türen blieben hartnäckig geschlossen. Eins der kreativen Projekte von OM bestand darin, Päckchen mit Traktaten auf dem Wasser nach Albanien hineintreiben zu lassen, während ein OM Schiff an der Küste entlangfuhr. Später entdeckten wir einige dieser Traktate im Museum für Atheismus und Religion in Tirana – als Beispiel für die Bemühungen westlicher imperialistischer Regierungen, die Albaner zu verderben.

Aber an jenem Tag im Juni 1991 hörten wir, ein kleines OM Team, wie Bruder Andrew, zum ersten Mal seit Generationen, öffentlich das Evangelium verkündete. Die Reaktion war unglaublich: Die ganze folgende Woche war unser Team von Albanern voller Fragen umringt: „Hat Gott wirklich Albanien lieb? Denkt Gott an Albanien? Hat Gott uns wirklich lieb?“ Es war eine echte Verwandlung: Am Ende der Woche, am 7. Juli, wurden 43 Albaner im Tiranasee getauft. Was ein See im Herzen eines Landes, eingetaucht in Kommunismus und Atheismus, gewesen war, wurde zum Geburtstort der heutigen albanischen Gemeinde. Männer und Frauen erhoben sich aus dem Taufgewässer, erfüllt vom Vertrauen auf Christus – aber sonst hatten sie wenig. Keine Kirchengebäude warteten auf ihre Gottesdienste, es gab keine Lieder in der modernen albanischen Sprache, nur wenige Bibeln waren vorhanden. Aber ein neues Zeitalter zog herauf, voller Verheißung und Vorfreude.

Als Erste vor Ort
Letztes Jahr feierte OM das 25-jährige Bestehen der Jüngergemeinde in Durres, eine der vielen Gemeinden, die in den ersten Jahren der Öffnung entstanden. Ein südafrikanischer OM Mitarbeiter, Pranesh Anandlal, war der Teamleiter und der erste Pastor dieser Gemeinde.

„Unser fünf Personen starkes Team kam zum ersten Mal im November 1991 ins Land. Unsere gespannte Erwartung wandelte sich schnell in entsetztes Schweigen: Die extreme Armut war unglaublich. Damals hatte Durres 60 000 Einwohner, und in der ganzen Stadt gab es nur acht Autos. Die Menschen besaßen nichts. Es gab so wenig zu essen. Wir waren die erste Gruppe Ausländer, die nach Durres kam und dort lebte, und sie wussten nicht, wie sie uns begegnen sollten.“

Das Team begann mit drei Zielen: die Sprache lernen, Bibel-Studiengruppen gründen und sich mit der Kultur vertraut machen. Innerhalb der ersten vier Wochen hatte das Team vier oder fünf Personen zum Herrn geführt, sagt Pranesh. Also luden sie am 25. Dezember alle, die sie kannten, zum ersten Weihnachtstreffen in Durres ein.

„Wir konnten nur wenig Albanisch, daher gebrauchten wir einen Dolmetscher“, erinnert sich Pranesh. „Es waren etwa 50 Personen da. Ich eröffnete das Treffen mit Gebet. Als ich halb durch war, stieß mich der Dolmetscher an: ‚Ich denke, du solltest zuerst erklären, mit wem du da sprichst. Diese Leute verstehen nichts von Gott.’ Damals hatten die Albaner buchstäblich keine Ahnung von Gott.“

Während dieses ersten Treffens hörte ein Mädchen, Oneida, das Singen auf Englisch, kam herein und setzte sich hinten hin. Am Schluss überreichte das Team jedem ein Geschenk – den einzigen Bibelteil in modernem Albanisch, das Johannes-Evangelium. Oneida nahm es, ging nach Hause und las es. Später traf sie auf Anthea, ein Teammitglied; sie hatte Fragen zu dem, was sie gelesen hatte. „Wie kann Gott mein Vater sein? Mein Vater ist tot.“ Anthea erklärte ihr, was es mit dem himmlischen Vater auf sich hat, und führte sie zum Herrn. Seit der Zeit trafen sich das Team und die neuen Gläubigen immer sonntags, und die Gemeinde wuchs in drei Jahren von fünf Gläubigen auf 150. „Die Gemeinde ist bis heute sehr lebendig“, bestätigt Pranesh.

Lobt Gott für Albanien! Singt Gottes Lobpreis für Albanien
Im Frühling 1992 wurden Pranesh und das Team zu einer albanischen Hochzeit eingeladen. „Die Braut wünschte, dass die Ausländer bei ihrer Feier dabei sein sollten, und wir nahmen unsere Gitarre mit, falls man uns bitten sollte zu singen.“ Das taten sie dann auch; hinterher weinte die Brautmutter und erklärte: „Als ich ein junges Mädchen war, hatte ich eine Vision oder einen Traum, dass eines Tages eine Gruppe Ausländer kommen und Gottes Lobpreis für Albanien singen würde“, berichtet Pranesh. „Wir führten sie zum Herrn, zusammen mit ihrem Ehemann.“ Inzwischen ist sie zum Herrn gegangen, aber ihr Mann ist immer noch Diakon in der albanischen Gemeinde.

„Gott hat uns ein einzigartiges Fenster der Möglichkeiten in Albanien gegeben. Es dauerte etwa fünf Jahre, bis sich die Dinge veränderten“, fährt Pranesh fort. „Wenn wir nicht davon Gebrauch gemacht hätten, hätten wir es verpasst. Aber weil OM kreativ war, flexibel und bereit, hat Gott uns gebraucht. Wir waren zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort. Es gab keinen festen Plan, wie Albanien zu erreichen war, aber die Gemeinden, die wir gegründet haben, blühen immer noch. Sind wir ebenso bereit, uns heute von Gott gebrauchen zu lassen?“

Katherine und ihr Mann Lloyd haben 26 Jahre bei OM gearbeitet. Sechs Jahre lang halfen sie, Teams in Osteuropa aufzubauen, nachdem ihnen der Zusammenbruch des Kommunismus den Weg für elf Jahre als Feldleiter in Russland öffnete. 2007 zogen sie und ihre beiden Töchter nach West-Australien, wo sie Menschen zum Dienst in der OM Welt mobilisieren und aussenden. Zurzeit ist Katherine Direktorin von OM für den Bereich globale Organisationsentwicklung.



19 Eine Generation pflanzt Bäume, die nächste genießt den Schatten

TeambuildingVor 35 Jahren legte das OM Schiff MV Logos im Herzen der Stadt Schanghai in China an. OM Gründer George Verwer nannte es „einen der historisch wichtigsten Momente in der Geschichte von OM“. David Adeney, ein Veteran der China-Mission, weilte während des ganzen Besuchs auf dem Schiff. Er kommentierte, dass dies für die chinesische Kirche vermutlich der erste Kontakt mit der internationalen Kirche seit über 30 Jahren gewesen sei.

Als die Idee eines Chinabesuches aufgeworfen wurde, begannen die Leiter und die Mannschaft dafür zu beten. In Erkundungsreisen wurde die Möglichkeit eines Besuches evaluiert. Zwei leitende Mitarbeiter des Vorbereitungsteams trafen sich in Peking mit einem Vizeminister der chinesischen Regierung. Nachdem Tee serviert worden war, fragte der Minister halblaut, was eigentlich der Zweck des vorgeschlagenen Logos-Besuches sei. Ganz speziell interessierten ihn der „einfache Lebensstil“ und die Tonnen von Büchern, speziell erwähnte er die Bibel. Er informierte die OM Mitarbeiter, dass seine Regierung eine offenere Haltung gegenüber der christlichen Gemeinde ausarbeite und dass sie nun zu der Kategorie der „Minoritäten-Gruppen“ gezählt würden.

Endlich, im April 1981, fast 30 Jahre nachdem westliche Missionare das Land verlassen mussten, verbrachte die Logos zwei unvergessliche Wochen in Schanghai. Überraschenderweise waren auch die Living Bible und das damals ganz neue IVP Bible Dictionary Teil des Bücherangebotes auf dem Schiff. Die meisten Schiffsbesucher in Schanghai waren von der Regierung akkreditierte Angestellte und alle bekamen einen Flyer in Chinesisch und Englisch, der den Zweck des Logos-Besuches darlegte.

Viele dieser „offiziellen Besucher“ wanderten durchs ganze Schiff, saßen in Morgenandachten und sogar in den Gebetstreffen! Die Harmonie, die sie in dieser internationalen Gemeinschaft, bei der Arbeit und dem täglichen Leben beobachteten, löste bei ihnen Verwunderung aus.

Eine Bewilligung wurde erteilt, einen grossen Teil der Buchausstellung der Logos in die National Art Gallery in Peking, die von bis zu 1000 Leuten täglich besucht wurde, zu verlegen. Nach der vorgeschriebenen Registration saßen viele Besucher um die Tische, die überall in der Galerie aufgestellt waren, blätterten durch die Bücher und unterhielten sich mit der Logos-Mannschaft. Bald wurden in den Gesprächen ernsthafte Fragen über den Glauben an einen lebendigen Gott gestellt. Die beliebtesten Bücher waren das Illustrated Bible Dictionary und I Married You von Walter Trobisch. Überall in der Ausstellung sah man Leute, die sich eifrig Notizen machten.

Der bahnbrechende Logos-Besuch legte das Fundament für zukünftige OM Schiffsbesuche in China, wie der Besuch der Doulos in Schanghai 1996 und im Jahr 2000 in Schanghai und Nanjing. Während diesen Besuchen wurden in beiden Städten tausende von Lehrbüchern an Schulen und medizinische Ausbildungsstätten verteilt. Auch Besuche in registrierten Kirchen wurden organisiert und oft war es bewegend zu sehen, wie berührt Christen waren, als sie hörten, was Gott auf der ganzen Welt tut. Der Höhepunkt für viele war jedoch das vom Doulos-Chor zum Abschluss des internationalen Konzertes in Nanjing a cappella gesungene Amazing Grace. Die Leute standen auf, sangen mit, klatschten und einige, von ihren Gefühlen übermannt, weinten.

Seit dem ersten Schiffsbesuch 1981 hat sich China unglaublich verändert. Unterdessen werden Bibeln in Nanjing gedruckt und um die ganze Welt verkauft. Die chinesische Kirche hat heute geschätzte 103 Millionen Mitglieder [1]. Professor Yang, ein führender Religionsexperte, glaubt, dass es bis im Jahr 2025 160 Millionen sein werden und dass China damit zur „christlichsten Nation“ der Welt werden wird [2]. Aber auch diese hohe Zahl repräsentiert gerade mal 12% von Chinas 1,4 Milliarden Bevölkerung.

2008 begann die erste offiziell genehmigte Person aus China auf dem OM Schiff mitzuarbeiten, zuerst auf der Doulos, später auf der Logos Hope. Hersey* wurde in eine atheistische Familie geboren, die sie lehrte, dass Wahrheit und Freiheit über Allem stehe. Gott brauchte Herseys Fragen über die Evolution und zwei amerikanische Missionare in ihrer Stadt, um sie zu ihm zu ziehen. Nach ihrem Schulabschluss arbeitete Hersey für neun Jahre als Englischlehrerin und genoss einen komfortablen Lebensstil. Dann rief Gott sie in seinen Dienst. Fast zwei Jahre vergingen, bis sie bereit war, Gottes Ruf zu folgen.

„Ich übergab Gott alles und fragte ihn, wohin ich gehen sollte“, erinnert sich Hersey.  „Alles ist Teil von Gottes Plan; ich bin nur der Bleistift in seiner Hand.“ Seit ihrer Zeit auf den OM Schiffen hat Hersey mit OM China chinesische Christen zum Dienst für Gott mobilisiert. Es ist ihr Wunsch, dass chinesische Christen Gottes Königreich unter ihren Geschwistern weltweit aufbauen.

OMs Arbeit erstreckt sich nun über China, Hongkong und Taiwan. Die Leiterin dieses Unternehmens, die Singapurerin Ashley, erinnert sich an die frühe Arbeit der OM Schiffe mit dem chinesischen Sprichwort: „Eine Generation pflanzt Bäume, die nächste genießt den Schatten.“

OMs Vision ist, dass chinesische Gemeinden in ganz Ostasien-Pazifik, wo mindestens 35 Millionen Diaspora-Chinesen leben, für die Mission mobilisiert werden. Ashley sagt: „China gewinnt immer, wenn es um Zahlen geht. Heute gibt Gottes Geist einer Missionsbewegung innerhalb der schnell wachsenden chinesischen Kirche die Kraft, die Welt für Gottes Ehre zu bewegen.“

Als die Logos Schanghai verließ, fragten sich einige, ob der Besuch den ganzen Aufwand an Zeit, Geld und Kraft wert war. David Adeney antwortete: „Unterschätze nie all die Kontakte, die geknüpft wurden! Der Samen wurde ausgestreut; welche Früchte daraus entstehen, liegt in Gottes Hand.“

*Name geändert

[1]http://www.operationworld.org/country/chna/owtext.html (accessed 20 Sep. 16).
[2]http://www.telegraph.co.uk/news/worldnews/asia/china/10776023/China-on-course-to-become-worlds-most-Christian-nation-within-15-years.html (accessed 20 Sep. 16)



18 Menschenwürde für Flüchtlinge

Teambuilding„Der Herr hat dich wissen lassen, Mensch, was gut ist und was er von dir erwartet: Halte dich an das Recht, sei menschlich zu deinen Mitmenschen und lebe in steter Verbindung mit deinem Gott!“
– Micha 6,8 (Gute Nachricht)

Der Fokus der ersten OM Einsätze lag auf Evangelisation, aber als die Mitarbeiter in der ganzen Welt im Dienst waren, stießen sie auf Situationen, die mehr forderten. Heute bieten OM Mitarbeiter den Menschen in einigen Gebieten – ungeachtet ihres religiösen Hintergrundes oder ihrer Zugehörigkeit – auch praktische Hilfe an. Dabei stellen sie sicher, dass diese Menschen sowohl die Möglichkeit haben von Jesus zu hören, als auch einen klaren Weg gezeigt bekommen, um selbst Teil einer dynamischen Gemeinschaft von Jesus-Nachfolgern zu werden.

Vietnamesische Flüchtlinge auf See retten
Als Tom Dyer 1980 an Bord der Logos Wache hatte, entdeckte er ein Boot voll mit 52 vietnamesischen Flüchtlingen. Als der Kapitän sie auf das Schiff einlud, waren die Flüchtlinge mit dem Ziel Philippinen bereits 11 Tage lang auf See. Ihnen gingen bereits die Vorräte und das Wasser aus. Am nächsten Tag entdeckte er ein weiteres Boot, in dem 41 vietnamesische Flüchtlinge saßen. Obwohl die maximale Kapazität der Logos bei 144 Passagieren lag, hieß der Kapitän die Flüchtlinge wieder an Bord willkommen.

„Als wir die 93 Extrapassagiere aufs Schiff geholt hatten, waren wir mehr als 200 Menschen an Bord, inklusive unserer Crew und den Mitarbeitern. Viele der Bootsflüchtlinge waren schwach und erschöpft“, erklärt Tom.

Als die Logos in Thailand anlegte, wandte sich OM an das britische Konsulat in Bangkok und das Auswärtige Amt in London. Die Flüchtlinge blieben acht Wochen lang an Bord der Logos, schliefen im Speisesaal und verbrachten ihre Tage an Deck. Die UN stellte Lebensmittel zur Verfügung und letztendlich sicherte die britische Regierung ihre Umsiedlung zu.

Auf die Flüchtlinge in West- und Zentralasien reagieren
Im selben Jahr strebte ein Langzeitmitarbeiter danach, innerhalb von OM ein Hilfswerk zu gründen, um afghanischen Flüchtlingen in Pakistan zu helfen. Da OM sich jedoch auf Evangelisation und die Verbreitung von Literatur konzentriert hatte, waren die Leiter nicht darauf vorbereitet, Hilfs- und Entwicklungsarbeit in ihre Tätigkeiten zu integrieren. Nichtsdestotrotz gab OM Gründer George Verwer seinen Segen, eine unabhängige Nichtregierungsorganisationen zu gründen – diese wuchs schließlich auf 35 Erwachsene, einschließlich einiger OM Mitarbeiter, und bis zu 350 lokale Mitarbeiter heran. Diese dienten fünf bis acht Millionen Afghanen auf der Flucht vor der sowjetischen Unterdrückung. Die Arbeit dieser Organisation unter Menschen mit Behinderung und in der Entwicklungszusammenarbeit setzt sich bis heute fort.

1991 besuchte Julyan Lidstone, Botschafter der OM Arbeit unter Muslimen, ein Lager an der südlichen Grenze der Türkei, wohin kurdische Flüchtlinge vor Saddam Hussein geflohen waren. Julyan fand hoffnungslose, unhygienische Verhältnisse vor und Menschen, die wenig Hoffnung auf Überleben hatten. Er hatte internationale Hilfsangebote erhalten und wusste, dass Gott den Kurden helfen wollte, indem er Gläubige schickte um ihnen zu dienen.

Inzwischen hatte sich der Standpunkt von OM geändert – humanitäre Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit sollten nun innerhalb der Organisation ermöglicht werden. „Gottes Antwort auf die Leiden der Welt war, zuerst seinen Sohn zu senden, und nun möchte er uns senden. Wenn wir seiner Anteilnahme erlauben, uns in Bewegung zu bringen, werden wir seine Herrlichkeit auf eine neue Weise sehen“, meint Julyan.

Flüchtlinge aus Mozambik in Südafrika treffen
Mitte der 1980er Jahre flohen tausende Mosambikaner nach Südafrika, um dem Bürgerkrieg zu entkommen. Nach einer viertägigen Reise durch den Krüger-Nationalpark, einem der größten Wildschutzgebiete der Welt, siedelten sich 80 000 Flüchtlinge nahe eines OM Teams an.

Peter Tarantal, stellvertretender internationaler Direktor von OM, sagte: „Getrieben durch das Mitgefühl zu diesen hilflosen Menschen und weil wir eine Möglichkeit sahen, viele Gemeinden Afrikas miteinzubeziehen, begannen wir in einigen der Flüchtlingslager Einsätze. Wir haben schnell realisiert, dass es unmöglich ist, das Evangelium auf eine sinnvolle Weise mit einem Menschen zu teilen, der Hunger hat. Menschenwürde für Flüchtlinge heißt, dass Menschen sich um sie kümmern, ihnen Zuflucht bieten und in ihrem Namen für ihre Rechte zu kämpfen. Durch Jüngerschaft und Training haben wir ihnen ein Gefühl von Würde gegeben.“ OM begann mit einem Ernährungsprogramm, das zu einer umfassenden Not- und Entwicklungshilfe anwuchs. Das Team gründete außerdem zehn Gemeinden. Einige davon sind immer noch am Wachsen, so Peter. „Die Erfahrungen, die wir im Bereich Menschenwürde mit Flüchtlingen gemacht haben, hatten einen großen Einfluss auf unsere Arbeit in ganz Afrika. [Heute] ist der Bereich einer der Hauptpfeiler unserer Arbeit.“

Syrischen Flüchtlingen im Nahen Osten und Europa dienen
Im Kontext der aktuellen syrischen Flüchtlingskrise, einer Folge des andauernden Bürgerkrieges, merkte ein Langzeitmitarbeiter an: „Wir als Arbeiter können diesen kostbaren Menschen nicht die Hoffnung auf Gerechtigkeit geben, sondern vielmehr das freie Geschenk der Gnade. Wir bieten ihnen, was auch wir empfangen haben: Das unverdiente Geschenk Gottes, Vergebung und die Fähigkeit vergeben zu können sowie für immer frei von dem Bedürfnis nach einer ‚fairen Chance‘ zu sein.“

In den letzten fünf Jahren hat sich OM in über 20 Projekten mit mehr als 40 Gemeinden zusammengetan. „Es ist uns gelungen, uns dem anzuschließen, was Gott hier tut, um diese furchtbare Situation auf sehr deutlichen Wegen zu lösen“, meint der Leiter von OM im Nahen Osten. 25 bis 30 Mitarbeiter arbeiten direkt mit den Flüchtlingen, durch Projekte, bei denen die Menschen ein Einkommen verdienen können, Kinderprogramme, Besuche, Bibelarbeiten, Bildungsinitiativen und Nachsorge durch Gemeinden vor Ort. OM finanziert weiterhin Partnergemeinden, die Nahrungsmittel an die Menschen verteilen, die am wenigsten Zugang dazu und die größten Bedürfnisse danach haben.

In Europa ist OM in mehr als zehn Ländern in Projekten der Flüchtlingsarbeit involviert und arbeitet viel mit Gemeinden vor Ort zusammen. Seit acht Jahren unternimmt OM zweimal im Monat einen Besuch zum Bicske-Flüchtlingslager in Ungarn. Seit 2013 arbeitet OM an der Seite zweier Gemeinden in Athen, Griechenland und ist dort beteiligt an Ernährungsprogrammen für eintreffende Flüchtlinge. Als im Sommer 2015 eine Welle von Flüchtlinge die griechischen Inseln überrollte, baute OM sein Hilfsprogramm aus, indem OM andauernd freiwillige Kurzeinsatzteilnehmer schickte und sich mit weiteren Gemeinden zusammenschloss, um den steigenden Bedürfnissen gerecht zu werden. OM Deutschland und OM Österreich entwickelten spezielle Teams, die sich darauf konzentrieren, Flüchtlinge zu erreichen. Viele Freiwillige machen Besuche, bieten Sprachunterricht an und helfen bei praktischen Aufgaben, wie zum Beispiel dem Ausfüllen von amtlichen Formularen.

„Menschenwürde in OM ist ein kritisches Thema”, stellt Peter fest. „Wenn wir nicht dafür einstehen und Menschenwürde ausleben in allem, was wir tun, dann haben wir ein massives Loch in unserem Evangelium.“

*Name geändert

Nicole James ist Journalistin, Lehrerin für Englisch als Fremdsprache und Abenteurerin. Sie schreibt für OM Mittlerer Osten/Nordafrika und brennt dafür, die Geschichten von Gottes Wirken untern den Völkern zu veröffentlichen und so den Menschen von den wunderbaren Dingen zu erzählen, die er in der Welt tut.



17 Schließ die Augen und hör zu

Teambuilding
Ende 1978 war das OM Team im Iran in Alarmbereitschaft. Grund waren die politischen Spannungen und Kämpfe. Schiitisches Militär war strategisch über ganz Teheran verteilt. OM Familien wurden per Flugzeug in den Westen evakuiert, ein Ehepaar und insgesamt 16 ledige Mitarbeiter bereiteten sich darauf vor, mit drei Kleinbussen über Afghanistan nach Pakistan zu fliehen.

Um das Land zu verlassen, musste man die Wüste nach Afghanistan überqueren, die Gefahr auf den normalen Straßen war zu groß. Die Kälte mitten im Winter erhöhte noch die Schwierigkeiten. Viele Geschäfte waren geschlossen, Lebensmittel und besonders Treibstoff waren knapp. Tage vergingen, während die Autos in Schlangen für Benzin anstanden, die OMer mittendrin. Eines Tages kam ein Tankwagen. Eine OMerin war als zweiter in der Warteschlange als es plötzlich vor ihnen zu einer Schlägerei kam. In einem von Gott erleuchteten Moment wurde dem OMerin klar, dass niemand die Zapfpistole festhielt, also füllte sie den 50 Liter Tank im Kleinbus und den 200 Liter Kanister im Kofferraum! Das Team reiste im Januar 1979 an genau dem Tag aus, als der Schah vor der kommenden Zerstörung durch das Khomeini-Regime floh. Es war deutlich, dass Gott das Team herausholte.

OM war 17 Jahre lang im Iran aktiv gewesen, mit dem Ziel, das Wort Gottes in jede Stadt und jedes Dorf zu bringen, größtenteils erfolgreich. Manchmal wurden unsere Leute verhaftet und deportiert, aber wir wurden gleichzeitig von den Gemeinden und anderen Missionaren herzlich willkommen geheißen und geschätzt. Aber der Boden war hart und die Missionare dort arbeiteten Jahrzehnte ohne viel Frucht – wenige Familien mit muslimischem Hintergrund kamen zum Glauben an Christus. Als alle Missionare 1979 das Land verließen und die christlichen Leiter verhaftet und manchmal getötet wurden, fragten wir uns, was Gott da eigentlich machte. Aber er hatte einen Plan.

Die Tür öffnet sich wieder
In den 90er Jahren nahm OM wieder Verbindung zu den Gemeinden vor Ort auf und man begann zusammenzuarbeiten. Wir stellten fest, dass die Mehrheit der Bevölkerung die extreme Unterdrückung durch die islamische Regierung ablehnte und sich zu Zehntausenden dem Glauben an Jesus Christus zuwandte! In einer der größten Gemeinden im Zentrum Teherans waren so viele Gläubige (mit muslimischem Hintergrund), dass es nur Stehplätze gab. Ein Pastor sagte: „Wenn du die Augen zumachst und genau hinhörst, kannst du Jesu Schritte überall im Iran hören.“ Vorsichtige Schätzungen gehen von 400 000 Muslimen aus, die im Iran zu Jüngern Jesu wurden.

Den Preis bezahlen
Aber das Ganze hatte auch seinen Preis: die iranischen Gemeinden verloren viele Leiter, die sich für den Glauben engagierten. Viele wurden jahrelang inhaftiert, andere hingerichtet. Aber die Gemeinde blieben trotz Verfolgung treu und gaben in ihrer Nachfolge des Herrn Jesus ein Beispiel dafür, das eigene „Leben nicht bis in den Tod zu lieben“

Vor nicht allzu langer Zeit forderte die damalige Ahmadinedschad-Regierung die Namen und Adressen aller Mitglieder von Teherans Philadelphia-Gemeinde. Die Pastoren lehnten es ab, das anzugeben, forderten aber die Gemeindemitglieder auf, selber ihre Namen und Adressen zu melden. Sie nahmen an, dass 50-100 von ihnen dazu bereit sein würden und waren völlig überrascht, als 670 Gemeindemitglieder ihre persönlichen Daten bei der Regierung meldeten, wohl wissend, dass es für sie Gefängnis oder Schlimmeres bedeuten konnte.

Die Regierung nahm den Pastor in Einzelhaft. Dann kamen sie mit sechs Lastwagen zum Gemeindegebäude und nahmen alles mit: Möbel, Bibeln, alles, was sich bewegen ließ. Nach sechs Wochen wurde der Pastor entlassen, mit der Auflage, entweder das Land zu verlassen oder für mindestens weitere fünf Jahre ins Gefängnis zu kommen. Er ist daraufhin umgezogen, um weiterhin seinen Dienst tun zu können.

Heute hilft OM den Menschen im Iran durch Hilfsleistungen. Gleichzeitig arbeiten wir mit der wachsende Gemeinde dort zusammen, um eine neue Generation junger Leiter zu stärken und entwickeln, die die Gemeinden in die Zukunft führen können. In Habakuk 1, 5 steht: „Schaut hin unter die Völker, seht und verwundert euch! Denn ich will etwas tun zu euren Zeiten, was ihr nicht glauben werdet, wenn man davon sagen wird.“ (LUT17) Betet und arbeitet mit uns, diese neue Generation christlicher Leiter zu schulen und ihnen zu helfen, Teil dessen zu sein, was Gott im Iran tut.

Marcell, ein OM Leiter, hat über 35 Jahre in der muslimischen Welt gearbeitet und war/ist an OMs Arbeit im Iran von Anfang an beteiligt. Er setzt sich für dynamische Gemeinschaften von Jesus-Nachfolgern unter den am wenigsten Erreichten ein, besonders unter dem iranischen Volk, das er liebt.



16 Den Plan Gottes für Pakistan entdecken


TeambuildingSeit der Gründung in Pakistan 1979 evangelisierte OM dort auf einer eher direkten Art und Weise. Es war durchaus üblich, Literatur in großen Mengen zu verteilen und den eigenen Glauben an den Haustüren zu bezeugen. Aus Angst jedoch und weil sie sich nicht kompetent genug fühlten, schätzten die pakistanischen Gemeinden die OM Arbeit nur in sicherem Abstand. Erst nachdem OM einen ersten Kontakt hergestellt hatte, begleiteten die Gemeinden die neuen Christen.

2003 stellte OM einen einheimischen Leiter an, um unter den unerreichten Volksgruppen der Provinz Sindh zu arbeiten. Mit einer neuen Strategie und vier Teammitgliedern, welche die Sprache und Kultur lernten, konnte nun die Arbeit von OM in der Provinz Sindh wachsen.

Das Team eröffnete einen Lebensmittelladen an einem zentralen Ort, was ihnen den Zugang zu fünf weiteren Städten und Dörfern ermöglichte. Bisher hatten Leiter anderer Missionsorganisationen dort kaum Erfolg. Die OM Mitarbeiter hörten, dass wegen vieler religiöser Schreine und Gräber von islamischen Mystikern eine große geistliche Dunkelheit vorherrsche. Diese Provinz, so wurde erzählt, sei verflucht.

Qasim, ein Punjabi, erinnert sich an die erste Zeit seiner Arbeit: „Als ich die Sprache und Kultur erlernte, stellte ich fest, dass die Sindhis liebevoll und gastfreundlich sind. Eine Schattenseite allerdings ist die Tradition der erbitterten Rache – Stammeskriege können dabei über viele Generationen hinweg dauern. Aber ich stellte auch schon bald fest, dass Sindhis einen Hunger nach Gottes Wort haben und begierig sind, etwas über Christus zu lernen. Das gab mir Mut weiter zu machen.”

Zunächst gewann der Lebensmittelladen einen guten Kundenstamm aus Einheimischen. Es dauerte jedoch nicht lange, da wurde der Laden misstrauisch betrachtet. Ein Bücherregal, auf dem auch passendem Material für Erwachsenenbildung lag, im hinteren Teil des Ladens, und die Neigung evangelistische Gespräche zu führen, ließen das OM Team nicht gerade als typische Geschäftsleute erscheinen. Darum wurden lokale Christen im Laden angestellt. Leider erwirtschaftete der Laden jedoch zu wenig Gewinn und musste somit wieder geschlossen werden. Allerdings hatte das Team nun mehr Zeit, sich mit Leuten zu treffen.

Nadeem meinte: „Es war peinlich, ein Minus zu schreiben, aber als wir dann mehr Zeit für die Sindhis hatten, konnte ich Gottes Plan darin erkennen. Die Schließung des Ladens half uns, uns auf die Arbeit zu konzentrieren, die er für uns geplant hatte. Wir erlebten großartige Reaktionen der Einheimischen.”

Neue Ideen ausprobieren
Das Team entwickelte einen eigenen Fernkurs auf Grundlage des Jesus-Filmes und bewarb ihn in der lokalen Zeitung. Eine überwältigende Teilnahme am Kurs führte zu neuen Beziehungen mit Einheimischen, die bereits auf der Suche nach Gott waren. Außerdem gründete das Team eine Initiative für Gesundheit und Hygiene in den entlegenen Dörfern. Dort installierten sie Handpumpen für Trinkwasser und Toiletten für arme Gemeinden.

In einem Dorf traf Nadeem auf Ahmed. Während Nadeems nächstem Besuch bemerkte er, dass Ahmed gern etwas Persönliches besprechen würde – er hatte heimlich einen Bibelfernkurs absolviert. Nadeem war begeistert. Heimlich begannen sie, sich regelmäßig zu treffen, und 2010 fragte Ahmed, ob Nadeem ihn taufen würde. Daraufhin half Ahmed ehrenamtlich bei den Hilfsarbeiten von OM mit, die in überfluteten Dörfern stattfanden. Mit OM Mitarbeitern zusammenzuarbeiten, stärkte Ahmeds Glauben. An einem Sonntagvormittag wurden Ahmed und ein weiterer Mann im Indus getauft. Ahmeds Gesicht strahlte: „Ich verspüre unsagbaren Frieden in mir. Ich habe den Bann des Todes von meinem Leben zurückgewiesen. Dieses Erlebnis wünsche ich mir auch für meine Familie und Stammesgenossen.”

Später offenbarte Ahmed seiner Familie, dass er nun Isa Masih (Jesus, den Gesalbten) nachfolge. Dies zog einen gewaltigen Sturm nach sich. Sein Vater und seine Brüder bekämpften seinen Glauben. Nadeem bat Ahmed dringend darum, nicht von Zuhause auszuziehen. Also blieb Ahmed dort, obwohl er oft geschlagen wurde.

Ahmeds Mutter hielt als einzige zu ihm und verteidigte ihn. An einem Winterabend 2010 befahl ihm sein Vater zu gehen. Er konnte einen Ungläubigen nicht länger in seinem Haus dulden. Seine Mutter griff dabei ein. Nach stundenlangem Streit beschlossen sie schließlich, dass Ahmed bleiben könne, jedoch nicht im Haus selbst. Ahmed wurde also gezwungen, das ganze Jahr über auf dem Dach zu schlafen. Aber er liebte seine Familie weiterhin.

Im April 2011 verstarb Ahmeds Vater und die Spannungen zu Hause ließen nach. Nach weiteren Überflutungen half OM Ahmed in demselben Jahr, das Haus zu renovieren. Dadurch erhielt Ahmed sein eigenes Zimmer. Er war froh, erleichtert und motiviert und fing an, sich mit seinen Freunden dort regelmäßig zu treffen.

2014 besuchte Ahmed die Missionsschule, die von OM gründete wurde, um eine neue Generation an Missionaren auszubilden. Nach seinem Abschluss sagte er: „Es gibt eine große Ernte unter den unerreichten Völkern, aber viele haben Angst und sind zu wenig vorbereitet. Ich bin voller Zuversicht, dass mein Dienst in meinem eigenen Stamm viele Seelen erretten wird.”

Als die Hausgemeinden der Einheimischen immer mehr wuchsen, wurde Qasim 2011 Teamleiter. Qasim und Ahmed sind nun zusammen Teil eines Teams, das neun Hausgemeinden in drei Städten betreut. Diese Gemeinden umfassen mehr als 100 Leute, die bereits gläubig oder noch auf der Suche sind.

Adnan und J. Paul leben und arbeiteten mit ihren Familien mit OM in West- bzw. Zentralasien. Sie wünschen sich, dass noch mehr Menschen ihre Hoffnung und ihren Glauben in Jesus setzen und dass die Unerreichten mit allen möglichen kreativen Mitteln erreicht werden.



15 Doulos und die Erweckung in Lateinamerika


TeambuildingLateinamerika war noch in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts fast ausschließlich katholisch. Obwohl die Gute Nachricht schon seit Jahrzehnten gepredigt worden war, wuchsen die evangelischen Kirchen in südamerikanischen Ländern nur wenig. 1970 bekannten sich ganze 4% der Bevölkerung zum evangelischen Glauben und der Kontinent galt als Missionsfeld. Doch dies sollte sich bald ändern.

Operation Mobilisation (OM) begann zwar mit einem Einsatz in Mexiko, der Schwerpunkt der OM Arbeit richtete sich jedoch bald auf Europa, die muslimische Welt und Indien. Deshalb arbeitete die MV Logos, das erste OM Schiff, damals auch in diesen Teilen der Welt. Die Aussicht auf ein zweites Schiff ermöglichte es OM, wirkungsvoll nach Lateinamerika zurückzukehren.

1977 kaufte OM in Genua, Italien, das Schiff Doulos (Griechisch: Diener). Nachdem es in Bremen, Deutschland, repariert und umgebaut worden war, begann das Schiff seinen Dienst in Europa. Neun Häfen wurden in Europa angelaufen, bevor die Doulos über den Atlantik nach Portsmouth in den USA übersetzte. Am 4. Dezember 1978 lief sie als erstes OM Schiff in Lateinamerika, in den Hafen von Tampico in Mexiko ein.

Zu jener Zeit war der Amerikaner Frank Dietz, einer der Pioniere der OM Schiffsarbeit, Direktor der Doulos. „Wir entschieden uns, mit der Doulos nach Südamerika zu fahren. Wir hatten den Eindruck, dass dort eine junge dynamische Kirche auf die Herausforderung der Mission wartete“, erzählte Frank.

Neben dem Weitergeben der Guten Nachricht, war die Sensibilisierung für Mission das Hauptanliegen der Mannschaft. „Wir predigten Mission an unseren Konferenzen, Teams, die durchs Land zogen, sprachen über Mission und in den Kirchen sprachen wir über Mission. Mission war unsere Priorität!“, erklärte Frank.

Eine Nachricht für alle
Durch den Besuch der Doulos hörten viele das erste Mal von der Notwendigkeit, die Gute Nachricht nach Afrika, in den Nahen Osten und nach Asien zu tragen – und eine Antwort blieb nicht aus. „Viele junge Leute wollten auf dem Schiff mitarbeiten“, erzählte Frank weiter. „Andere sagten: ‚Sag uns einfach, was wir tun sollen, wir sind bereit zu gehen.“ Damit begann eine neue Epoche für die lateinamerikanische Kirche.

Der argentinische Pastor Federico Bertuzzi verbrachte mit seiner Familie zwei Monate auf der Doulos. Er war Pastor der Mannschaft, predigte zu den Besuchern und erklärte Mission in den Gemeinden. Später wurde er CEO der COMIBAM, der „Ibero-American Missions Cooperation“, eine der wichtigsten Missionsnetzwerke Lateinamerikas.

„Die Doulos Mannschaft organisierte die ersten Missionskonferenzen in Lateinamerika“, berichtet Federico. „Von Anfang an konzentrierten sie sich auf die am wenigsten erreichten Volksgruppen. Das war komplett neu und ungewohnt für die meisten evangelischen, lateinamerikanischen Christen.“

Der Doulos Besuch hatte einen unmittelbaren Einfluss auf die junge, dynamische Kirche Lateinamerikas und brachte sie dazu, sich in lokaler und globaler Mission zu engagieren. Der Langzeiteffekt verdient besondere Aufmerksamkeit: „Jeder Automotor braucht einen Startermotor. Dieser ist viel kleiner als der Motor selbst. Der Startermotor für die lateinamerikanische Missionsbewegung war die Doulos!“, sagt Federico. „Als die Doulos Lateinamerika 1983 verließ, übernahm COMIBAM die Leitung der Missionsbewegung, die von der Doulos begonnen worden war.“

Im Juni 1983 verließ die Doulos den Hafen von Vitoria in Brasilien und beendete damit ihren fünfjährigen Besuch in Lateinamerika. 4,1 Millionen Menschen hatten das Schiff während dieser Zeit besucht und die Mitarbeitenden hatten über 400 000 Stück christliche Bücher und Fachliteratur verteilt.

In den folgenden Jahren wuchs die Mission im Gleichschritt mit dem Wachstum der Kirche. Heute bekennen sich 20% der Bevölkerung zum evangelischen Glauben und der Kontinent wird nicht mehr zu den traditionellen Missionsgebieten, sondern zu den großen sendenden Gebieten gerechnet. Durch die Arbeit von Organisationen wie COMIBAM sendet Lateinamerika heute Mitarbeitende in die am wenigsten erreichten Volksgruppen dieser Welt. Die meisten Missionsorganisationen finden ihre Wurzeln im Besuch der Doulos und OM Teams, welche die neue Idee von Mission propagierten.

OM hat seinen Dienst in Lateinamerika seit der Doulos beibehalten, mobilisiert lokale Gemeinden und sendet Mitarbeitende in alle Welt. Laut Frank Dietz wird Lateinamerika, zusammen mit Afrika und Asien, bald den Ton in der Weltmission angeben. Die Doulos hatte wirklich einen verändernden Einfluss in Lateinamerika und seiner Kirche und wird als Initiator dieser Bewegung nicht vergessen werden.

Nathan Schmutz kommt aus der Schweiz und arbeitet in Lateinamerika. Er fotografiert, schreibt Artikel und unterstützt die Arbeit von OM Guatemala. Nathan dient seinem Herrn, wo immer er kann.



14 Erst beten, dann handeln

TeambuildingIn den letzten 60 Jahren war es von zentraler Bedeutung für OM, die Tiefen des Gebets zu ergründen. Von Beginn an – ab dem Moment als Dorothea Clapp für die Schule gegenüber ihres Hauses betete und Gott darum bat, die Schüler zu retten und auf die verschiedenen Nationen zu verteilen – war das Gebet Teil unserer DNA.

Dale Rhoton sagt von diesen frühen Tagen: „Die besten Ideen hatten wir immer in den Gebetstreffen“. Die OM-Bewegung begann in einem Gebetsraum in Chicago, als sich in den 50ern Dale und George Verwer mit einer kleinen Gruppe von Bibelschulstudenten trafen. George schreckte während des Gebets plötzlich auf und rief aus, dass Gott sie nach Mexiko sendet. So wurde im Jahr 1957 Operation Mobilisation gegründet.

Nach einem schwierigen Leitertreffen, in dem es um das Fehlen von Teilnehmern und Finanzen für einen großen Einsatz im Sommer ging, verkündete George in einem Gebetstreffen: „Gott hat mir gesagt, dass ich mich um ein Schiff bemühen soll“. Sechs Jahre später wurde die MV Logos in Betrieb genommen, was viele von uns in verzweifelte Gebetszeiten zwang, aufgrund der scheinbar aussichtslosen Lage, in der wir uns befanden: Finanzen, Menschen, Genehmigungen, um bestimmte Länder zu besuchen und mehr. Aber es war in diesen Zeiten des Gebets, dass uns Weisheit von oben und Versorgung durch seine Hand geschenkt wurde sowie Türen, die sich öffneten, als wir die Nächte hindurch bis in den frühen Morgen beteten.

Viele von uns wurden in diesen halben Nächten des Gebets geformt, in denen wir um Nationen und Menschen willen zu Gott schrien. Eine vor Kurzem geschickte E-Mail von Leitern einer amerikanischen Kirche, mit denen wir in den 80ern zusammengearbeitet hatten, belegt: „Den größten Einfluss in unserem Leben hatte wahrscheinlich die Tatsache, dass wir bei OM lernten richtig zu beten, und diese Grundlage hat uns dazu gebracht über die Jahre hinweg Massen an Gebetstreffen zu leiten.“

Ein Langzeitmitarbeiter sagte: „Die Gebetsschule, die Indien war – monatliche Gebetsnächte und Gebetstage, in denen wir den Himmel anflehten, Indiens Millionen zu berühren – würde dieser Engländer, der ich bin, nicht um allen Tee Indiens wieder hergeben wollen. Beim Zuhören der OM Mitarbeiter Alfy und Ray, wie sie den Himmel bestürmten, wusste ich, dass Indien am nächsten Tag nicht dasselbe sein würde“. Wir haben Gott außergewöhnliche Dinge tun sehen, als wir beteten. Es war das Abenteuer des Lebens zu sehen, wie Gott bestimmte Gebete beantwortete.

Ein Langzeitpionier, der in Teilen Afrikas und dem Nahen Osten arbeitete, meint: „Ich zum Beispiel bin außergewöhnlich froh darüber, dass der Herr meiner Frau und mir diese 50 Jahre gewährt hat, in denen ich in einigen verschiedenen Ländern lang genug arbeiten durfte, um jetzt viele Antworten auf Gebete zu sehen, die wir 50 Jahre zuvor gebetet hatten“.

Gott hat uns durch Gebet beschützt. Während des Kalten Krieges schmuggelte das OM Team Bibeln hinter den Eisernen Vorhang. Erst Jahre später fanden wir heraus, dass einer unserer Kontakte ein Informant der ostdeutschen Geheimpolizei war, die in Verbindung mit dem KGB danach strebte, den Zufluss von Bibeln und Literatur zu den Untergrundkirchen zu stoppen. Wir waren eine Handvoll übereifriger Jugendlicher, die gegen einen repressiven Staat antraten – und trotzdem hielt Gott uns durch unsere wöchentlichen halben Nächte des Gebets, speziell konstruierten Fahrzeuge und Kontakte im Osten versteckt und effektiv.

Der Eine soll es dem andern weitersagen
Gebet wurde bei OM empfangen, nicht gelehrt. Für das Team in Wien in den 70ern und 80ern war Donnerstagnacht grundsätzlich Gebetsnacht. Lobpreis bereitete uns vor für die zwei Stunden Gebetszeit für die OM Arbeit auf der ganzen Welt. Nach einer kurzen Pause lag der Fokus bis Mitternacht auf unseren Teams, die auf den Straßen unterwegs waren, den Kirchen im Osten, wesentlichen Bedürfnissen … und darauf, dass die Mauern fallen würden, was sie Ende 1989 tatsächlich taten! Ganz egal, wann die Treffen endeten, am nächsten Tag wurde ganz normal gearbeitet!

In den letzten Jahren hat ein neues Ausmaß an Kreativität zusammen mit einem größeren Verlangen nach Intimität durch Lobpreis im gängigen Gebetsmodell Einzug gehalten. Große Gebetskarten, Skype-Anrufe von überall auf der Welt, Tanz, Kunst und Gebetsspaziergänge tragen alle dazu bei, Gott durch experimentelles und interaktives Gebet zu begegnen. Gebet ist mehr als nur eine Liste voller Gebetsanliegen!

Während wir aber in unseren Erfahrungen und Ausrüstungen wachsen – brennen unsere Herzen trotz allem immer noch für seine Gegenwart? Könnten die Gebetstreffen mehr Pflicht als Leidenschaft und Herzschlag sein? Leben wir nach unserem Ruf als radikale Nachfolger, oder müssen wir erst wieder den „Ruf zum Gebet“ vernehmen, damit die besten Ideen wieder aus dem Gebetsraum und nicht aus der Chefetage kommen?

Dale Rhoton meint: „Ich denke oft an Schwäche, wenn ich die Anfänge von OM reflektiere. Wir hatten mehr Fragen als Antworten. Deshalb gab es die Gebetstreffen, die Gebetstage, die Gebetsnächte. Wegen diesem starken Bedürfnis, wegen dem verzweifelten Sehnen danach, Gottes Wirken zu sehen. Es gab keinen Plan B. Entweder Gott tat etwas, oder es gab kein Vorankommen, nur Versagen!“

Am Ende des Jahres 2016 starteten Freunde im Irak 100 Stunden des Gebets und des Lobpreises. Für 2017 sind noch andere Gebetsinitiativen geplant, Versammlungen bei denen hunderte zusammenkommen, um Gott im Namen ihrer Nationen anzuflehen. Gemeinsames Gebet breitet sich weiterhin aus! Mögen wir mit dem neuen Fokus und der Leidenschaft für Gebet nicht zurückfallen, sondern unseren Platz mit gewöhnlichem und doch besonderem Gebet einnehmen.

Letzen Endes geht es um unser persönliches Leben und unseren Weg mit dem Herrn – dass unsere Herzen entzündet werden, während wir seine Liebe und sein Herz für die Nationen entdecken. Vom Beginn OMs im Gebetsraum an warten dynamische Gemeinschaften von Jesus-Nachfolgern darauf, durch unsere Gebete entflammt zu werden.

Peter Hawkins arbeitet als internationaler Gebetskoordinator von OM. Er begann seinen Dienst bei OM 1947 im Iran. Seitdem haben er und seine Frau mit OM in Europa, an Bord der MV Logos und in den USA gearbeitet.



13 Zwei neue Gläubige haben große Auswirkungen

TeambuildingWährend Bangladeschs Freiheitskrieg 1971 suchten Millionen von Hindus, Christen und Muslimen Zuflucht in Indien. OM Teams begannen mit Nothilfe für die Flüchtlinge. Sie begannen auch mit Treffen für die Christen, für Ermutigung, Lehre und Jüngerschaft. Viele Menschen kamen dadurch zu einem echten, persönlichen Glauben an Jesus.

Nach dem Krieg, als die Menschen zu ihrem Zuhause im neugegründeten Staat Bangladesch (früher Ostpakistan) zurückkehrten, gingen einige Leiter der Flüchtlingsarbeit mit und begannen mit einigen jungen Leuten, die Christen geworden waren, die ersten OM Teams. Von Anfang an bestand OM in Bangladesch größtenteils aus Einheimischen.

Richtungswechsel
Im Jahr 1976 hatte eine bekannte internationale Mission (CIF*) schon 17 Jahre im Gebiet von Jewelpur gearbeitet, aber mit geringem Erfolg. Bangladesch war damals immer noch ein junges Land, gerade fünf Jahre alt. Während des Krieges 1971 hatte die hinduistische Minderheit viel gelitten. Viele Missionsexperten waren der Meinung, es sei an der Zeit, sich auf diese Hindu Minderheit zu konzentrieren und ihnen die Möglichkeit zu bieten, auf die befreiende gute Nachricht von Jesus zu reagieren. Die ausländischen Mitarbeiter von CIF baten OM ein Team mit einheimischen Mitarbeitern zur Verfügung zu stellen, das ein Jahr lang in Zusammenarbeit mit den CIF Missionaren versuchen sollte, die Hindus in der Bevölkerung zu erreichen. Sollte das erfolglos sein, würden sie in einen anderen Teil des Landes gehen.

Vier bengalische OMer begannen mit der Arbeit im Bezirk von Jewelpur. Wie abgemacht, kümmerten sie sich tagsüber um die Hindus. Aber in dem Team war ein junger Mann namens Abel, ein Gläubiger mit muslimischem Hintergrund. Abends begann Abel in der Nachbarschaft, wo das Team wohnte, Beziehungen zu Muslimen aufzubauen, nicht nur mit den jungen Leuten, sondern auch mit älteren Arbeitern, die schon selber Familie hatten.

Irgendwann erklärten zwei Männer, der Bauer Tab und der Milchverkäufer Yacob, dass sie Jesus folgen wollten. Die OMer waren natürlich begeistert, aber die CIF Missionare waren verblüfft. „Man hatte uns gesagt, dass wir die Hindus erreichen sollten“, sagten sie, „aber wir kamen doch eigentlich wegen der Muslime nach Bangladesch.“

Im Lauf der folgenden fünf Jahre richtete CIF den Schwerpunkt ihrer Arbeit auf Bangladeschs muslimische Mehrheit von 90%. Auch OM entwickelte seine Literatur und die Wirksamkeit der Einsätze unter der Bevölkerungsmehrheit weiter und startete 1981 mit eigenen, bengalischen Gemeindegründungsteams.

Ein herausfordernder Anfang
Als Yacob und Tab zum Glauben an Jesus kamen, war das der Beginn einer schwierigen Reise. Sie verstanden, wer Jesus ist, aber die Gesellschaft um sie herum war darüber gar nicht glücklich. Schließlich wurden die beiden zusammen mit anderen Gläubigen vor das Dorfgericht gestellt. Die Bevölkerung wollte ihre Häuser niederbrennen. Am Höhepunkt der spannungsgeladenen Versammlung stürzte ein Wahnsinniger in ihre Mitte und schrie: „Lasst diese Männer in Ruhe – sie sind Gottesmenschen.“

Die einheimische Bevölkerung fürchtete die Kraft der Geister, die vielleicht in diesem wahnsinnigen Mann war und sofort änderte sich ihre Haltung: Yacob und Tab durften ohne jegliche Strafe gehen. Später wurde Tab zum Leiter einer Gruppe am Ort gewählt, die eine Art Mystizismus praktizierten. Diese Position erlaubte ihm, den Menschen davon zu erzählen, dass Jesus alle Hoffnungen und Sehnsucht der Menschen ausfüllen kann, auch von denen, die versuchen Gott mithilfe mystischer Übungen zu erreichen. Im Laufe der Jahre wurden hunderte getauft.

Instrumente der Veränderung
Abel, der Yacob und Tab zum Glauben geführt hatte, war der erste, der zu dem neuen OM Team kam. Er war ein erstklassiger Evangelist, aber er brauchte Coaching und Jüngerschaft. Mike (aus Großbritannien) verbrachten viele Stunden mit Abel: lehrend, herausfordernd, korrigierend, geduldig und wie ein Vater.

Ohne Mike hätte es keinen Abel gegeben. Das ist auch heute noch so: junge bengalische Gläubige brauchen Menschen, die sie lieben, sich um sie kümmern und sie lehren, damit sie Gottes Beauftragte für Veränderung in der Gesellschaft werden können.

Erntezeit
Yacob starb vor einigen Jahren. Tab ist inzwischen 85, ein geachteter Mann an seinem Wohnort, der mehrere hundert Menschen zum Glauben an Jesus geführt hat. Einer seiner Söhne ist im vollzeitlichen christlichen Dienst. Dieser entscheidende Moment 1976 in Jewelpur – als Tab und Yacob beschlossen, Jesus nachzufolgen – hat zur Schulung von Dutzenden neuer Mitarbeiter geführt, die im ganzen Land verteilt arbeiten.

Viele Gemeinden verdanken ihre Existenz diesem Moment 1976, auch wenn das wenigen bewusst ist.

*Name geändert



12 Südkoreanische Christen und Mission – eine Leidenschaft wird neu entfacht

TeambuildingJesus erzählte einmal das Gleichnis vom Senfkorn: Gott sät im Herzen der Menschen einen Samen aus. Mit Gottes Kraft und unter der Leitung des Heiligen Geistes wächst und gedeiht der gekeimte Samen.

In den frühen 1970ern war Südkorea eine geistlich ausgehungerte Nation. Der Hunger nach Gottes Wort war groß. Die Situation der südkoreanischen Christen war wie in den Anfängen der Kirche: wenige Gläubige, schreckliche Armut und Verfolgung. Gott bereitete jedoch schon damals seine Kirche und Mitarbeiter vor.

Drei südkoreanische Christen schlossen sich OM an. Das war beachtlich, da zu der Zeit Südkoreaner für Auslandsreisen eine Genehmigung des Präsidenten brauchten. 1975 war das Jahr, in dem sich Südkoreaner erstmals bei OM engagierten – ganz klein fing alles an. Das OM Schiff Logos besuchte Südkorea im darauffolgenden Jahrzehnt noch drei weitere Male und wirkte im Leben zahlreicher Südkoreaner wie eine Art geistlicher Katalysator.

Wichtige Grundsätze der Arbeit von OM sind z. B., dass Laien als Missionare arbeiten, die Arbeit in Teams, der Fokus auf einer dienenden Haltung in Ausbildung und Leiterschaft und die Gemeinschaft von Gläubigen aus verschiedenen Ländern und unterschiedlichen Denominationen. Diese besondere Art und Weise, Weltmission zu gestalten, stellte für südkoreanische Christen eine große Herausforderung dar.

Als die Reisebeschränkungen gelockert wurden und die Religionsfreiheit zunahm, folgten die Gemeinden Gottes Ruf: Sie sandten Missionare aus, die mit OM auf der ganzen Welt Gott dienten.

Dass die meisten Südkoreaner kein Englisch sprachen, ist ein weiterer Beleg dafür, dass für Gott sogar Sprache kein Hindernis darstellt. Südkoreanische Missionare beteten inbrünstig und Gott erhörte sie. Diese ersten südkoreanischen OM Mitarbeiter teilten das Wenige, das sie besaßen, mit Menschen, die weniger hatten als sie. Sie waren wie die ersten Christen in der frühen Kirche und lebten wie sie.

In der Zeit der ersten Schiffsbesuche tauchte Südkorea langsam auf der globalen Bühne auf. Zwei sportliche Großereignisse, die asiatischen Spiele 1986 und die Olympiade 1988, brachten die Welt nach Südkorea und ließen Südkoreaner die Welt in einem neuen Licht sehen. Viele südkoreanische Christen beschlossen, sich in der Weltmission einzubringen. Junge Südkoreaner und Südkoreanerinnen wollten unbedingt bei OM mitarbeiten und die Zahl der südkoreanischen OM Mitarbeiter stieg rapide an. All das geschah in Verbindung mit den Besuchen der Doulos und von George Verwer in Südkorea. Während dieser Besuche forderte Gott die Gemeinden auf, den Missionsbefehl auszuführen. Viele neue Missionare zogen aus, um Völkern dieser Erde zu dienen, die Gottes Wort noch nicht erreicht hatte, vor allem im Nahen Osten und in Zentralasien. Einige von ihnen starben für ihren Glauben in Indien (1987) und Turkmenistan (1997).

Südkoreaner sind von Natur aus fleißig und verantwortungsbewusst. Sie fühlen sich in großem Maß verantwortlich für ihren Dienst und arbeiten darum scheinbar unermüdlich. Ihr Wunsch, lebendige Gemeinden in unerreichten Gebieten zu sehen, motiviert sie, an schwierigen Orten zu arbeiten. Voller Entschlossenheit folgen sie dem Auftrag, den Gott ihnen gibt. Südkoreaner sind bekannt dafür, dass sie voller Leidenschaft für andere Menschen beten, sei es für ihre Leiter, für die Verlorenen oder für Länder, die sich dem Evangelium verschließen. Ganz normale südkoreanische Christen ordneten sich Gott unter und er gebrauchte sie, um außergewöhnliche Dinge zu tun.

Im Jahr 1990 begann OM Südkorea offiziell damit, Missionare auszusenden. Seither haben über 1500 südkoreanische Mitarbeiter bei Kurz- und Langzeiteinsätzen von OM mitgearbeitet. Tausende weiterer südkoreanischer Christen waren bei Missionseinsätzen im Sommer, z. B. bei Love Europe oder Love Asia, mit dabei. Derzeit (Stand 2016) arbeiten 316 Südkoreaner in 39 Ländern weltweit für OM. Egal, wo sie bei OM im Einsatz sind oder waren: Südkoreaner gehen als Leiter und Langzeitmitarbeiter in unterschiedlichen schwer oder nicht zugänglichen Ländern mit gutem Beispiel voran.

Die Resonanz auf den letzten Besuch der Logos Hope 2014 war schwächer als bei früheren Besuchen der OM Schiffe. Dennoch bleibt OM für die Kirche in Südkorea von Bedeutung. Dass Menschen in Südkorea Gott finden, dazu wird OM auch weiterhin einen unverzichtbaren Beitrag leisten. Es ist uns ein wichtiges Gebetsanliegen, dass die Christen in Südkorea Jesu Missionsbefehl befolgen und den unerreichten Völkern die Gute Nachricht verkünden – für das Reich Gottes und zu seiner Ehre.

Dr. Benjamin Youngkyu Lee gehörte zur Schiffscrew der MV Logos. Heute arbeitet er als Pastor in Südkorea und berät OM Südkorea. Er half, die Arbeit von OM in Südkorea und in den Vereinigten Staaten zu starten.



11 Von der Vision zur Realität

TeambuildingGeorge Verwer lag im hinteren Teil eines alten, arg mitgenommenen Lieferwagens auf Kisten voller Bücher und Material. Der Wagen war Teil eines OM Konvois von Europa nach Indien. Für George – immer energiegeladen und immer sehnlichst neue Einsätze erwartend – muss diese harte, zweimonatige Reise, auf der er meist sitzen oder liegen musste, eine reine Folter gewesen sein.

Die Reise erlaubte es ihm, viel nachzudenken. Dabei entstand eine Idee: Diese zweimonatige Folter war doch eine ungeheure Zeitverschwendung! Fliegen? Ja, aber wenn man bedenkt, wie viele Traktate man für den Preis eines einzigen Flugtickets kaufen könnte… Es musste doch einen anderen Weg geben.

Einige Monate später: George war nun wieder zuhause in England. Die Idee, mit einem Schiff zu evangelisieren, wurde geboren. In einer temperamentvollen Präsentation legte er dar, wieviel Geld gespart werden könnte, wenn Mitarbeitende und Güter mit einem Schiff zwischen England und Europa, ja bis nach Indien transportiert werden könnten. Auch andere OM Leiter warfen ihre Ideen, von humorvoll und irrwitzig bis machbar, in die Runde. Alle waren zwischen 20 und 30 und keiner von ihnen hatte auch nur ein bisschen Erfahrung mit Schiffen. Auch Geld für ein solches Unterfangen gab’s nicht. Aber George ließ sich nicht von seiner Idee abbringen. Er sprach immer über seine Vision, wenn er in Kirchen predigte. Und immer ermutigte er die Leute, dafür zu beten.

Ein Jahr verging, dann zwei. Reaktionen ließen nicht auf sich warten: Einige OMer brauchten harte Worte, die meisten davon waren negativ. Eine Reaktion jedoch kam von einem britischen Kapitän. Dieser unterstützte George bei Präsentationen in christlichen Versammlungen. Seine Anwesenheit verlieh dem Vorhaben mehr Glaubwürdigkeit.

Die Suche nach einem passenden Schiff für OMs eher ungewöhnlichen Dienst begann. Ein Strom professioneller Seeleute verpflichtete sich, ohne Bezahlung, auf einem Schiff zu arbeiten, welches noch nicht einmal existierte: Da war ein australischer Chefingenieur; ein norwegischer Erster Deckoffizier, der erst seit einem Jahr Jesus nachfolgte; und sogar ein junger arabischer Deckoffizier, der Jesus zu Beginn des Projektes noch nicht einmal kannte. 1970 waren bereits 15 professionelle Mannschaftsmitglieder an Bord – bildlich gesprochen.

Dann, ein Schock: Der britische Kapitän entschied sich nach viel Gebet, dass er für seinen Dienst als Kapitän eine Frist setzen müsse. Wenn Gott bis Ende August 1970 kein Schiff zur Verfügung gestellt habe, würde er sich aus dem Abenteuer zurückziehen.

Im September 1970, während der jährlichen OM Konferenz in einer zugigen, leeren Fabrik in London, sprang George aus seinem provisorischen Büro und rief: „Sie ist frei! Die Umanak steht zum Verkauf!“

Die Umanak war das dänische Schiff, für welches sich die OM Leiterschaft entschieden hatte. Eine nigerianische Firma hatte jedoch ein besseres Angebot für die Umanak gemacht. Dieser Handel kam schließlich nicht zustande und so war das Schiff wieder zu haben. Gott stellte dann auch das nötige Geld für den Kauf bereit.

Der britische Kapitän, der seine Frist auf Ende August gesetzt hatte, wollte seine Entscheidung nicht ändern, da er sicher war, dass sie von Gott erwirkt worden war. Er hatte eine wichtige Rolle im Projekt gespielt, lenkte das Schiff aber nie! Der norwegische Erste Offizier wurde an seiner Stelle Kapitän der Umanak.

OM gab dem Schiff einen neuen Namen: Logos. Das bedeutet in Griechisch ‚geschriebenes Wort‘ und wird in der Bibel für Jesus Christus gebraucht.

Nach dem Glauben kommt eine Entdeckung
Am 26. Februar 1971 verließ die Logos London und brach zu ihrer Jungfernfahrt nach Indien auf. Sie fuhr der afrikanischen Westküste entlang nach Süden und stoppte in mehreren Häfen, um Wasser, Lebensmittel und Treibstoff aufzunehmen. Der ein bis zwei Wochen lange Aufenthalt in jedem Hafen gab der Mannschaft eine Möglichkeit, Traktate zu verteilen, von Tür zu Tür zu gehen, Open-Air-Veranstaltungen zu organisieren, Schulen und Gemeinden zu besuchen und wann immer möglich auch andere Versammlungen durchzuführen. An Bord befand sich auch eine kleine Buchausstellung und ein Ort, wo sich christliche Leiter treffen konnten.

Als das OM Team an einem Sonntagmorgen von einem Kirchenbesuch in Kapstadt in Südafrika zurückkam, fanden sie eine Warteschlange von Leuten im Hafen, die bis zur Logos reichte. Was war das? Einheimische waren gekommen, um nach dem Gottesdienst das Schiff zu besuchen. Über 600£ wurden an diesem Tag für Bücher eingenommen. Das war das erste Mal, dass beim Verlassen eines Hafens alle Rechnungen aus Buchverkäufen gedeckt werden konnten.

Dies bewirkte eine Erleuchtung: Unsere Schiffsleute konnten Einsätze an Land machen, aber auch das Schiff selbst konnte eine Attraktion sein – eine Plattform für Einsätze, indem es Bücher zum Verkauf anbot, Schiffsführungen anbot, ein Lokal für Konferenzen offerierte und persönliche Kontakte mit der Mannschaft erlaubte.

Und so blieb es. Lange Warteschlangen vor dem Schiff wurden in den folgenden Monaten und Jahren normal. Die ursprüngliche Vision, Mitarbeiter und Fracht zu transportieren, wurde von einer viel größeren Vision ersetzt: Ein Schiff, das von Hafen zu Hafen die Gute Nachricht in die ganze Welt trägt und Sein Wort der Hoffnung zu Nationen jeder religiösen und politischen Überzeugung bringen würde. So begann die Schiffsarbeit!

Seit 1970 hat OM Schiffe:

  • vier verschiedene Schiffe besessen
  • 45 Millionen Leute an Bord willkommen geheißen
  • über 70 Millionen biblische Schriften verteilt
  • 150 Länder und 1470 Häfen besucht
  • 10 000 Mitarbeitende ausgebildet
  • mit über 60 000 Kirchen und Gemeinden Kontakt gepflegt
  • mehr als sechs Millionen Teilnehmende an Veranstaltungen an Bord willkommen geheißen
  • durchschnittlich 250 000 Kindern einen Schiffsbesuch ermöglicht
  • 38,5 Millionen Bücher verkauft
  • mit über 40 000 freiwilligen Helfern vor Ort zusammengearbeitet und
  • ungezählte Menschen zum Glauben an Jesus geführt

1961 arbeitete Elaine Rhoton mit ihrem Ehemann, Dale, der OMs Arbeit in der Türkei begann. Als es 1967 Visa-Probleme gab, mussten sie ihren Dienst in der Türkei aufgeben Stattdessen begannen sie Bibeln und christliche Literatur zu Christen in kommunistischen Ländern zu transportieren. 1975 übergaben sie diese Arbeit an andere und wurden Teil der Schiffsarbeit. 1978 kamen sie mit ihren Kindern an Bord der Doulos. Auch heute noch arbeiten die Rhotons für OM Schiffe.



10 Die Anfänge der Langzeit-Arbeit

TeambuildingNach einigen erfolgreichen Sommern sicherten sich evangelistische Kurzeinsätze ihren Platz als Herzstück der Arbeit von Operation Mobilisation (OM). Ziemlich schnell entwickelten sich die OM Einsätze in Ländern wie der Türkei oder Indien zu einer ganzjährigen Arbeit. Als George Verwer im Winter 1963 fragte, ob jemand dazu bereit wäre, für mindestens ein Jahr mit OM zu arbeiten, kam ein größeres Engagement zur Teilnahme auf. Die Vorbereitungen für die ersten Jahresteams wurden in Atherton, England, getroffen, und nach vier Wochen intensiven Trainings machten sich über 200 OM Mitarbeiter auf den Weg nach Europa, in die Türkei, den Libanon, nach Israel und Indien. Der Fokus von OM begann, sich in Richtung Langzeitmission zu verschieben.

Seit den Anfängen hat OM abhängig vom Bedarf Training angeboten. Für junge OM Mitarbeiter begann die Reise zur Langzeit-Verpflichtung mit dem Lesen von Büchern und dem stundenlangen Hören von Kassetten mit dynamischen Lehrern. Bücher wie „Das neue Erwachen“ von Roy Hession oder „Wahre Jüngerschaft“ von William MacDonald wurden schnell zu Klassikern, wie auch die frühen Bücher George Verwers, beispielsweise das „Literature Evangelism Manual“ von 1963.

Diese Materialien zu studieren, war verpflichtend für jeden, der die Sommereinsätze von OM besuchte, die mit einer einwöchigen Konferenz starteten, gefolgt von drei Wochen Evangelisation. Training und Vorbereitung brachten geistliche und praktische Bedürfnisse zusammen. „Bibelverse auswendig zu lernen war zentral, aber wir lernten auch Sätze in anderen Sprachen auswendig“, erinnert sich der Langzeit OM Mitarbeiter Asko Alajoki aus Finnland. „Ich kann aus diesen Tagen immer noch ein wenig Italienisch.“

Asko beteiligte sich an dem Sommereinsatz im Jahr 1968 und kam die darauffolgenden Sommer wieder, bis er sich 1972 schließlich dazu entschloss, einem Jahresteam beizutreten. „Manche Menschen kamen für die Sommereinsätze und gingen direkt danach zur Trainingskonferenz für das Jahresteam“, sagt er.

Trainiert und ausgerüstet
Von denjenigen, die einem Jahresteam beitreten wollten, wurde erwartet, dass sie an mindestens einem Sommereinsatz teilgenommen hatten, bevor sie sich auf den Weg ins Ungewisse machten. Drei bis vier Wochen Schulung wurden an verschiedenen Orten in England und Belgien angeboten, bis eine alte Papierfabrik in Zaventem, Belgien, in den europäischem Hauptsitz von OM verwandelt wurde.

Die Tage waren voll: Es gab Einheiten über Jüngerschaft, Leiterschaft und Teamwork, Bibelarbeiten und Gebet. „Die Lehrer waren OM Mitarbeiter und Pastoren auf Besuch, die entweder speziell eingeladen wurden oder einfach vorbeigekommen waren“, erzählt Asko. „Wir haben in kleinen Gruppen gearbeitet und uns getroffen, um alltägliche Themen zu diskutieren. Natürlich haben wir auch den Abwasch gemacht und gemeinsam mit unseren Leitern, die die Verantwortung für unsere kleinen Teams trugen, geputzt. Wir haben uns um alles selbst gekümmert. In diesem Sinne gab es keine Mitarbeiter.“

Neben der geistlichen Vorbereitung wurden im Unterricht und im Training auch Tipps für den Alltag und praktischen Fertigkeiten vermittelt. „Wir hatten sogar interne OM Führerscheine. Wir mussten erst testen, ob die Menschen wirklich fahren und sich um die Autos und Lastwachen kümmern konnten“, sagt Asko.

Vertrauen auf den Allmächtigen
Ein Bestandteil der Konferenz war eine Ausstellung all der Länder, in die die Teilnehmer gehen konnten, gekoppelt an persönliche Interviews. „Wenn man auf die Trainingskonferenz kam, wusste man nicht, wohin man als Nächstes gehen würden. Ich habe darauf gehofft, in den Nahen Osten zu gehen, aber da ich die nötigen Sprachkenntnisse nicht aufweisen konnte, wurde ich nach England geschickt, wo unser Team mit Immigranten arbeitete“, erzählt Asko von der Erfahrung mit seinem ersten Jahresteam. Es ging darum, mit der Haltung eines Jüngers zu kommen, um zu dienen und auf Gottes Plan zu vertrauen. Nach den Interviews schickten die Leiter die Menschen, je nach ihren Fähigkeiten und Bedürfnissen, zu verschiedenen Jahresteams.

Ein anderer Vertrauenstest waren die Finanzen. „Nach den Sommer-Kampagnen und dem Kauf der ganzen Literatur war im Prinzip jeder pleite. Wir wurden darum gebeten, solange zu beten, bis wir das Geld zum Reisen hatten. Die Teams konnten nicht gehen, bevor das Geld reingekommen war“, erklärt Asko. Aufgrund dessen ging die Konferenz manchmal länger, aber mit Sicherheit brachte es die Teilnehmer dazu, zu beten, und Beziehungen wurden vertieft.

Die Jahresteams bahnten einen Weg für diejenigen, die länger in OM blieben. Nach seinem ersten Jahr in England, gefolgt von einigen Jahren in Indien, ist Asko mittlerweile seit über 40 Jahren Teil von OM. „Das war für mich ein guter Platz vom Geistlichen her, und ich hatte immer tolle Herausforderungen“, erklärt Asko seine lange Reise in der Mission. „Nachdem ich mein Studium in Finnland beendet hatte, hielt mich nichts mehr zurück, und Gott hat mir diese Missionsorganisation aufs Herz gelegt“.

Auch heute noch rüstet OM die Neueinsteiger mit derselben Einstellung aus. Die meisten der schätzungsweise 3300 Langzeit OM Mitarbeiter haben eine GO Konferenz (GO=global orientation) hinter sich, die sicherstellen soll, dass sie sowohl geistlich als auch praktisch vorbereitet sind. Trotzdem kann natürlich jeder erst durch wirkliche Erfahrungen verstehen, was es braucht, um lebendige Gemeinschaften von Jesus-Nachfolgern unter den am wenigsten Erreichten zu sehen.

Tatu Kekkonen ist Journalist und kreativer Künstler aus Finnland. Mit allem, was er tut, möchte er den Schöpfer widerspiegeln.



09 Türken finden zu Jesus – die Geschichte des BKK

TeambuildingAls 1961 die ersten beiden OMer in der Türkei ankamen, waren keine Gläubigen mit muslimischem Hintergrund bekannt. Voller Leidenschaft dafür, dass Türken zu Jesus finden, wurden diese beiden OMer von Kurzeinsatzteams unterstützt. Sie verkauften christliche Literatur von Tür zu Tür und nachts „verloren“ sie Flyer auf der Straße, in der Hoffnung, dass diese am Morgen von jemand gefunden würden. In den 1960ern wurde so jährlich eine halbe Million Schriften verteilt.

Die Zeitungen im Land erfuhren davon und prägten den abfälligen Ausdruck „Hrıstiyan propagandası“ (christliche Propaganda). Unter fetten Schlagzeilen im eher verleumderischen Teil der Presse erschienen oft Bilder der Anstoß erregenden Schriften, inklusive lesbarem Text und Kontaktadresse. Das erweiterte völlig unerwartet den Wirkungskreis dieses Einsatzes beträchtlich.

Zur Überraschung der ersten OMer reagierten anfangs nicht Muslime, sondern Jugendliche mit christlichem Hintergrund, die Gott kennenlernen wollten. Innerhalb weniger Jahre gab es eine wachsende Gruppe von ihnen, aber OM hatte kein biblisches Material um sie oder andere, die sich aufgrund der verteilten Literatur meldeten, auszurüsten. Darum übersetzten sie einen einfachen Bibelkorrespondenzkurs der Emmaus Bibelschule aus den USA. Das war die Geburt des Bibelkorrespondenzkurses (BKK).

Rasch wurde den OMer klar, dass sie den Kurs an sich verwenden konnten, um Menschen evangelistisch zu erreichen. Kurzeinsatzteilnehmer und eifrige junge Christen verschickten regelmäßig Angebote für diesen kostenlosen Kurs, die Adressen suchten sie aus öffentlichen Telefonbüchern. Anlässlich eines Feiertags steckten einige der jungen Leute tausende Kursangebote in Umschläge und verschickten sie inmitten der Masse von Feiertagspost. Wenige Tage danach lautete die Schlagzeile der türkischen Zeitung Hürriyet: „Christliche Propaganda überrollt Stadt!“ Als der Leiter zu seinem Postfach ging, um die eingegangenen Antworten zu holen, wurde er verhaftet. Die Gemüter waren so erhitzt, dass der Staatsanwalt bei der Verhandlung vom Richter die Todesstrafe forderte.

Inzwischen ist der Bibelkorrespondenzkurs schon fast so alt wie OM und hat sich über die Jahrzehnte vergrößert. Dave W., über zwei Jahrzehnte Leiter des BKK, erinnert sich an die dramatischen Veränderungen Ende der 1980er: „Ich hatte versucht, Anzeigen für den BKK in Zeitschriften und Zeitungen zu platzieren, aber es wurde immer abgelehnt. Schließlich war ein linksgerichtetes Magazin bereit, das Inserat abzudrucken, das heute noch die meisten Antworten hervorruft. Da steht: „Haben Sie schon mal das Neue Testament gelesen? Schreiben Sie uns, wenn Sie mehr über Jesus Christus, sein Leben und seine Lehre wissen möchten.“ Das Magazin gestaltete selber das Inserat: ein großes Kreuz, aus dessen oberem Ende die Sonne hervorbrach.“

Es gab eine Welle von positiven Rückmeldungen. Daraufhin war eine landesweite Zeitung bereit, das gleiche Inserat zu bringen. Dave und seine Frau, die den BKK damals von ihrem Zuhause aus betrieben, waren völlig überrascht, als wöchentlich mehr als 200 Anfragen ankamen.

Diese große Resonanz hielt jahrelang an und bedingte eine andere Vorgehensweise, die das ganze Land veränderte. Dave konnte nicht mehr selbst zu jedem im Land kommen, der einen Besuch wünschte. Darum sprach er überall mit den Gemeindegründern, die treu das Evangelium an ihre Freunde und Nachbarn weitergaben, aber wenig Frucht sahen. Er ermutige sie, sich der Aufgabe der Nachbetreuung von denen zu stellen, die aus ihrer Nähe geschrieben hatten.

Die Folgen waren gewaltig: Umfragen haben ergeben, dass fast die Hälfte der 7000 Gläubigen in der Türkei ihre geistliche Reise auf den Bibelkorrespondenzkurs zurückführten. Das war das Ergebnis der Partnerschaft von mutigem Evangelisieren des BKK und treuer Nachbetreuung der Gemeinden und Gemeindegründungsteams.

Das Potenzial eines Menschen
Achmet war ein Mann aus dem Südosten, der dem BKK schrieb und einen Besuch erhielt, aber seine Beweggründe waren nicht geistlich. Er suchte nach einem Weg, das Land zu verlassen und dachte, dass die Christen ihm helfen könnten. Er heuchelte Interesse, beendete den ersten Kursteil und bat um einen Besuch. Achmet lacht, wenn er daran denkt: „Ich wartete auf jemand, der einen Anzug trägt und aus einem Mercedes aussteigt; stattdessen kam da ein Ausländer in zerrissenen Jeans mit dem Bus!“

Achmet war enttäuscht, als es kein Angebot von Geld oder einer Fahrkarte ins Ausland gab. Also, dachte er, muss ich den ganzen Kurs beenden. Bald drang die Botschaft des Evangeliums in sein Herz und er wartete immer ungeduldig auf die neuen Unterlagen und die gelegentlichen Besuche von Dave. Schließlich übergab Achmet Jesus sein Leben und damit auch seine Pläne, das Land zu verlassen. Heute ist er Pastor der größten Gemeinde im Südosten und ist verantwortlich für die BKK Nacharbeit in vier Nachbarprovinzen.

Der BKK beschreitet inzwischen neue Wege und benutzt Internetanzeigen, Facebook, Twitter und Straßenevangelisation, um die Botschaft von Christus weiterzugeben. Aber die Vision bleibt die gleiche: Der BKK setzt sich für dynamische Gemeinschaften von Jesus-Nachfolgern unter den am wenigsten Erreichten in der Türkei ein.

Aylin Mardin arbeitet seit über 30 Jahren mit OM in der Türkei. Sie war in drei Städten an der Gemeindegründung beteiligt und landesweit an der Entwicklung von türkischen Anbetungsliedern. Gemeinsam mit ihrem Ehemann hat Aylin mitgearbeitet, den Bibelkorrespondenzkurs zu entwickeln, der schlussendlich zu anderen Diensten geführt hat, wie das Projekt 1881 oder Taco, mit dem das Evangelium auf kreative Art Muslimen verkündet wird.



08 Gottes Schlupfloch im Eisernen Vorhang

TeambuildingGlenn*, Dale Rhoton and Stuart McAllister sahen, wie dringend die verfolgten Christen und die unerreichten Menschen hinter dem Eisenern Vorhang Bibeln benötigten und ließen sich davon antreiben, Bibeln zu schmuggeln. Voller Staunen über Gottes Eingreifen reflektieren sie über Erlebtes, das ihren Glauben wachsen ließ, die Vision von OM prägte und an schwierigen Orten Leben veränderte.

Finger, die nichts fühlten
Voller Aufregung und Angst folgten Glenn* und ein Freund 1982 Gottes Aufforderung, christliche Literatur in die Sowjetunion zu bringen. Sie hatten 52 Bücher mit Klebeband am Körper befestigt und waren so auf dem Weg zur russischen Grenze.

„Fünf Männer hielten ihre Maschinenpistolen auf mich gerichtet”, berichtete Glenn. „Mein Herz pochte.” Glenn begann, unter seinen dicken Winterklamotten zu schwitzen, und merkte gleichzeitig, wie sich das Klebeband löste. „Ich dachte, einige der Bibeln würden aus meinen Hosen herausfallen”, erklärte Glenn. „Aber ich sagte meiner Seele immer wieder: In Jesu Namen, diese Bibeln können nicht entdeckt werden.“

Ein Grenzwächter durchsuchte den jungen Amerikaner und tastete seinen ganzen Körper ab. Er begann bei den Knöcheln. „Ich spürte, wie er die Bibeln in mein Fleisch drückte”, erzählte Glenn. „Dann kam mir der folgende Gedanke: Das Wort wurde Fleisch.” Als der Grenzwächter Glenns Bauch rundherum abtastete, schaute dieser aus dem Fenster und betete innerlich. Er wusste nicht, was passieren würde und musste daran denken, dass ihm ein sibirisches Arbeitslager bevorstehen könnte. Schließlich kam der Grenzwächter an Glenns Kopf an und sagte: „Sie können gehen.” „Das war das erste Wunder, das ich erlebte”, betonte Glenn. „Es veränderte mein Leben, gab ihm eine neue Richtung. Ich bekam dadurch eine besondere Liebe für Menschen in der ehemaligen Sowjetunion.”

Glenns Trip wirkte wie ein Katalysator: Er schloss sich Greater Europe an, dem Bibelschmugglerteam von OM. Später initiierte er eine Arbeit in Russland. Beim Transport zehntausender christlicher Publikationen erlebte er Wunder über Wunder.

„Wenn du das erlebst, dann wird dein Leben nie mehr dasselbe sein”, erklärte Glenn, der heute immer noch für OM arbeitet. „Unser Gott kann alles!”

Augen, die nichts sahen
Die Vision, Bibeln zu schmuggeln, entstand als der Mitgründer von OM, Dale Rhoton, Pastor Richard Wurmbrand im kommunistischen Rumänien traf. Das war im Jahr 1964, kurz nachdem der Pastor aus dem Gefängnis entlassen worden war. Dale versuchte herauszufinden, bei welchem der Männer in der Wohnung es sich um Richard Wurmbrand handelte. Wer sah so aus als hätte er 14 Jahre im Gefängnis verbracht? Er ließ seinen Blick schweifen, konnte ihn jedoch nicht ausmachen. Er fragte seinen Sitznachbarn, der „… auf einen Mann zeigte, dessen Gesicht leuchtete”, erzählte Dale. „Seine Begeisterung, seine Hingabe und seine Bereitschaft, das eigene Leben erneut zu riskieren, überwältigten mich.”

Im Nachhinein erfuhr Dale, dass der Pastor leiden musste, weil er verraten worden war. Während eines späteren Besuches begrüßte ein Mann Richard herzlich. „Sie umarmten sich und küssten sich so, wie das in Rumänien üblich ist”, erinnerte sich Dale. Sie gingen weiter und Dale merkte an: „Das ist ja interessant: Er heißt genau wie der Mann, der dich verraten hat.”

„Rhoton! Wir machen alle Fehler!”, gab Richard eindringlich zurück.

„So ließ er den Mann ziehen, der ihn verraten hatte!”, erzählte Dale überwältigt. „Seine Gefängniszelle war kein angenehmer, warmer Raum – er wurde dort gefoltert. Er zeigte uns Stellen auf seinem Rücken, an denen man ihm das Fleisch herausgerissen hatte.”

Das Zeugnis von Pastor Wurmbrand und der starke Wunsch der gläubigen Christen, unbedingt eine Bibel zu erhalten, auch wenn sie dafür einen hohen Preis bezahlen mussten, spornten Dale an. Und so startete er 1968 Greater Europe. Normalerweise versteckten sie Bücher in umgebauten Lieferwagen. Einmal nahm Dale jedoch einfach nur vier Koffer mit in einen Zug nach Bukarest. Die Taschen der anderen Passagiere wurden durchsucht, aber keiner schenkte seinem Gepäck Beachtung. „Als ich die Bibeln überbrachte, war der Gläubige vor Ort erstaunt, wie viel da drin war”, erzählte Dale.

Ein verändertes Herz
„Gute Literatur ist grundlegend notwendig für ein gutes, gelingendes Leben”, erklärte der ehemalige OM Leiter Stuart McAllister. Seine Überzeugung führte dazu, dass er wegen seiner Aktivitäten im Rahmen von Greater Europe ab 1978 mehrmals Gefängnisstrafen verbüßen musste.

Stuart und drei OM Mitarbeiter verbrachten 40 Tage in einem Gefängnis in Jugoslawien. „Wir waren erstaunt, wie wichtig es den anderen war, uns kennenzulernen”, erinnerte sich Stuart. Freundschaften entstanden und sie erzählten von ihrem Glauben. „Wir benutzten Symbole und kommunizierten holprig mit den wenigen Wörtern, die wir kannten, um den Menschen Christus zu bringen”, sagte Stuart. „Besonders ein Mann zeigte, dass er im Herzen berührt war.”

Stuarts Ehefrau Mary war bei einem der ersten OM Einsätze im postkommunistischen Albanien dabei. Während eines Bergmarsches übersetzte Burim*, der einheimische Führer der Gruppe. Mary erzählte von Versuchen, Gottes Wahrheit im kommunistischen Albanien zu verbreiten. Sie berichtete, wie sie Bibeln wasserdicht in Tüten verpackt hatten, um sie dann in den Fluss zu werfen. Die Bibeln trieben mit der Strömung flussabwärts von Griechenland und Jugoslawien nach Albanien hinein. Da meldete sich Burim zu Wort. Er war früher bei der Geheimpolizei. Wenn er Bibeln fand, sammelte er sie ein und zerstörte sie. Weil er neugierig war, las er darin. Zunächst bewirkte das jedoch nichts bei ihm. Nach der Öffnung Albaniens hörte er Christen predigen, unter anderem auch OM Mitarbeiter. Er entschied sich, Jesus nachzufolgen.

„Als ich sein Zeugnis hörte, pries ich Gott!”, erzählte Stuart, der später Burim kennenlernte. „Es freute ihn sehr, zu wissen, dass ihm Gott selbst in dieser Phase seines Lebens seine Hand reichte.”

25 Jahre nach dem Ende des Kommunismus in Mittel- und Osteuropa gibt es in vielen dieser Länder OM Teams. Sie nutzen es, dass sie größere Freiheit haben. Ein OM Dienstzweig verlegt und produziert Literatur in gedruckter und digitaler Form und bringt den Menschen damit Hoffnung. Wurmbrands Buch „Gefoltert für Christus” gehört zu den Titeln, die sie herausbringen.

„Es gibt so viel Orte, an denen wir helfen, geben oder arbeiten können”, stellte Stuart abschließend fest. Die große Frage für uns alle: Wer oder was besitzt unser Herz?”

*Name geändert

Inger R. liebt es, Menschen eine Stimme zu geben, indem sie ihre Geschichten erzählt. Sie schreibt für das EurAsia Support-Team (OM EAST). Sie kommt aus Schottland, ist Halb-Dänin und liebt Zeichnen und Schlagzeugspielen. Sie trinkt gerne kräftigen, britischen Tee, den sie gerne mal verschüttet, weil sie so sehr lachen muss.



07 Kein Risiko zu groß, keine Idee zu verrückt

In Museen findet man nur wenig Zeugen der OM Geschichte. Darum ist es auch nicht überraschend, dass nur Wenige dem Plastiksack, vollgestopft mit Literatur, im „Museum des Atheismus“ in Albanien die Bedeutung beimessen, die er verdient. Für die unerschütterlichen OMer, die während der kommunistischen Epoche mit dabei waren, zeigt er die verrückte Entschlossenheit, die Gute Nachricht hinter den Eisernen Vorhang zu bringen.

Dieser wasserdichte Plastiksack mit einem Neuen Testament und christlicher Literatur sollte von der „richtigen Person“ aus dem Fluss gefischt werden, blieb aber in einem Drahtgitter hängen. Dies war vielleicht nicht die effektivste Methode, aber zeigt die Bereitschaft der OM Teams, für die Gute Nachricht überall hin zu gehen und jede Methode auszuprobieren.

Kein Risiko schien zu gross, keine Idee zu verrückt: Für 60 Jahre war OM Zeuge, wie OMer der Guten Nachricht total verpflichtet waren. Während der kommunistischen Epoche, betrieb OM eines der grössten Bibel- und Literaturschmuggel-Netzwerke hinter dem Eisernen Vorhang.

Diese Aufgabe war nur für Menschen, die bereit waren, Gott absolut zu vertrauen. Sie fühlten sich verpflichtet, die unterdrückte und verfolgte Kirche in Osteuropa zu unterstützen, sie waren bereit, jeden Preis zu bezahlen.

Drastische Methoden
Während einige Initiativen – wie zum Beispiel Plastiksäcke in Flüssen oder das Verteilen von Literatur mittels Wetterballon – keinen grossen Erfolg hatten, wurden speziell umgebaute Ford Transit Lieferwagen zum üblichen Standard.

In seinem Buch Stones of Remembrance, erzählt der ehemalige OM Leiter David Babcock, dass Grenzwächter Reisende normalerweise fragten: „Haben sie Waffen, Drogen oder Bibeln?“ Dass die Bibel mit anderer Schmuggelware als gefährlich eingestuft wurde, zeigt, dass die Sowjets realisierten, dass die Bibel eine Gefahr für ihre Ideologie sein könnte. Die Kommunisten wussten, dass dieses Buch ihrer Kontrolle über die Leute schaden könnte. Darum versuchten sie, Bibeln im ganzen Sowjetblock systematisch einzusammeln und zu zerstören.

Die Verwendung von Transit Lieferwagen war ein immenses Risiko und brachte alle, die damit zu tun hatten, in grosse Gefahr. Gründliche Grenzkontrollen und viele Straßensperren machten ein Verhör oder sogar eine zeitweilige Inhaftierung zu einer realen Gefahr.

„Ich bebte“, erinnert sich Robert*, ein OM Mitarbeiter, als er erzählte, wie er Ungarn nach einer Lieferung von Literatur verlassen wollte. Auch ein leerer Kastenwagen war gefährlich, wenn die eingebauten Verstecke entdeckt würden. „Zitternd betete ich, als ich mich der Grenze näherte. Ich war nahe daran, alles zu verraten, während ich dem Grenzwächter zögernd meinen Pass reichte. In dem Moment ging ein Alarm los. Der Pass wurde mir genau dann, als ich ihm alles erzählen wollte, zurückgegeben.“ Eine weitere Geschichte in Davids Buch erzählt von einem kühnen, jungen Mann, der ganz allein 15 Koffer voller Bibeln mit dem Zug von Deutschland nach Bulgarien brachte. Er schleppte sie über den Bahnsteig und füllte damit einen ganzen Wagen, den er, ohne erwischt zu werden, einer Familie in Sofia übergab.

Es existieren zahlreiche ähnliche Berichte. Gott half durch Wunder, ließ die Grenzwächter für die Schmuggelware blind werden oder ließ Bohrmaschinen abbrechen, um zu verhindern, dass die Wächter zu den Verstecken voller Literatur vordringen konnten.

Während die meisten Teams die Grenzübertritte ohne grosse Probleme überstanden, war es nicht in Gottes Plan, dass dies allen gelang. Ausweisung und Eintrag in Schwarze Listen war für die meisten die Strafe, wenn sie erwischt wurden. Einige wurden aber viel härter bestraft, zum Beispiel mit mehreren Monaten Gefängnis.

Perfekte Zusammenarbeit
Bis zum heutigen Tag respektieren sich die OM Schmuggler und die Untergrundgemeinden. „Zu unserer Verwunderung wurden wir von unseren osteuropäischen Kontakten auf ein Podest gehoben, aber wir lernten auch, was es für sie bedeutete und in welche Schwierigkeiten es sie bringen könnte“, erzählte Robert. „Ich erinnere mich, wie eine Pfarrfrau ihre Freiheit andauernd riskierte. Ihr Ehemann war damals schon im Gefängnis wegen seiner Kontakte mit Untergrundgemeinden. Sie wusste, dass ihre Wohnung mit Abhörgeräten versehen war, trotzdem war sie bereit, weiterzumachen!“

„Wir logen nie“, bestätigt Robert, als er darlegte, wie sich die OM Teams strikter biblischer Rechtschaffenheit bedienten. „Es war aufregend zu wissen, dass das, was wir taten, moralisch auch richtig war. Natürlich beantworteten wir Fragen sehr vorsichtig, aber gelogen haben wir nie! Wir waren gut geschult, wussten, was wir zu erwarten hatten, und was wir tun müssten, falls wir erwischt würden.“

„Wir lasen die Bibel zusammen und hatten wunderbare Gebetsgemeinschaften“, erzählte Robert. „Wir beteten immer bis Mitternacht, bevor wir eine Grenze überschritten und sahen Gottes Antwort – richtige Gebetserhörungen in wöchentlicher Regelmäßigkeit.“

„Wir hatten keine Ahnung, was für Auswirkungen unsere Arbeit haben würde, aber wir wussten, was wir zu tun hatten, bis Gott die Türen schließen würde“, berichtete Sharon, ein weiteres Teammitglied von OM.

„Es war riskant, aber die Christen, die die Untergrundgemeinden leiteten, trugen ein viel größeres Risiko“, glaubt Gary Sloan, der in den Neunzigerjahren der erste Leiter von OM Russland wurde. „Wie schlimm wir auch behandelt werden konnten, viel Schlimmeres würde einheimischen Christen bevorstehen. Die osteuropäischen Gemeinden waren die wirklichen Helden.“

Geh überall hin und tue, was nötig ist, dass jeder Mensch die Gute Nachricht wenigstens einmal hört! Dieser Wert sitzt auch heute noch tief in jedem OM Team, sei es durch Nothilfe in Kriegsgebieten oder durch das Bringen von Bibeln in schwer erreichbare Gegenden, OM Teams tun ihr Bestes!

*Name geändert

Der Schotte Kris Johnstone arbeitet als Autor und Editor für das Global Magazine von OM UK. Früher war er als Copywriter für die Werbebranche tätig. Er liebt Essen, Reisen, Kunst, Surfen und die Jugend näher zu Jesus zu führen.



06 OMs frühe Tage in Indien

TeambuildingJeden Tag treffen Millionen von Menschen Fremde und entdecken Gemeinsamkeiten. Jedoch haben wenige Treffen so starke Auswirkungen, wie die Begegnung von Thomas Samuel aus Indien und George Verwer in Europa. Thomas Samuel betete, dass Gott Indien auf sein Herz lege.

Als Ergebnis bildete sich im Jahr 1963 eine kleine Gruppe, die über Land nach Indien reisen wollte. Als Greg Livingstone anmerkte, dass er nicht wisse, wo Indien liege, entgegnete George Verwer: „Gehe nach Osten – du kannst es gar nicht verfehlen!“. Genau dies tat die kleine Gruppe dann auch. Wortwörtlich hatten sie eine „40 Tage und 40 Nächte“-Erfahrung, die ihren Glauben so stärkte, dass er ihrer Vision entsprach.

Die Überlandreise
OM-Pionier Frank Dietz erinnert sich an seine erste Reise: „Gordon Magney und ich waren in Spanien, als Dale Rhoton eine Vorbereitungsreise nach Indien machte, um alles für ein Team vorzubereiten, das die zu dieser Zeit dortigen 50 Millionen Muslime erreichen sollte. Gordon und ich wollten zu diesem Team gehören. Andere reisten schon vor uns nach Indien. Wir machten uns im November auf den Weg und stoppten immer wieder unterwegs, da wir das Evangelium auch in Jugoslawien, Bulgarien, der Türkei, in Afghanistan und in Pakistan verkündeten.“

In Bulgarien gaben Gläubige den Männern nicht nur Geld, sondern hießen sie auch in ihren Häusern willkommen, versorgten sie mit Essen und einem Platz zum Ausruhen. In der Türkei wurden sie oft von den Behörden beim Verteilen von Literatur aufgehalten.

„Als wir ein kleines Dorf verlassen wollten, blieben wir in einer Schneewehe stecken. Fünf Männer kamen, um uns zu helfen. Jeder verlangte dafür $5, aber wir hatten gerade mal $35, die wir beim Verkauf von Büchern in der Schweiz eingenommen hatten“, erzählt Frank Dietz. „Als sie in unseren Kofferraum schauten entdeckten sie Pelzmäntel für Frauen im Stil der 1930er, die wir als Teppiche verwendeten.“

Nachdem sie die Mäntel an die Männer verkauft hatten, reisten sie in den Iran, wo ein Geschäftsmann ihnen zwei Brüder aus England vorstellte. Die beiden waren auf ihrem Weg zu einem hinduistischen Ashram (klosterähnliches Meditationszentrum). „Uns widerstrebte der Gedanke, sie mitzunehmen, aber wir sagten ihnen, dass sie an den Morgenandachten, die wir als Team hielten, teilnehmen müssten“, sagt Frank. „Eines Tages trafen diese Brüder eine Entscheidung für Jesus und traten unserem Team in Indien bei. Einer wurde schließlich Missionar und der andere Pastor.“

Die Gruppe traf am 1. Januar 1964 in Indien ein, nachdem sie bei Frosttemperaturen ohne Heizung gefahren waren. „Es war ein Wunder, das wir das geschafft haben“, meint Frank Dietz.

„Was ich aus all dem gelernt habe? Erstens, dass Gott möchte, dass seine Kinder mehr Risiken eingehen, und zweitens, dass Gott treu ist. Was mit einem halben Dutzend Mitarbeitern aus dem Westen und zwei kaputten Lastwagen angefangen hat, wurde zu einer Bewegung, die Millionen mit dem Evangelium erreichte und die Schiffsarbeit ins Leben rief. Probleme, die aufkommen, sind oft noch nicht entdeckte Chancen.“

Überlandreisen durch Europa und Asien in dafür vorbereiteten Kleinbussen setzten sich über die nächsten 15 Jahre fort.

Teamleben in Indien
Von Beginn an waren OMs größte Bemühungen darauf gerichtet, an der Seite von indischen Gemeinden zu arbeiten – eine radikale Abweichung der herkömmlichen Herangehensweise westlicher Missionare. Alle ausländischen Teammitglieder waren ihren indischen Brüdern und Schwestern gleichgestellt, deren Entwicklung in Leiterschaft überragend war. Von Commonwealth-Bürgern erwartete man, dass viele sich dafür entscheiden würden, in Indien zu dienen. Denn schließlich konnten sie sehr leicht ein Visum erhalten und ein ausländisches Auto importieren und damit in Indien fahren. Meistens waren dies große Lastwagen, die mit Vorräten und Literatur vollgestopft waren. Aber „ausländischer Mitarbeiter“ konnte im Prinzip genauso für indische Teammitglieder eingesetzt werden, die vom Süden in den Norden geschickt wurden: Es war eine völlig interkulturelle Erfahrung, die genauso viel Demut und Opferbereitschaft von ihnen forderte wie von den westlichen Mitarbeitern.

Es gab schwierige Zeiten, in denen Teammitglieder, die das Evangelium in muslimischen Gebieten verkündeten, oft aus der Stadt gejagt wurden. Aber da war auch ein muslimischer Ladenbesitzer, der ein Neues Testament kaufte und las. Er begann, die Kirche zu besuchen, und verwandelte seinen Laden in eine Verkaufsstelle für Bibeln und Literatur, die tausende von Menschenleben berührte.

Ein anderer ehemaliger Muslim, Ghulam Rasool Bhatt, schrieb: „Sie kamen wie ein Wirbelwind, hielten Predigten unter freiem Himmel … sie verkauften evangelistische Literatur, während sie von Laden zu Laden gingen. Einer meiner Angestellten brachte mir ein Paket mit Büchern. Aus Neugier begann ich, zu lesen … ich war auch in Kontakt mit einem westlichen Missionar und nach einigen Gesprächen nahm ich Jesus Christus an.“

Innerhalb von drei Jahren waren 30 Millionen Bücher und Traktate von Hand weitergegeben worden, viele davon wurden direkt in Indien hergestellt. Teams hatten die meisten Bundesstaaten besucht und die Bewegung wurde von Indern geleitet. 1967 gab es schon 50 OM Mitarbeiter, die sich für die Langzeitmission verpflichtet hatten. Verschiedene Teams konzentrierten sich auf persönliche Zeugnisse, die Verteilung von Literatur und Bibelfernkurse.

Teams mit Mitarbeitern aus dem Westen wurden in heiklen Gebieten oft von der Polizei gestoppt. Deshalb waren sie vorbereitet, respektvoll und doch selbstbewusst aufzutreten sowie Gandhi zu zitieren, der sagte: „Ich soll zu den Hindus sagen, ihr seid nicht vollkommen, bis ihr die Lehren Jesu ehrfurchtsvoll studiert habt.“ Dies, das machten sie in aller Aufrichtigkeit geltend, war die treibende Kraft ihrer Arbeit.

In den folgenden Jahrzehnten vergrößerte sich die Arbeit in Indien stetig. 1988 wurde den Leitern in Indien klar, dass sie auf die Abermillionen von verzweifelten armen und ausgegrenzten Menschen reagieren mussten.

Der Arbeitsbereich „The Good Shepherd” (Der Gute Hirte), der Armut durch Bildung und Ausbildung in der niedrigsten Gesellschaftsklasse (den Dalits) mildern wollte, breitete sich schnell aus. In Partnerschaft mit anderen Organisationen konnte OM medizinische Kliniken, englischsprachige Grundschulen, Literaturkurse für Erwachsene, Berufsausbildungen, kaufmännische Ausbildungen und vieles mehr etablieren.

In dieser Zeit wurde es offensichtlich, dass die Gebete aus vielen Jahrzehnte für eine landesweite einheimische Kirche erhört wurden. Das OM Team passte seine Tätigkeiten und seinen Auftrag dementsprechend an und wurde schließlich für das kommende Jahrhundert zu einer unabhängigen, einheimischen kraftvollen Missionsorganisation.

Greg Kernaghan arbeitet schon seit 1978 mit OM. Zu jener Zeit waren die OM Pioniere in Leitungspositionen und die Geschichten der ersten Abenteuer konnte man noch aus erster Hand hören. Greg und seine Frau Anni dienten auf dem Schiff, in Finnland, in Kanada und als Teil des internationalen OMNI Teams (Kommunikation).



05 Pioniere und Eisbrecher im Mittleren Osten und Nordafrika

TeambuildingOMs Arbeit in der Region Mittlerer Osten/Nordafrika (MENA), einem Gebiet mit 21 Staaten, begann 1962, als eine Handvoll Mitarbeiter in einem alten Lastwagen ums Mittelmeer fuhren. „Von Madrid aus ging es nach Gibraltar, mit der Fähre nach Tanger und dann langsam durch Marokko, Algerien, Tunesien, Libyen, Ägypten, Jordanien, Libanon und Syrien. Danach direkt zurück nach Frankreich für den ersten größeren OM Sommereinsatz“, erinnert sich Nancy*, eine langjährige OMerin.

Während dieser Reise verteilte das Team Flyer für die damalige Nordafrikamission (NAM), in denen deren Bibelkorrespondenzkurs mit Sitz in Tunesien angeboten wurde. Die daraus folgenden Reaktionen – NAM wurde mit hunderten Briefe überschwemmt – führten dazu, dass die NAM Mitarbeiter aus Tunesien ausgewiesen wurden und nach Südeuropa umzogen, von wo aus sie ihre Arbeit fortsetzten.

Als ein anderes Ehepaar in Jordanien von den Auswirkungen von OMs Verteilaktion hörte, wollten sie nicht, dass der OM Lastwagen zu ihnen kam. Aber bei seiner Ankunft luden sie das Team ein, in ihrem Haus zu wohnen. „Eine Frage der Schadensbegrenzung“, erklärte Nancy.

Die OMer freuten sich über die Gastfreundschaft, aber sie verbrachten die ganze Nacht im Gebet auf dem Dach. Zutiefst betroffen vom Engagement des Teams wurde das Ehepaar später selber Teil von OM. Drei Jahre später wurde der Ehemann Leiter von OMs Arbeit in der arabischen Welt.

Pioniere und Eisbrecher
“Ein ganz wichtiger Aspekt von OMs Arbeit in arabischen Ländern ist, dass wir an vielen Orten Pioniere und Eisbrecher waren”, stellt die langjährige OMerin Clara* fest, die 45 Jahre in der arabischen Welt lebte. „Wir hatten auch viele gemischte Teams mit arabischen Gläubigen und allen möglichen anderen Nationalitäten!“

1963-1970 gab es kleine Teams im Libanon und in Jordanien, die Arbeit in Israel begann 1964. 1966 verteilte ein Männerteam von Jordanien aus Literatur in Syrien, dem Irak und Kuwait.

Bei einer Reise nach Kuwait musste sie ihr Fahrzeug ausräumen, weil einige Beamte dort Drogen vermuteten. Als alle Bücher konfisziert wurden, fuhr das Team nach Kuwait-Stadt weiter, doch ihre geplante Einkommensquelle für den kommenden Monat war verloren. In dieser Nacht beteten die Männer um vier konkrete Dinge: einen Ort zum Wohnen, die Freigabe der Bücher, die Erlaubnis von der Freikirche am Ort für ihren Einsatz, und dass sich die politische Situation in Kuwait beruhigen würde. Am folgenden Tag bekamen sie ihre Bücher zurück und die Gemeinde erlaubte ihnen, dort zu bleiben und ihren Einsatz durchzuführen.

„Weil sie kein Geld hatten, verkauften manchen von ihnen ihr eigenes Blut, um danach wieder Bücher zu verkaufen“, erinnert sich Clara, deren Ehemann Teil des Teams war. Die Bücher verkauften sich gut und die Männer konnten einen Monat bleiben.

Bis zum Jahr 1975 hatten die meisten OMer den Libanon wegen des Bürgerkriegs verlassen, gleichzeitig entstanden neuen Teams in Nordafrika. 1989 begann der Langzeitmitarbeiter Craig* die Arbeit von OM in Syrien. Zwei Jahre später teilte OM das Team der arabischen Welt in sechs Bereiche auf, „aber das war alles ganz klein“, erinnert sich Craig. Zu der Zeit hätte alle Mitarbeiter des Bereichs Naher Osten in einen Kleinbus gepasst.

In den 90ern wuchs OMs Arbeit in der arabischen Welt drastisch. „Etwas vom Spannendsten, was wir damals gemacht haben… waren die Love Libanon Konferenzen und Einsätze, aus denen schließlich Love Mittlerer Osten wurde. Es gab Konferenzen im Libanon und Teams mit verschiedenen arabisch-sprechenden Nationalitäten – Libanesen, Ägypter, Sudanesen, Syrer – wurden überallhin geschickt. Später gab es einige Konferenzen in Ägypten, bei denen Algerier dabei waren“, erzählt Clara.

Der Sudan, Jemen und Syrien boten alle lähmenden Herausforderungen: Teams fingen an und mussten aufhören, OMer wurden gekidnappt, eingesperrt und getötet.

Trotz alledem und inmitten davon „ist Gott immer noch durch seine Leute am Wirken“, sagt Craig. „Wir sehen vielleicht nicht so viel Frucht, wie wir möchten, aber wir sehen, dass Leben verändert werden. Damals nur eine Handvoll hier und da. Heute zu Tausenden.“

Erweckung weht durch Algeriens Gebiet der Kabylei. Tausende Syrer haben zu Jesus gefunden. „Was wir heute unter den Somaliern erleben, hätten wir uns noch vor ein paar Jahre nicht zu träumen gewagt. Unter all diesen Gruppierungen beruft der Herr einheimische Leiter,“ stellte ein anderer langjähriger Mitarbeiter fest.

Es geht weiter
Heute ist OM eines der größten Missionswerke, das unter Muslimen arbeitet. „Es gibt viele verschiedenen Nationalitäten in unserem Gebiet. In einigen Ländern gibt es eine große einheimische Leiterschaft. Wir arbeiten mit örtlichen und internationalen Organisationen und Gemeinden zusammen“, schildert der Leiter von OMs MENA Gebiet.

Dennoch, viele Muslime kennen Jesus nicht und haben keine Gelegenheit, das Evangelium zu hören. „Wir müssen die Arbeit weiter vorantreiben, weiter den Weg bahnen, weiter dahin gehen, wo niemand anderes hingeht“, fordert er heraus.

OMs Arbeit in MENA wurde durch politische und technische Veränderungen beeinflusst. Einige Arbeitszweige schätzen immer noch das gedruckte Buch, andere bevorzugen Multimedia. Teams senden Bibelverse per SMS an Kontakte vor Ort und verteilen SD Karten statt Flyer aus Papier.

“Früher konnte man einfach durch Nordafrika trampen”, stellt der Leiter von OM MENA fest. Aber „unser Umfeld hat sich geändert, die Welt hat sich geändert und darum müssen wir erfinderisch bleiben… aber mit den gleichen Grundwerten.“

„Wir haben immer noch die gleiche Leidenschaft: die Unerreichten [mit dem Evangelium] erreichen“, bestätigt Clara.

Der Pioniergeist aus unserer Anfangszeit ist geblieben“, stimmt der Leiter zu. „Es sind herausfordernde, aber oft sehr spannende Zeiten. Ich bin voller Hoffnung für das Evangelium.“

*Name geändert

Nicole James ist Journalistin, Lehrerin für Englisch als Fremdsprache und Abenteurerin. Sie schreibt für OM Mittlerer Osten/Nordafrika und brennt dafür, die Geschichten von Gottes Wirken untern den Völkern zu veröffentlichen und so den Menschen von den wunderbaren Dingen zu erzählen, die er in der Welt tut.



04 Leben ohne Kompromisse: der unverkennbare Lebensstil von OM

TeambuildingOM entstand zu einer Zeit, als überall auf der Welt junge Menschen den damaligen Status quo infrage stellten. Kurz vor Beginn der 1960er waren die Rahmenbedingungen für George Verwer und seine Mitstreiter nahezu ideal: Sie waren bereit, mit Konventionen zu brechen, sich nicht anzupassen und konnten in dieser Zeit mit großer Klarheit zur kompromisslosen Nachfolge aufrufen. Die Art der Jüngerschaft, von der sie sprachen, sollte einen sichtbaren Einfluss auf ihren Lebensstil und -philosophie haben, und zwar nicht nur einen Sommer, sondern das ganze Leben lang. Es ging darum, Gott und sein Reich über alles andere zu stellen, vor allem aber über die eigenen Bequemlichkeiten.

Das „Spanische Manifest” einer Gruppe von OM-Mitarbeitern der ersten Stunde spiegelt diese Gesinnung sehr gut wider. Die „25 Studenten, die Jesus Christus leidenschaftlich lieben” formulierten 1961: „Unser Herr Jesus Christus war ein Revolutionär! Bedenkt … seine grundlegenden Lehren: ‚Liebt eure Feinde. … Wer unter euch der Größte sein will, soll euer Diener sein. Sammelt euch nicht Schätze auf Erden. So nun jeder von euch, der nicht allem entsagt, was er hat, kann nicht mein Jünger sein.’ … Unser Herr Jesus hat mit allen kulturellen Mustern gebrochen, die ihn daran hinderten, aufopfernde Liebe zu leben! Damit wir dieses Leben haben, ist Jesus gekommen. Wer nun so leben möchte, ist zwangsläufig ein Revolutionär, ein Mensch, der sich nicht an die Kultur anpasst, wenn man so möchte ein ‚Fanatiker’! Wenn wir uns Wort für Wort an alles halten würden, was Jesus Christus gelehrt hat, dann würde das zweifellos eine weltweite Revolution auslösen … Es ist wahr, dass wir nur eine kleine Gruppe junger Christen sind. Wir haben uns jedoch dazu entschlossen, aus Gottes Gnade heraus unser Leben, unseren Alltag auf Grundlage der revolutionären Lehren unseres Herrn zu leben. [Darin] liegt die Kraft, die die Welt für das Evangelium gewinnen wird … Wir werden vorangehen, bis jeder Mensch die Gute Nachricht gehört hat.”

OM-Mitarbeiter waren bald bekannt für ihren Enthusiasmus, mit dem sie für ein kompromissloses Leben einstanden. Sie wollten in ihrem Lebensstil und ihrer Sicht von der Welt konsequent sein. George lebte das natürlich vor: Er stellte alles infrage, was nicht absolut lebensnotwendig war. Schließlich konnte man für das zweite Paar Schuhe auch tausende von Traktaten kaufen oder Benzin erstehen, um damit ein weiteres Dorf zu erreichen. Einmal übergab ihm eine kleine mexikanische Gemeinde das Opfer, das sie eingesammelt hatten. George fragte daraufhin den Pastor der Gemeinde, ob er einen Anzug besäße (er hatte keinen). Als er so im Dunkeln in seinem Bus saß, meinte George: „Ich habe so viele Klamotten.” Er zog seinen Anzug aus, drückte ihn dem Pastor in die Hand und fuhr davon. Als er gegen Mitternacht an der Unterkunft des OM-Teams ankam, trug er nur noch seine Unterwäsche. Das war ganz typisch für George.

Es war Teil der Kultur von OM, bewusst Teams zusammenzustellen, deren Mitglieder verschiedener Abstammung und Herkunft waren. In diesen bunt gemischten, internationalen Teams bemühte man sich nach Kräften, einander wertzuschätzen. Daran wurde nämlich deutlich sichtbar, wie groß die Kraft des Evangeliums war. Dieser transparente, einfache Lebensstil sprach viele Gläubige im jeweiligen Einsatzland sehr an. Sie waren es nämlich gewohnt, dass Missionare aus dem Westen kamen und ein irgendwie abgehobenes Leben führten. Die OM-Teams lebten in Gemeinschaftsunterkünften (auch wenn das manchmal nur ein LKW-Anhänger war) und bildeten eine Lebensgemeinschaft. Ein Event im Jahr 1969, ein sogenanntes „OM Happening” in Indien wurde im Vorfeld folgendermaßen angepriesen: „Lebe, esse, schlafe, bete, predige, lerne gemeinsam mit anderen jungen Leuten aus Indien, England, Amerika, Afrika und Europa”. Unter den angeführten Attraktionen waren: „Wir schlafen auf dem Fußboden und benutzen Bananenblätter als Teller”. Das war OM-Sprache in Reinform.

Die OM-Teams waren überzeugt, dass jeder Mensch mindestens einmal in seinem Leben das Evangelium hören sollte. Darum wurden sie „klug wie Schlangen und arglos wie Tauben” wenn es darum ging, Literatur zu verteilen oder in anderer Form Menschen zu erreichen. Die Teams arbeiteten nachts und steckten Bibeln in jeden Briefkasten. Dabei waren sie der Polizei immer gerade eine Stadt voraus.

Man baute spezielle Lieferwagen mit Geheimfächern, um damit Bibeln hinter den Eisernen Vorhang zu schmuggeln. Die Empfänger waren Gemeinden, die dankbar waren für die Lieferungen. Selbst in „freien” Ländern verkauften die Teams motiviert riesige Mengen an Literatur. Sie brachten damit nicht nur das Evangelium unter die Leute, sondern finanzierten mit dem Erlös auch Essen und Benzin für ihre Fahrzeuge.

OM war es sehr wichtig, dass Kirchengemeinden und christliche Organisationen, die neben den Kirchen bestanden, miteinander in Kontakt kamen und zusammenarbeiten konnten. Alles, was wie ein Hindernis zwischen ihnen stand, sollte aus dem Weg geräumt werden. In den ersten Jahrzehnten gab es nur wenige andere Organisationen, die junge Menschen als Leiter einsetzten. Es war auch in christlichen Organisationen nicht üblich, dass sich Leute aus dem Westen einem Leiter aus dem jeweiligen Einsatzland unterordneten. George ging mit gutem Beispiel voran, um die OM-Bewegung auf diesem Kurs zu halten. Mit seiner Art „im Licht” zu leben leistete er einen wichtigen Beitrag: Er stand zu seinen Schwächen und bat um Vergebung. Das praktiziert er heute noch und hat schon unzählige Menschen inspiriert, es ihm nachzutun.

Anfang der 1960er-Jahre hatte man dann die Vision, ein Schiff zu kaufen. Das war ohne Frage ein radikaler Schritt. Man sammelte etwas mehr als zehn Jahre Erfahrung mit dem Schiff und hatte längst noch nicht alles im Griff, als dann eine weitere, ebenso gewagte Entscheidung folgte: Ein zweites, größeres Schiff sollte angeschafft werden. Zur Zeit der abschließenden Verhandlungen mit den Costas, Besitzern der Franca C (später in Doulos umbenannt), war es noch nicht klar, ob OM die nötigen finanziellen Mittel zur Verfügung stehen würden. Ein Vertreter der Costa-Familie machte jedoch folgende Bemerkung über OM: „Wenn diese Leute beten, dann zahlen sie auch!” Dieses Prinzip sollte sich durch die gesamte Geschichte der Bewegung hindurch zeigen: Gottes Stärke zeigt sich dann am meisten, wenn unsere Schwäche am größten ist.

Rückblickend schrieb George Verwer: „Als junger Christ hatte ich einen Hang zum religiösen Extremismus und tendierte dazu, übertrieben geistlich zu sein. Hätte ich nicht gelernt, den ‚menschlichen Faktor‘ bei mir und meinen Mitmenschen anzunehmen, wäre ich schon früh aus dem Rennen ausgeschieden.”

Und doch ist OM das, was es heute ist, weil tausende von Menschen kompromisslos und konsequent waren bzw. sind: Menschen, die seit Jahrzehnten in großer Treue beten, Menschen, die finanzielle Opfer bringen, um Teams und Projekte zu unterstützen und Menschen, die voller Begeisterung andere dazu motivieren, sich anzuschließen.

Lawrence Tong, der internationale Leiter von OM, sagt, dass heute immer noch Platz ist für Menschen, die Feuer und Flamme sind; dass es immer noch möglich ist, zu 100 Prozent für eine Sache zu leben: „Gott gebraucht Menschen, die sich leidenschaftlich, mit Haut und Haar für etwas einsetzen und sich komplett auf eine Sache konzentrieren. Er gebraucht sie mitten unter uns, um unser Denken infrage zu stellen und die Art von Veränderungen anzustoßen, die in uns Wachstum und Weiterentwicklung bewirken. Wir müssen Platz für Menschen schaffen, die anders sind als wir, die uns weiterbringen, uns anspornen, uns helfen alte Denkmuster aufzubrechen. ‚Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben von ganzem Herzen, mit ganzer Hingabe und mit deinem ganzen Verstand.’ (Mt. 22,37; NGÜ). Das ist die beste Art, die ich kenne, um mit Haut und Haar für etwas einzustehen!”

Greg Kernaghan arbeitet schon seit 1978 mit OM. Zu jener Zeit waren die OM-Pioniere in Leitungspositionen und die Geschichten der ersten Abenteuer konnte man noch aus erster Hand hören. Greg und seine Frau Anni dienten auf dem Schiff, in Finnland, in Kanada und als Teil des internationalen OMNI-Teams (Kommunikation).



03 Gott beruft ganz normale Christen für Kurzeinsätze

TeambuildingAls OM in den 1960ern unausgebildete Leute für Kurzeinsätze annahm, war das etwas völlig Unerhörtes. Heute ist es zu einem Hauptzugang in die Mission geworden.

Vor 60 Jahren sah die Welt anders aus. Präsidenten und Priester hatten viel mehr Einfluss auf die Öffentlichkeit. Flugreisen waren ein Luxus, den sich wenige leisten konnten. Missionsgesellschaften suchten Menschen mit einer gründlichen Ausbildung und der Bereitschaft, den Rest ihres Lebens auf dem Missionsfeld zu verbringen. Missionarische Kurzeinsätze waren unbekannt.

1960 zogen George Verwer, der Gründer von OM, und seine Frau Drena nach Madrid / Spanien und im Dezember kamen Betty Holt und Jean Davey aus den USA um zu helfen. Ein Jahr später stieß eine Gruppe von 25 Amerikanern dazu und gemeinsam bildeten sie drei Teams, die in Spanien, Frankreich, den Niederlanden, Deutschland und Österreich arbeiteten. Ziel war, Teilnehmer für den allerersten Sommereinsatz zu gewinnen. (Dieser Einsatz wurde von Jonathan McRostie organisiert, der später der Leiter von OM in Europa wurde.) An den Abenden und sonntags sprachen sie in Gemeindeveranstaltungen, tagsüber gingen sie von Montag bis Freitag mit evangelistischen Flyern und Büchern von Tür zu Tür. Manchmal unterstützten Jugendliche aus einer Gemeinde vor Ort sie samstags bei einer großangelegten Flyer-Verteilaktion.

Die Teams beteten um 200 junge Menschen, die im Sommer 1962 mithelfen würden, die Städte in Europa zu erreichen. Gott erhörte sie über ihre Erwartungen und brachte ihnen 400 junge Leute. Ganz gewöhnliche Christen wurden eingeladen mitzumachen, ohne besondere Vorkenntnisse oder Ausbildung und die Zahlen stiegen beständig.

Komfort und Zeit aufgeben
„Revolution der Liebe“ und „alles für Christus aufgeben“ gehörten zu den Schlagwörtern. Die Botschaft des Evangeliums musste in größtmöglichem Umfang bekannt gemacht werden, auch wenn das bedeutete, Komfort, Zeit, Geld und Luxus aufzugeben. Es konnte bedeuten, dass man in einer Gemeinde am Boden schlief (oder sogar in einem Kleinbus), lange Stunden arbeitet, oft mit wenig Geld und manchmal mit knappem Essen. Das Evangelium weiter zu geben war wichtiger als persönliche Bedürfnisse.

Flyer mit einer kurzen evangelistischen Botschaft und dem Angebot für einen Bibelkorrespondenzkurs wurden in Massen verteilt. Christliche Literatur und Bibeln wurden verkauft oder verschenkt, das Geld dafür versorgte den Kleinbus mit Treibstoff und das Team mit Essen. Die Botschaft wurde bei Straßenpredigten, Filmabenden, Tür-zu-Tür-Besuchen und in persönlichen Gesprächen mit Einzelnen weitergegeben. Gebet war ein ganz wichtiges Anliegen und jeden Morgen traf sich das Team zu einer Andacht mit Bibelstudium. Es gab eine Zusammenstellung von Sätzen in der Sprache des Gastlandes, damit auch ausländische Teammitglieder ein einfaches Gespräch führen konnten.

Im Jahr darauf, 1963, konzentrierten sich die Teams darauf die Dörfer in den südlichen Ländern Europas zu erreichen, statt der Städte wie im Jahr davor. Fast 2000 Menschen kamen aus 30 Ländern (700 davon allein aus Großbritannien!) und über einen Zeitraum von drei Monaten arbeiteten die Teams mit 400 Ortsgemeinden und 25 Missionswerken zusammen. Zusätzlich zur Gewinnung von Mitarbeitern und der Logistik, um die Vorbereitungskonferenzen und den Transport zu organisieren, mussten sie auch mit Widerstand rechnen. In einigen Ländern erlebten sie regelmäßig Verhaftungen und Verhöre von der Polizei.

Priester zerreißt Flyer
Betty Holt war die Leiterin eines Mädchenteams, das durch fünf oder sechs Provinzen in Andalusien im südlichen Spanien reiste. Zu der Zeit war Spanien immer noch sehr unter dem Einfluss der katholischen Kirche und von General Franco. Daher hatten alle in Spanien Angst vor den Protestanten, gleichzeitig waren sie aber auch hungrig nach Gottes Wort. „In den meisten Dörfern verteilten wir problemlos evangelistische Flyer an jeden, den wir trafen, nur um dann zu erleben, wie der Priester sie kurz darauf alle zerriss“, erinnert sich Betty.

In einem Dorf, als die spanischen Mädchen vom Team sich auf echt spanische Art angeregt mit dem Polizisten unterhielten, hatte Betty ein ruhiges Gespräch mit dem Priester. „Er fragt mich, wer wir sind, was wir glauben und warum wir das machten, was wir machten“, erzählte Betty. „Am Ende erklärte er, dass er begriffen hatte, was ich darüber gesagt hatte, dass wir gerettet werden, wenn wir an das durch Christus am Kreuz vollendete Werk glauben, und dass unsere guten Werke uns niemals in den Himmel bringen“, fährt Betty fort, „und am Ende sagte er dem Polizisten, er solle uns laufen lassen. Er nahm uns (sechs junge Frauen) zu sich nach Hause und zeigte uns dort eine Schrift, die er verfasst hatte und an die Menschen verteilte, basierend auf der Bibel. Wir hatten eine kurze, aber ermutigende Zeit mit ihm, wo wir ihm noch mehr von Christus erzählen konnten.“

Ihre Angst vor Verhaftungen verschwand nach und nach, als sie merkten, dass diese Verhaftungen zu den besten Gelegenheiten für die Weitergabe des Evangeliums führten – mit der Polizei! „Dieser Sommer in Spanien bereitete mich auf die Arbeit in der kommunistischen Welt vor, weil ich lernte, mit den Polizeibehörden umzugehen, und weil meine Bereitschaft ins Gefängnis zu gehen oder um Jesu Willen zu leiden geprüft wurden“, schrieb Betty viele Jahre später in ihrem Buch „Von Chicago bis ans Ende der Erde“.

Die Sommereinsätze gingen weiter und immer mehr Teams wurde in verschiedene Länder gesandt, einschließlich hinter den sogenannten „Eisernen Vorhang“, um Bibeln an die Gläubigen im Untergrund der kommunistischen Sowjetunion zu schmuggeln. Später gab es auch Kurzeinsätze über Ostern und Weihnachten und heute – das ganze Jahr durch und auf allen Kontinenten. Methoden und Örtlichkeiten haben sich vielleicht seit den Pioniertagen des Anfangs geändert, aber heute sind Kurzeinsätze für OM und zahlreiche andere Organisationen zu einem Haupteingangstor in die Mission geworden. Gott ruft immer noch ganz gewöhnliche Christen um die Gute Nachricht weiterzugeben und daran zu arbeiten, dass dynamische Gemeinschaften von Jesus-Nachfolgern überall auf der Welt entstehen.

Anne Marit Viljoen kommt aus Norwegen. Sie fing Anfang der 80er Jahre mit drei Sommereinsätzen in Frankreich an und ist seither als Langzeitmitarbeiter in der Verwaltung, Gästebetreuung, Leitung und Kommunikation in Europa und in der Region Ostasien/Pazifik. Sie und ihr Ehemann leben in Norwegen, momentan ist sie Teil des Kommunikationsteams von OM Europa.


02 George Verwer und die Geburt von OM
TeambuildingWer würde auf den Gedanken kommen, dass ein beliebter und unanständiger Teenager – der seine Zeit zum größten Teil damit verbrachte, Mädchen nachzujagen – nur ein paar Jahre später die Grundlage für ein internationales Missionswerk legen würde? Die Geschichte von George Verwer begann, als Dorothea Clapp, eine Frau aus New Jersey (USA), ihn an oberste Stelle ihrer „Heiliger-Geist-Gebets-Liste“ setzte.

In Wyckoff, New Jersey, war George im Jahr 1953 ein vierzehnjähriger, übermütiger Junge, der in der Ramsey High School vielversprechende Führungsqualitäten zeigte, als der Sohn von Frau Clapp ihm erstmals eine Ausgabe des Johannes-Evangeliums überreichte. Zwei Jahre später wurden ihre Gebete für seine Rettung erhört: bei einer Billy-Graham-Veranstaltung im Madison Square Garden nahm George Jesus an. Die beharrliche Frau Clapp begann daraufhin dafür zu beten, dass George ein Missionar werden würde. Sie konnte nicht ahnen, wie bald schon dieser kleine Same des Glaubens aufgehen würde.

George nutzte seine Position im Schülerrat, indem er Zeugnis vor einer großen Versammlung gab und Kopien des Johannes-Evangeliums in den Schulfluren verteilte. Um die 200 Schüler kamen durch diese Aktionen zum Glauben, und in George wurde die Leidenschaft und Gabe wach, Menschen für Jesus Christus zu gewinnen.
Im College fand er heraus, dass über 70 Prozent der mexikanischen Bevölkerung in keiner Form eine Ausgabe der Bibel besaßen. Völlig empört von dieser Information – und angesichts der Nähe, die Mexiko zu den USA, der Hauptnation der Aussendung von Missionaren hatte – und gepackt von der brennenden Überzeugung, dass „jeder das Evangelium zumindest einmal gehört haben sollte“, brütete er einen Plan für seine Sommerferien aus.

Im Juni 1957 packten er und seine Klassenkameraden Dale Rhoton und Walter Borchard einen alten 1949 Dodge-Truck voll mit spanischen Evangelien und Traktaten und fuhren von Chicago aus nach Mexiko City. Sie verpflichteten sich dazu, den Trip die nächsten drei Sommer zu wiederholen und starteten „Send the light“ (STL – Sende das Licht), eine vollwertige Missionsorganisation zur Verbreitung von Literatur. Diese umfasste auch ein Kuratorium und „La Vida Abundante“ („Das reiche Leben“), den ersten evangelikalen christlichen Buchladen in Mexiko City.

Im College lernte George Drena Knecht kennen, die als Sekretärin in der Filmabteilung von „Moody Radio“ arbeitete und seine Leidenschaft für Mission teilte – so sehr, dass sie nach ihrer einfachen Hochzeit im Januar 1960 die Flitterwochen ausließen und direkt nach Mexiko City zogen, um dort den Buchladen zu betreiben. Falls Drena jemals Zweifel daran gehabt haben sollte, dass ihr Leben mit George ein Abenteuer werden würde, so wurden diese spätestens ausgeräumt, als er auf ihrem Trip gen Süden die Hochzeitstorte gegen Benzin eintauschte!

Lernen durch Handeln
Acht Monate später hatte sich die Arbeit in Mexiko gut gefestigt, was die Verwers dazu veranlasste, einen weiteren Arbeitsbereich von STL in Spanien aufzubauen. Religionsfreiheit war unter dem faschistischen Diktator Franco nicht gestattet; nur die katholische Kirche durfte religiöse Literatur zur Verfügung stellen, sodass evangelikale Missionare vor verschlossener Türe standen. Als die katholische Kirche jedoch ihre eigene Ausgabe des spanischen Neuen Testaments herausbrachte, nutzen George und sein Team die Erfahrungen, die sie in Mexiko gesammelt hatten, um dort erfolgreich einen Buchladen zu eröffnen.

Obwohl „Victoria“, wie der Buchladen genannt wurde, nicht offenkundig christlich war, konnten sie unzählige Exemplare des Neuen Testaments der katholischen Kirche verkaufen – und mit ihnen „ergänzende“ Materialien, die den Fokus auf eine persönliche Beziehung mit Jesus Christus legten. Produkte auf diese Weise zu kombinieren, minderte das Misstrauen der Behörden und formte einen wesentlichen Teil von Georges missionaler DNA: kreative Wege zu finden, um das Evangelium in unverständige Nationen zu bringen.

Später in diesem Jahr nahmen George und seine Teamkollegen diese Herausforderung in einer neuen Form an: Sie schmuggelten Teile des Evangeliums nach Russland ein, was zunächst alles andere als gut ging. Nachdem George unüberlegt einen Fehldruck des Neuen Testaments aus einem Fenster in Moskau geworfen hatte, erkannte ein Passant die Literatur als verboten und meldete es den Behörden, was in einer Befragung des Teams durch den KGB und ihrer Abschiebung resultierte.

Ihre Bemühungen waren jedoch nicht ganz umsonst gewesen: Die Aktion stärkte Georges Beschluss, dass in einer Zeit explosiver Medien, Technologien und Reisemöglichkeiten jeder Mensch weltweit das Evangelium zumindest einmal hören könnte und auch sollte! Nach seiner Rückkehr aus Russland hatte er im Gebet eine Vision, wie er diesen Wunsch in die Tat umsetzen könnte.

George betrachtete an einer Raststätte in Europa gerade die Landschaft, als ihm in der Ferne eine Gruppe junger Leute auffiel, die in einen Schulbus stiegen. Plötzlich kamen ihm die Worte „Operation Mobilisation“ in den Sinn und mit ihnen eine neue Idee: mehrere Busse zu erwerben und sie mit jungen Christen zu füllen, die voller Leidenschaft darauf brannten, ihren Glauben mit anderen zu teilen.

Wie der erste Trip nach Mexiko im Jahr 1957 war das Projekt ursprünglich als einmalige Aktion gedacht. Aber als George sich mit europäischen Gemeindeleitern traf und Konferenz um Konferenz organisierte, um seine Vision mit anderen zu teilen, bildete sich aus dem Projekt eine Bewegung heraus. OM hat sich seither die Beschreibung verdient, eine Gruppe von 3400 Menschen zu sein, „die nicht still sitzen können und das Abenteuer, Jesus zu dienen, lieben.“

Wenn man nun zurückblickt, dann begann alles mit dieser geheimnisvollen Frau aus New Jersey – Dorothea Clapp. Durch ihr Gebet wurde aus dem kleinen Samen des Glaubens, der vor 60 Jahren in Georges Herz gepflanzt wurde, ein großer Baum, der sehr dem Bild ähnelt, das Jesus nutzt, um das Reich Gottes zu beschreiben: groß und immer weiter wachsend, mit Ästen, die sich über die ganze Erde erstrecken … trotz des kleinen Anfangs.

Patrick Woods, geboren und aufgewachsen im Missionsfeld in Südamerika, arbeitet als Autor und Inhalts-Verwalter für OM USA. Er lebt in der Atlanta Area und hat eine Leidenschaft für Langstreckenlauf, Bücher, Fernsehen, Koffein und Essen.


01 Ihn kennen und bekannt machen
Vom Anfang mit einigen Mittelschulstudenten, bis zur heutigen Organisation mit 3400 Mitarbeitenden aus über 100 Nationen in über 115 Ländern und auf einem Schiff, blieb OM im Herzen immer eine Bewegung, ein Ideal, eine Herausforderung, eine Einladung, eine Feier, eine Familie, die mehr von der Größe Gottes beeindruckt war, als von der Größe der Aufgabe, die sie von Gott empfangen hatte.
Eine große Anzahl Menschen wurde in den 60er Jahren von OM berührt, hunderttausende von Mitarbeitenden, hunderte von Millionen Menschen, die die Gute Nachricht hörten und hunderte von Missionsgesellschaften, die durch OM geboren wurden und eine unglaubliche Menge, die mobilisiert wurden, um Leben, ja ganze Gesellschaften zu verändern.
Die wirkliche Geschichte hat jedoch wenig mit Zahlen, dafür viel mit gewöhnlichen Menschen zu tun, Menschen mit einem kleinen Glauben an einen großen Gott. Eine der grundlegenden Aussagen von OM ist, dass Gott jeden brauchen kann, der Ihn an die erste Stelle setzen will – wir sind ein lebender Beweis dafür.
In den nächsten 60 Wochen werden wir von prägenden Momenten erzählen, die OM zu dem gemacht haben, was es heute ist. Meist war es nicht eine „Missionsstrategie“, die die Organisation gelenkt hat, sondern Gott, der uns für Dinge bereitgemacht hat, die wir uns gar nicht vorstellen konnten. Aber weil wir alle Menschen sind, wurden Fehler gemacht, Chancen verpasst und Beziehungen überspannt. Trotzdem erlebten wir die überwältigende Gnade Gottes und diese wurde das Zentrum unseres Zeugnisses.
OMer waren, speziell in den Anfängen, oft Pioniere. Beachtenswert ist die Palette der Initiativen, die durch sie ins Leben gerufen wurden:
•    Tausende junger Leute wurden aufgefordert, die Welt nicht nur zu bereisen, sondern sie auch für Christus zu verändern.
•    Ganze Nächte, die in Fürbitte für die Welt, ganz speziell für unerreichte Länder, verbracht wurden. Nach dem Beten über einer Weltkarte kam der Kauf eines Schiffes (schließlich wurden es vier), um die Nationen zu erreichen.
•    Grenzenloser Eifer im großen Ganzen, aber ganz speziell das Leben eines einfachen, radikalen Lebensstils, der Geld für das Weitergeben der Guten Nachricht freisetzte und das Leben in Teams erleichterte.
•    Das Schmuggeln von Bibeln und christlicher Literatur (später auch Maschinen zur Literaturproduktion) in osteuropäische und muslimische Länder.
•    Kurzbesuche ganzer Länder durch Einsatzteams, die in jeden Briefkasten im Land Evangelien steckten. Lokale Teams waren dann für die Nacharbeit verantwortlich.
•    Das Annehmen und Einsetzen von neuen Technologien, um die Gute Nachricht in geschlossenen Ländern weiterzugeben.
Gestützt wird das explosionsartige Wachstum weltweit, unter einer zunehmend wachsenden, indigenen Leiterschaft, durch einige Prinzipien (unser Ethos), die uns auch heute noch in unserer Jüngerschaft leiten und uns weltweit verbinden:
•    Eine gespürte Dringlichkeit, Gottes Reich auf Erden mit allen Mitteln zu fördern und die Bereitschaft zu dienen, wo es nötig ist.
•    Die Bereitschaft, Dinge im Glauben anzupacken, auch wenn das Risiko des Scheiterns besteht.
•    Die Verpflichtung, im Geber-/Senderland wie auch im Einsatzland, mit lokalen Kirchen zusammenzuarbeiten.
•    Die Verpflichtung, beim Weitergeben der Guten Nachricht mit anderen Organisationen zusammenzuarbeiten. Das heißt, dass z.B. eine Organisation Medien produziert und OM diese verteilt.
•    Eine „flache“ Organisation, in der die Leitung ansprechbar, verantwortlich und transparent ist.
•    Eine Kultur der Wertschätzung und eines ausgeglichenen Lebensstils.
•    Einen Sinn für Humor, der unsere ernste Arbeit auflockert.

Während eines internationalen Leitertreffens wurden im Gottesdienstteil indische Lobpreis-Chorusse gesungen. Unsere indischen Brüder lehrten uns jeden Tag einen neuen Chorus und wir sangen kräftig mit. Am letzten Tag klärten sie uns über den Text auf: „Wir lieben OM Indien! Wir versprechen, ihnen die Hälfte unseres Einkommens zu schenken!“
Bei einem ähnlichen Treffen wurde vom Leitergremium ein Traktandum vorgestellt, das sich mit der Notwendigkeit einer Ohrringvorschrift für Männer befasste. Nach einigen Minuten heißer Diskussion wurde das Ganze als Scherz enthüllt! Solcher Humor ist erwünscht.
Das erneute Erzählen von Begebenheiten während den kommenden Wochen wird sehr unterschiedlich sein, denn OM hat eine komplizierte Geschichte. Man könnte sagen, wäre OM ein Fahrzeug – und davon hatten wir Tausende – dann hätte es ein riesiges Gaspedal und nur sehr kleine Rückspiegel. Wir sind Leute, die vorwärtsschauen, Leute, denen Gottes Versprechen sehr bewusst sind.
Ein Teil unserer Geschichte liest sich so: „Seit unseren Anfängen wurden wir von unserer tiefen Überzeugung getrieben, dass jedermann die Gelegenheit haben sollte, die Gute Nachricht wenigstens einmal zu hören. Darum gingen wir. Kein Ort war zu schwierig, kein Volk zu weit weg, keine Idee zu verrückt, kein Traum zu groß, unsere Versagen hielten uns nicht zurück. Zehntausende haben mitgemacht und hunderte von Millionen haben die Gute Nachricht gehört. Aber fertig sind wir noch nicht!“
Wo wird uns dieses „noch nicht“ hinführen? Reise im kommenden Jahr mit uns und finde es selbst heraus…

Greg Kernaghan arbeitet schon seit 1978 mit OM. Zu jener Zeit leiteten die OM Pioniere und die Geschichten der ersten Abenteuer konnte man noch aus erster Hand hören. Er und seine Frau Anni dienten auf dem Schiff, in Finnland, in Kanada und als Teil des internationalen OMNI Teams (Kommunikation).

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